Kein "vielleicht" oder "könnte sein": Die Treibhausgase, die der Mensch in die Atmosphäre geblasen hat, haben zur Zunahme von Überflutungen beigetragen.
Die vom Menschen in die Atmosphäre ausgestoßenen Treibhausgase haben in den vergangenen Jahrzehnten zu einer Zunahme von extremen Niederschlägen und Überflutungen beigetragen.
Bild vergrößern
Fluten sind auf der Nordhalbkugel der Erde immer wahrscheinlicher geworden. Die Ursache: die von den Menschen in die Atmosphäre ausgestoßenen Treibhausgase. (© dapd)
Anzeige
Diesen klaren Satz trauen sich Klimaforscher aus Kanada und Schottland zum ersten Mal auszusprechen.
Bisher haben sie und ihre Kollegen ihre Aussagen in die Zukunft gerichtet, in Konjunktive gekleidet oder Wahrscheinlichkeiten und Statistiken bemüht - nun präsentieren sie ihr Ergebnis im Indikativ als historisches Faktum.
Zwischen 1951 und 1999 ist es für Orte auf der Nordhalbkugel immer wahrscheinlicher geworden, dass sie in Fluten versinken; die Wissenschaftler beziffern diese "substantielle Zunahme" mit sieben Prozent. Mit natürlichen Variationen sei das nicht mehr zu erklären, sagt Francis Zwiers von der University of Victoria auf Vancouver Island (Nature, Bd.470, S.378, 2011).
Der Effekt betrifft auch und gerade die Industrieländer, deren Abgase die Erwärmung maßgeblich ausgelöst haben. Eine starke Zunahme von extremen Niederschlägen in einer Fünf-Tage-Periode verzeichneten demnach zum Beispiel der Westen Deutschlands, die Benelux-Staaten, Ostfrankreich und Teile von Norditalien.
Auch große Teile der USA sind betroffen, ebenso wie Russland und Teile von Indien und China. Unterstützung bekommen die Forscher um Zwiers von Kollegen um Myles Allen aus Oxford. Sie haben die bisher stärksten Überschwemmungen in Großbritannien als Modellfall untersucht (auch in Nature).
Im Herbst 2000 war in England und Wales ein halber Meter Regen gefallen; mehr als 700 Orte standen unter Wasser. Zur Einordnung dieses einzelnen Extremereignisses müssen die Forscher allerdings wieder auf eine statistische Angabe zurückgreifen: Die globale Erwärmung habe diese Überschwemmungen doppelt so wahrscheinlich gemacht, sagt Allen.
Beide Forschergruppen standen vor dem Problem, die eingetretene Realität mit einer Fiktion vergleichen zu müssen, in der keine Treibhausgase die Atmosphäre aufgeheizt haben. Das geht nur mit Klimasimulationen, in denen man den Einfluss von Kohlendioxid und anderen Stoffen per Maus-Klick ausschalten kann.
Die Gruppe um den Oxford-Forscher hat für beide Fälle tausende Kalkulationen erstellen lassen. Privatleute hatten dafür Rechenzeit auf ihren sonst unterbeschäftigten Heimcomputern bereitgestellt.
Zwiers und seine Kollegen haben die Messdaten schwerer Regenfälle mit 140 Modellläufen verglichen, die für ihre 49-Jahres-Frist Niederschlagsextreme ausgeworfen haben - mal mit und mal ohne den Einfluss der vom Menschen ausgestoßenen Treibhausgase.
Für Deutschland hatte jüngst der Deutsche Wetterdienst davor gewarnt, dass extreme Niederschläge ab dem Jahr 2040 deutlich zunähmen.
- Thema
- Klimawandel RSS
- Klimawandel Wohin mit dem Treibhausgas? 15.02.2011
- Regenwald am Amazonas Schon wieder eine Jahrhundert-Dürre 04.02.2011
- Klimawandel 75 Prozent der Alpengletscher verschwinden bis 2100 10.01.2011
- Klimawandel Robert Scott und die "Cellarinella" 22.02.2011
- Wohin mit dem Kohlendioxid? Einfach wegdrücken 14.02.2011
- Energiewende "Wer sich dem Wandel widersetzt, wird überrollt" 08.02.2011
- Meereswissenschaften Nordpol aufgeheizt 28.01.2011
(SZ vom 18.02.2011)
DFB-Elf vor der Europameisterschaft
Es scheint zunächst hilfreich und harmlos in trockenen Gegenden Tiefenwasser zur Bewässerung zu entnehmen. Und nicht nur dort. Viele Wasserwerke in Mitteleuropa zaubern ebenfalls immer mehr Wasser an die Erdoberfläche. Was man oft übersieht und missachtet, ist, dass man dieses zusätzliche Wasser dem Wasserkreislauf in der Biosphäre zuführt.
