Gutachten von Lebensmittelexperten EU-Behörde warnt vor Bisphenol A

Bisphenol A steckt in Plastikflaschen und Verpackungen. Auch in Entwicklungsländern wie Bangladesch wird Plastikmüll zum Problem.

"Schädliche Wirkungen für Leber und Nieren" möglich: Lebensmittelwächter der EU warnen vor Bisphenol A. Doch kaum ein Stoff ist im Supermarkt so präsent.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit Efsa hat vor Gesundheitsgefahren durch den Stoff Bisphenol A (BPA) gewarnt. Die Chemikalie ist in vielen Lebensmittelverpackungen enthalten.

Mehr als 450 Studien hatten die Efsa-Experten ausgewertet, um zu dem Schluss zu gelangen, BPA könne "schädliche Wirkungen für Leber und Nieren sowie Auswirkungen auf die Brustdrüsen" haben. Als ersten Schritt empfehlen sie, die sogenannte tolerierbare tägliche Aufnahmedosis auf ein Zehntel des bisherigen Wertes zu senken. Allerdings sei die Gefahr für Verbraucher grundsätzlich gering, da Menschen über die Nahrung weniger von dem Stoff aufnehmen als auch der neue Grenzwert besagt. Zudem bestünden erhebliche Unsicherheiten, etwa ob BPA auch Fortpflanzungsorgane, das Nerven- und Kreislaufsystem oder den Stoffwechsel stören kann.

Das Gutachten ist bislang vorläufig, eine endgültige Fassung soll im Sommer 2014 erscheinen. Dann sei es "die Zuständigkeit der politischen Entscheidungsträger" wie etwa EU-Kommission und Mitgliedstaaten, Maßnahmen wie Gesetzesänderungen zu ergreifen, erklärt die Efsa auf Anfrage.

Der Weltmarkt für BPA wächst ungebremst

Kritiker verdächtigen BPA, ähnlich wie das weibliche Hormon Östrogen zu wirken und die Spermienproduktion von Männern zu beeinträchtigen. In Babyfläschchen ist der Stoff bereits EU-weit verboten. Zwar bestünden noch Datenlücken, "doch die vorliegenden Kenntnisse sollten ausreichen, die Verwendung bestimmter Bisphenol A-haltiger Produkte aus Vorsorgegründen zu beschränken", erklärte der ehemalige Präsident des Umweltbundesamtes Jochen Flasbarth bereits 2010.

Dennoch wird erbittert um die Chemikalie gerungen - kein Wunder: Mit mehr als 3,8 Millionen Tonnen pro Jahr gehört BPA zu den meistproduzierten Chemikalien der Welt, für die Kunststoffproduktion ist es offenbar unverzichtbar. Ungeachtet aller Diskussionen wächst der Weltmarkt. Bis 2018 sollen es über acht Millionen Tonnen pro Jahr sein.

Auch die Efsa verfolgt in Sachen BPA nicht immer eine klare Linie. 2007 erhöhte die Behörde den Richtwert für die unbedenkliche tägliche Menge sogar auf die bislang geltenden 50 Mikrogramm täglich. Dieser sogenannte, nun bei 5 Mikrogramm liegende TDI-Wert ist rechtlich allerdings für Hersteller nicht bindend.