Forschungsbetrug Einfach nicht wahr

Aus den STAP-Zellen habe sich wieder ein Mäusefötus entwickelt, behauptete die Forscherin

(Foto: Haruko Obokata)

Die Nachricht aus dem japanischen Forschungslabor ging um die Welt, jetzt ist sie wohl endgültig auf eine Fälschung zurückzuführen: Ein bisschen Säure reicht nicht, um pluripotente Zellen zu produzieren.

Von Kathrin Zinkant

Die Affäre um zwei japanische Stammzellstudien verschärft sich weiter: Auf einer Pressekonferenz der Universität in Yamanashi sagte der Klonexperte Teruhiko Wakayama am Montag, eine unabhängige genetische Analyse habe "keine Beweise für die Existenz von sogenannten STAP-Zellen" geliefert. Die Zellen, die er aus den Original-Versuchen aufbewahrt hatte, sind folglich zwar Stammzellen. Sie gehören auch zum gleichen Mäusestamm, wie in der Studie angegeben. Allerdings gehen sie nicht auf die Versuchstiere zurück, mit denen Haruko Obokata in seinem Labor experimentierte.

Erst vor fünf Monaten hatte die junge japanische Wissenschaftlerin unter anderem als Erstautorin im Fachmagazin Nature eine neue, verblüffend simple Methode zur Herstellung von Stammzellen vorgestellt, Koautoren waren Wakayama und andere prominente Forscher. Demnach reicht ein äußerer Stimulus wie Säure, um die Lebensuhr von weißen Blutkörperchen zurückzudrehen. Das Ergebnis sollten Zellen sein, die man natürlicherweise nur in wenige Tage alten Embryos findet: sogenannte pluripotente Zellen, die fast alle Gewebe bilden können. Obokata nannte ihre Errungenschaft STAP; die Abkürzung steht für "stimulus-triggered acquisition of pluripotency". Diese STAP-Zellen sollten sogar noch vielseitiger sein als embryonale Stammzellen. Die Medien berichteten ausführlich, auch die SZ. Erst später fiel auf, dass eine Abbildung in den Publikationen manipuliert worden war.

Es liegt inzwischen nahe, dass die Forscherin vom Riken-Center für Entwicklungsbiologie in Kobe absichtlich getäuscht hat. Wakayama hatte schon im März gefordert, die umstrittenen Artikel zurückzuziehen. Er veranlasste auch die genetische Analyse der Zellen durch Dritte. Obokata lenkte erst vor zwei Wochen ein. Wakayama hält sich für mitschuldig, weil er der unter anderem an der Harvard University ausgebildeten Forscherin blind vertraut hatte. "Ich hätte mich der Forschungsdaten wenigstens in Teilen versichern müssen", sagte er am Montag. Ob STAP-Zellen vielleicht doch möglich sind, bleibe offen.

Viele Forscher glauben, dass sich in der Veröffentlichungspraxis nun manches ändern muss. Der Stammzellforscher Hans Schöler aus Münster rät im Fachmagazin Science: "Wiederholt (die Versuche) sofort. Ein anderer aus dem Labor muss das machen, bevor es rausgeht."