Homosexualität im Sport Beschimpfung auf und neben dem Spielfeld

Der erste homosexuelle Spieler in der NFL: Michael Sam

(Foto: Reuters)

Homosexualität ist im Sport immer noch ein Tabu. Laut der bisher größten Umfrage dieser Art müssen Sportler, die sich outen, weiterhin Anfeindungen und Gewalt fürchten. Sogar Fans können oft nicht ungefährdet zu ihrer Sexualität stehen.

Von Robert Gast

Schwule und Lesben in angelsächsischen Ländern werden bei Sportveranstaltungen stark diskriminiert. Das geht aus der größten Online-Umfrage hervor, die bisher zu diesem Thema durchgeführt wurde. An der "Out-on-the-Fields-Studie" nahmen 7000 homosexuelle und 2500 heterosexuelle Hobbysportler aus Großbritannien, Irland, USA, Kanada, Australien und Neuseeland teil. 83 Prozent gaben an, dass Witze auf Kosten von Schwulen, Lesben und Bisexuellen beim Sport an der Tagesordnung seien. Ein Fünftel ist schon einmal Opfer von körperlicher Gewalt geworden.

Die größte Akzeptanz genießen homo- oder bisexuelle Sportler der Umfrage zufolge in Kanada, am schwersten haben sie es in den USA. Ein Drittel der schwulen Sportler würde sich gerne outen, fürchtet aber Anfeindungen.

Das gilt nicht nur fürs Spielfeld: Vier Fünftel der Umfrageteilnehmer finden, dass auch Zuschauer, die sich offen zu ihrer Homosexualität bekennen, am Rande von Sportveranstaltungen nicht sicher seien.

Organisiert hat die Studie ein Verband schwuler australischer Rugbyspieler. In der Vergangenheit seien Umfragen mit weniger Teilnehmern von Sportverbänden als nicht repräsentativ dargestellt worden, schreiben die Autoren Erik Denison und Alistair Kitchen.

"In Deutschland würden wir vermutlich vergleichbare Befunde finden"

Sie haben daher sieben angesehene Wissenschaftler zur Beratung hinzugezogen, durchgeführt hat die Umfrage letztlich eine Marktforschungsagentur. Bisher sind die Ergebnisse allerdings nicht in einem wissenschaftlichen Journal veröffentlicht worden.

Der Psychologieprofessor Martin Schweer von der Universität Vechta hält sie dennoch für schlüssig. "In Deutschland würden wir vermutlich vergleichbare Befunde finden", sagt Schweer, der auch wissenschaftlicher Leiter der Initiative "Fußball für Vielfalt" ist. Die Vorbehalte gegenüber Homosexuellen seien von Sportart zu Sportart verschieden, sagt er. Je stärker männlich konnotiert eine Sportart sei, desto eher müssten Homosexuelle mit Diskriminierung rechnen.

Lesben würden zwar eher akzeptiert als Schwule, hätten aber auch mit Anfeindungen beim Sport zu kämpfen. Bisher sei das Thema in Deutschland aber nur unzureichend erforscht. "Es ist sehr schwierig, in diesem Bereich an Aussagen von Betroffenen zu kommen", sagt Schweer. Er plant ähnliche Umfragen wie die von "Out-on-the-Fields", sucht aber noch Geldgeber.