Gentechnik Kampf um den Mais

Protestaktion gentechnik-kritischer Initiativen vor dem Kanzleramt gegen den Genmais 1507

Die genveränderte Maissorte 1507 könnte bald die EU-Zulassung erhalten. Dabei sind die Risiken für die Umwelt umstritten. Auch die Bundesregierung ist uneins.

Von Katrin Blawat und Daniela Kuhr

Es sind nur vier Ziffern, doch sie verursachen derzeit viel Wirbel: 1507. So heißt eine gentechnisch veränderte Maissorte, die schon bald in der Europäischen Union angebaut werden könnte. Derzeit wird über die Zulassung beraten. Es wäre nach der Maissorte Mon 810 und der Kartoffel Amflora erst die dritte transgene Pflanze, die seit 1998 die Zulassung erreicht hat.

Umstritten ist die Sorte, weil sie zwei artfremde Gene besitzt. Eines stammt aus dem Bakterium Bacillus thuringiensis (Bt). Es produziert natürlicherweise ein Gift gegen Schmetterlinge. Der Mais 1507 stellt das Toxin ebenfalls her und ist so resistent gegen Larven des Maiszünslers. Auch das zweite Gen stammt aus einem Bakterium. Es dient während der Herstellung der Gentech-Pflanzen als Hilfsmittel. Danach ist es irrelevant. Zwar macht es die Pflanze unempfindlich gegenüber dem Herbizid Glufosinat. Doch dieses Gift - nicht zu verwechseln mit einem anderen viel diskutierten Unkrautmittel, dem Glyphosat - dürfen Landwirte in Europa auf Maisfeldern ohnehin nicht mehr nutzen.

Für Menschen und Nutztiere stellt der Mais 1507 keine Gefahr dar. Daher sind Produkte der Pflanze in der EU bereits als Lebens- und Futtermittel zugelassen. Sie werden aus den USA, Kanada und Ländern Süd- und Mittelamerikas importiert.

Befürworter und Gegner widersprechen sich

Der Streit um mögliche Risiken konzentriert sich auf die Frage, ob und wie stark das von der Pflanze produzierte Gift auch anderen Organismen als den Schädlingen zusetzen kann. Gegner der Grünen Gentechnik warnen vor allem vor Auswirkungen auf einige geschützte Schmetterlingsarten. Ihrer Ansicht nach sind die Auswirkungen der Maissorte 1507 unzureichend untersucht. Befürworter widersprechen und verweisen auf zahlreiche Studien, laut denen Umweltrisiken vernachlässigbar sind, wenn Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden.

Über das Risiko für die nicht schädlichen Arten entscheiden vor allem zwei Faktoren: In welcher Konzentration bildet die Pflanze das Gift? Und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass andere Arten als die schädlichen damit in Kontakt kommen? Letzteres ist zahlreichen Studien zufolge für die meisten Schmetterlinge und Motten vernachlässigbar, weil sie sich nicht von Maispollen ernähren.

Der transgene Mais bildet das Gift vor allem im Pollen. Dort ist es etwa 350-mal stärker angereichert als in einem anderen Gentech-Gewächs, dem Mais Mon 810. Auch er produziert ein Bt-Toxin. Zahlreichen Studien zufolge geht von ihm keine Gefahr zum Beispiel für Bienen aus. Die beiden Toxine unterscheiden sich allerdings etwas. Inwiefern sich an Mon 810 gewonnene Erkenntnisse auf den Mais 1507 übertragen lassen, wird wohl ein ewiger Streit bleiben.

Deutschland kneift bei der Abstimmung

Die formal entscheidende Instanz für die Sicherheitsbewertung ist die European Food Safety Authority (Efsa). Sie kam 2012 zu dem Schluss, dass trotz der hohen Toxinkonzentration im Pollen negative Effekte mit großer Wahrscheinlichkeit auszuschließen seien. Dennoch fordert sie Maßnahmen, um auch seltene, sehr empfindliche Schmetterlingsarten zu schützen. So muss es dort, wo eine bestimmte Konzentration von Mais 1507 überschritten wird, zwischendrin auch Felder mit konventionellen Sorten geben. Außerdem muss auf mögliche Resistenzen des Maiszünslers gegen das Gift geachtet werden.

Resistenzen und Auswirkungen auf nicht schädliche Arten sind in jeder Form der Landwirtschaft ein Problem - auch dann, wenn nicht die Pflanze selbst das Insektizid bildet, sondern der Bauer es auf dem Feld versprüht. Das Bt-Toxin verwendet man auch auf Feldern mit konventionellen Pflanzen und sogar im Biolandbau. Und spritzt der Landwirt das Gift, kann dies nützliche Arten ebenfalls erheblich schädigen.

Am kommenden Dienstag wird der Europäische Rat über die Zulassung der Maissorte abstimmen. Deutschland wird sich der Stimme enthalten, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit. Das sei das übliche Verfahren, wenn sich die beteiligten Ministerien nicht auf eine einheitliche Position einigen konnten. So sind die SPD-geführten Ministerien für Umwelt, für Justiz und für Wirtschaft sowie das CSU-geführte Landwirtschaftsministerium gegen den Anbau - die CDU-geführten Ministerien für Forschung und Gesundheit sowie das Kanzleramt jedoch dafür. Der Sprecher des Agrarministeriums betonte allerdings, auf das Stimmverhalten von Deutschland komme es ohnehin nicht an. Da sich weder eine qualifizierte Mehrheit für noch gegen den Anbau abzeichne, habe die EU-Kommission bereits mitgeteilt, sie werde den Mais in jedem Fall zulassen - aus rechtlichen Gründen.