Erderwärmung Was Forscher über den Klimawandel wirklich wissen

Dürre auf den Philippinen: Die Trockenheit wurde wahrscheinlich vom Wetterphänomen El Niño ausgelöst.

(Foto: dpa)

Wie ist der Stand der Wissenschaft zu den wichtigsten Fragen?

Von Christoph Behrens, Robert Gast und Markus C. Schulte von Drach

Um wie viel Grad hat sich die Erde bereits erwärmt und warum?

Von 1880 bis 2012 ist es auf der Nordhalbkugel um etwa 0,85 Grad wärmer geworden. Die zehn wärmsten Jahre seit Beginn systematischer Messungen fallen alle in die Zeit nach 1997. Noch ist 2014 der Spitzenreiter. Doch mittlerweile sieht es so aus, als würde 2015 noch wärmer, wie vor kurzem die Weltorganisation für Meteorologie bekannt gab. Demnach könnte dieses Jahr erstmals ein Grad über dem vorindustriellen Temperaturniveau liegen.

Bei einem einzelnen zu heißen Jahr könne man noch von einem Zufall ausgehen, sagt Jochem Marotzke, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. "Aber diese Häufung heißer Jahre ist praktisch nicht mehr zu erklären ohne den Klimawandel." Es gebe keine anderen plausiblen Erklärungen als die vom Menschen emittierten Treibhausgase in der Atmosphäre.

Der Weltklimarat bezeichnet es in seinem jüngsten Sachstandbericht als "extrem wahrscheinlich", dass der Anstieg der Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre für mehr als die Hälfte des beobachteten Temperaturanstiegs der letzten 60 Jahre verantwortlich ist. Treibhausgase wie CO₂, aber auch Methan oder Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) reichern sich in der Atmosphäre an und absorbieren Wärmestrahlung, die von der Erde abgegeben wird, so dass sich die Atmosphäre erwärmt.

Wie heiß könnte es werden?

Der Weltklimarat IPCC hat verschiedene Szenarien entwickelt, welche die Zukunft des Erdklimas beschreiben könnten. Im optimistischsten Fall steigt die globale Durchschnittstemperatur bis 2100 nur noch um ein halbes Grad, im Vergleich zur vorindustriellen Zeit wären es etwa 1,5 Grad. Das Szenario geht allerdings davon aus, dass die CO₂-Emissionen nur noch wenig zunehmen und von 2030 an stark abnehmen. Von 2070 an dürfte die Menschheit überhaupt keine Treibhausgase mehr freisetzen.

Das andere Extrem bildet eine sehr düstere Zukunftsvision: Kraftwerke, Fabriken und Autos stoßen in den kommenden Jahrzehnten immer mehr klimaschädliche Gase aus. Klimaschutzmaßnahmen beginnen erst nach 2050 langsam zu greifen. Im Jahr 2100 wird die Vier-Grad-Marke geknackt. Im Jahr 2150 wäre die Erde bereits um sieben Grad wärmer.

Obwohl seit mehr als 20 Jahren über ein globales Klimaschutzabkommen diskutiert wird, steuert die Menschheit zielstrebig in Richtung dieses Szenarios. Jahr für Jahr nehmen die Treibhausgas-Emissionen um etwa zwei Prozent zu. 2013 gelangten 36 Milliarden Tonnen CO₂ in die Atmosphäre, weil Menschen Kohle, Öl und Gas verbrennen oder Zement herstellen, hat das Global Carbon Project ermittelt. Damit liegen die Emissionen gut 60 Prozent höher als 1990.

Aber war in den letzten Jahren nicht von einer "Erwärmungspause" die Rede?

Immer wieder überschattete die Frage die Klimadebatte, ob die Erwärmung nach 1998, das besonders warm war, eine Pause eingelegt habe. Mittlerweile gilt diese Klimapause als widerlegt. "Die Erwärmung hat nicht komplett stagniert, sie ist langsamer geworden", sagt Jochem Marotzke, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie. Das sei einer Folge natürlicher Schwankungen gewesen, wie sie das Weltklima immer wieder zeige.

So haben sich offenbar in den vergangenen 20 Jahren die Passatwinde über dem Pazifik verstärkt, wodurch der Ozean kühler wurde. So konnte Wärme aus der Atmosphäre in das Meer wandern. Auch waren die Winter in Eurasien etwas kälter als sonst. Was diese Prozesse ausgelöst hat, wissen Klimaforscher noch nicht genau. Seit einigen Jahren steigen die globalen Durchschnittstemperaturen jedenfalls wieder kräftig.