die Erde kühlt durch Schwitzen wie wir. Wasser verdunstet unter Aufnahme von Wärme, der Wasserdampf steigt auf in die obere Atmosphäre. Dort nach Kondensation der Dampfes wird die Wärme wieder frei und über den Strahlungskanal weiter nach außen transportiert. Der kondensierte Wasserdampf fällt als Regen zurück zur Erdoberfläche. Diese globale Dampfmaschine wird schneller laufen mit zunehmender Erderwärmung. Damit wird es auch global mehr Niederschläge geben. Das ist physikalisch zwingend. Allerdings kann es auch Regionen mit weniger Regen geben (Amazonas). Für die Entstehung eins Wirbelsturms muss die Wassertemperatur höher als 26° C sein. Daher können auch kleine Temperaturänderungen gravierende Folgen haben, wenn eine Grenze überschritten wird.
den mit der richtigen Modellierung gibt es das gesuchte Ergebnis.
"Für Deutschland hatte jüngst der Deutsche Wetterdienst davor gewarnt, dass extreme Niederschläge ab dem Jahr 2040 deutlich zunähmen."
Und falls nicht, dann wird die Nichtzunhame trotzdem ein Beleg für den Klimawandel sein - so oder so
Tja, die Klimawandelreligion treibt schon seltsame Blüten - wie andere Religionen auch. Was würde wohl Kant dazu sagen...
„Andere Forscher trauen den Rechnungen weniger, wie sie auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE sagen: "Von einem Nachweis würde ich eher nicht sprechen", erklärt Bruno Rudolf vom Deutschen Wetterdienst (DWD). "Hochinteressantes Thema, tolle Autoren - nur die Analysen würde ich zurzeit noch nicht vertreten", ergänzt Reinhard Böhm, Klimatologe an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien (ZAMG).
Die Forscher kritisieren sowohl die Simulationen als auch die zugrunde liegenden Wetterdaten: Die gewählten Regendaten sehe er "als problematisch an", sagt auch Klaus Haslinger von der ZAMG. Sie seien "nicht homogenisiert", das heißt, sie wurden nicht auf ihre Vergleichbarkeit hin geprüft: Änderungen in der Umgebung des Messgeräts, ein Wechsel der Instrumente oder die Verlegung der Wetterstation könnten die Daten erheblich verändern, ohne dass Klimaänderungen verantwortlich wären.
Auf dieses Problem gehe "die Studie überhaupt nicht ein", moniert auch Reinhard Böhm. "Der verwendete Wetterindex RX1D stimmt uns bedenklich", sagt Böhm. "Bei unseren Untersuchungen schließen wir diese Daten aufgrund ihrer mangelnden Qualität meist aus."
Für Deutschland ergebe sich zudem das Problem, eine Zunahme extremer Regenfälle statistisch sauber zu belegen, sagt DWD-Forscher Rudolf: "Bei den sehr seltenen extremen Ereignissen können wir eine Zunahme noch nicht nachweisen." Hohe Tagesniederschläge von mehr als 30 Millimeter seien aber in den letzten 60 Jahren eindeutig häufiger geworden, insbesondere im Winter.
Auch die Klimasimulationen stoßen auf Vorbehalte: Sie zeigten lediglich auf "hemisphärischer und kontinentaler Skala Gültigkeit" - also nur auf großen Gebieten, sagt Haslinger. "In kleineren Raumeinheiten ergeben sich widersprüchliche Muster." Und ausgerechnet Klimamodelle, die realistischerweise menschliche und natürliche Klimaeinflüsse kombinierten, bildeten die Niederschlagsentwicklung weniger gut ab. Es müsse folglich "angenommen werden, dass die Modelle, die Klimaeinflüsse noch nicht adäquat beschreiben", so Haslinger.
Auch die Autoren der "Nature"-Studien räumen ein, dass sie die konkreten Wetterverhältnisse, die Extremregen auslösen, mit den Modellen nicht nachvollziehen können. Insbesondere bleibe unklar, ob sich einfach nur Klimazonen verschoben hätten - und mit ihnen das Starkregenwetter, bemerkt Richard Allan.“
www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,746153,00.html
Paging