Geologie Rumpeln unter Santorin

Der Vulkan unter dem Ägäis-Achipel Santorin ist wieder aktiv. Forscher rechnen mit einem Ausbruch in den kommenden Jahren.

Von Christopher Schrader

Unter dem griechischen Archipel Santorin ist der Vulkan wieder aktiv. Mit Hilfe von GPS- und Radarsatelliten haben britische und griechische Forscher die Veränderungen des Feuerbergs analysiert, wie sie in der Fachzeitschrift Nature Geoscience berichten. Demnach gibt es zwar keine Anzeichen dafür, dass ein Ausbruch unmittelbar bevorsteht, betonen die Wissenschaftler um Michelle Parks von der Universität Oxford. Die Erdbeben hätten in jüngster Zeit sogar wieder nachgelassen. Dennoch sei in den kommenden Jahren mit einem Ausbruch zu rechnen. "Der Vulkan hat scharf eingeatmet", kommentiert dies Andrew Hooper von der Universität Delft. Auch er tippt auf eine Eruption in einigen Jahren.

Der Vulkan unter Santorin könnte in einigen Jahren ausbrechen, glauben britische und griechische Wissenschaftler.

(Foto: Reuters)

Seit anderthalb Jahren zeigt der Vulkan wieder Aktivität. Es begann mit einer Serie kleiner Erdbeben. In den Bars der Inseln klirrten die Gläser im Regal. Lokale Touristenführer haben der Geologin Michelle Parks erzählt, wie die Farbe des Wassers in manchen Buchten und die Menge des stark riechenden Gases sich änderten, das an manchen Stellen aus den Felsen entweicht.

Parks hat ein Netzwerk von Landmarken wieder in Betrieb genommen, mit dem die Insel zuletzt 1955 vermessen worden war. Mithilfe von GPS-Satelliten stellten die Forscher fest, dass sich Santorin um acht bis 14 Zentimeter gehoben hat. Beim Vergleich mit Daten von Radarsatelliten erkannten sie zudem, dass praktisch die gesamte Veränderung zwischen Januar 2011 und April 2012 stattgefunden hat.

Der Vulkan hat die Gestalt der Inseln in der Vergangenheit entscheidend geprägt. Ein gewaltiger Ausbruch hatte den Feuerberg vor 3600 Jahren in Stücke gerissen. Die Hauptinsel Thira, die steil aus dem Meer ragt, und die kleinere Thirasia sind die Bruchstücke des ehemals geschlossenen Kraterrandes. Die bei der Eruption ausgelöste Flutwelle beschleunigte womöglich das Ende der minoischen Kultur auf dem nahen Kreta.

Die Ägäis ist in den zerstörten Krater geflossen, in dessen Mitte etliche kleinere Ausbrüche die Insel Nea Kameni aufgeworfen haben. Die Ausbrüche wiederholen sich im Abstand von Jahrzehnten oder Jahrhunderten - der letzte war 1950. Danach herrschte weitgehend Ruhe, jedenfalls bis zum Januar 2011.

Offenbar ist seither in eine unterirdische Kammer, die etwas nördlich von Nea Kameni in vier Kilometer Tiefe liegt, frisches Magma eingeströmt. Das Volumen berechnen die Forscher auf 10 bis 20 Millionen Kubikmeter, das wäre ein Viertel bis die Hälfte jener Menge, die bei der letzten längeren Eruption 1939 bis 1941 ausgetreten ist.

Es ist allerdings nur ein Viertausendstel des Magmavolumens, das vor 3600 Jahren aus dem Untergrund geschleudert wurde. Solche gewaltigen Eruptionen sind selten; zwischen jener in minoischer Zeit und der vorletzten vergingen 18 000 Jahre.