Klima Die Grönlandsee wird warm

Das Tiefenwasser der Grönlandsee erwärmt sich rascher als andere Ozeane. Das ist das Ergebnis einer Langzeitstudie. Die Autoren der Untersuchung warnen: Die in dem Tiefenwasser gespeicherte Energie bedeuten für Europa vier Grad mehr.

Das Tiefenwasser der Grönlandsee, die zwischen der Ostküste Grönlands und der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen liegt, erwärmt sich etwa zehnmal schneller als die Weltmeere in Durchschnitt. Unterhalb von 2000 Metern sei die Temperatur des Wassers in den vergangenen 30 Jahren um 0,3 Grad gestiegen, berichtete eine Forschungsgruppe des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (Awi).

Die Zahl müsse in Relation zu der großen Masse der erwärmten Wasserschicht gesehen werden, teilte die Autorin der Langzeitstudie, Raquel Somavilla Cabrillo, am Dienstag in Bremerhaven mit. Die in den Tiefen der Grönlandsee zusätzlich gespeicherte Energie entspreche einer Erwärmung der Atmosphäre über Europa um vier Grad.

Grund für die Erwärmung des Tiefenwassers seien Veränderungen im Gleichgewicht von absinkendem kalten Oberflächenwasser und wärmerem Tiefenwasser aus der Arktis. Die Studie über das Meer zwischen der Ostküste Grönlands und Spitzbergen ist kürzlich in den Geophysical Research Letters erschienen. Seit dem Jahr 1993 fahren Awi-Forscher regelmäßig per Eisbrecher zu Messungen in die Grönlandsee. Für ihre Studie haben sie zudem Daten anderer Teams genutzt, die bis 1950 zurückreichen.