Havariertes Atomkraftwerk Tschernobyl-Sarkophag droht Baustopp

Am Ende sollen es 42 000 Quadratmeter sein: Teil der neue Schutzhülle für den zerstörten Atomreaktor in Tschernobyl in der Ukraine

(Foto: dpa)

Der alte Betonschutz ist brüchig, der neue Stahl-Sarkophag erst halb fertig: Die Atomruine im ukrainischen Tschernobyl braucht dringend eine gewaltige Schutzhülle. Doch die bislang für den Bau bereitgestellten Mittel gehen offenbar schon bald zu Ende.

  • Für die Fertigstellung der neuen Schutzhülle der Atomruine in Tschernobyl fehlen offenbar 615 Millionen Euro. Bereits Ende 2014 droht das Geld auszugehen.
  • Die sieben führenden westlichen Industriestaaten (G 7) müssen zusätzliche Mittel bereitstellen. Deutschland kommt als derzeitigem Inhaber der G-7-Präsidentschaft eine Schlüsselrolle bei der Lösung des Problems zu.

Baustopp für neue Tschernobyl-Stahlhülle droht

Strahlende Risiken

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Ohne finanzielle Hilfe Deutschlands und der anderen G-7-Staaten droht ein Baustopp bei der dringend benötigten neuen Schutzhülle für den zerstörten Atomreaktor in Tschernobyl. Es bestehe ein Finanzierungsdefizit von 615 Millionen Euro, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus Regierungskreisen.

1997 hatten die sieben führenden westlichen Industriestaaten (G 7) den Aufbau eines Fonds vereinbart, um einen Sarkophag für den 1986 zerstörten Reaktorblock 4 zu finanzieren. Da der bisherige Betonschutz brüchig ist, wird zum dauerhaften Schutz vor hoch radioaktiver Strahlung eine riesige neue Stahlhülle gebaut, die etwa zur Hälfte fertig ist. Aber die bisher zur Verfügung gestellten Mittel werden Ende 2014 aufgebraucht sein.

Die über den havarierten Reaktor gespannte Schutzhülle soll am Ende 42 000 Quadratmeter groß sein, der Bau ist beispiellos.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace mahnte eine rasche Lösung an. Es wäre unverantwortlich, wenn der Bau abgebrochen werden müsste.

Deutschland in der Pflicht

Da Deutschland derzeit die G-7-Präsidentschaft innehat, kommt der Bundesregierung eine Schlüsselrolle bei der Sicherung der weiteren Finanzierung zu. Für Mitte Oktober ist nun unter Federführung des Bundesumweltministeriums ein Treffen der G-7-Gruppe für Nuklearsicherheit geplant, um zusätzliche Zusagen einzusammeln.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sagte: "Die Fertigstellung der neuen Schutzhülle für den Sarkophag ist unabdingbar, um den havarierten Reaktor sicher zu umschließen und seinen Abbau zu ermöglichen." Zugleich sei dies die Voraussetzung, um die Region Tschernobyl in einen ökologisch sicheren Zustand zu bringen. Die Bundesregierung werde sich im Rahmen ihrer G-7-Präsidentschaft dafür einsetzen, "dass die Finanzierungslücke für dieses Projekt von den Geberländern gemeinsam geschlossen wird".