Entwicklung von Jugendlichen IQ kann sich in der Pubertät noch ändern

Es ist vielleicht keine gute Idee, Schulkinder bereits sehr früh im Leben nach ihrer Leistungsfähigkeit zu sortieren. Britische Forscher haben nachgewiesen, dass der Intelligenzquotient entgegen der verbreiteten Annahme auch in der Pubertät noch steigen oder sinken kann.

Von Christian Weber

Britische Neurowissenschaftler haben neue Gründe gefunden, wieso es vielleicht doch nicht so sinnvoll ist, Schulkinder bereits sehr früh im Leben nach ihrer Leistungsfähigkeit zu sortieren: Sie konnten nachweisen, dass sich der Intelligenzquotient (IQ) entgegen verbreiteter Annahme auch noch in der Pubertät deutlich ändern kann (Nature, online).

Britische Wissenschaftler haben parallel zu Intelligenztests auch Hirnbilder mit einem Magnetresonanztomographen aufgenommen. Bei gewachsener verbaler Intelligenz nimmt demnach auch die Dichte der grauen Substanz in der Hirnregion zu, die für Sprachverarbeitung zuständig ist.

(Foto: Ramsden et al. / Nature)

In ihrer Studie ermittelten die Forscher um Cathy Price vom University College London bei 33 Teenagern im Alter von zwölf bis 16 Jahren mit den üblichen Tests die verbale und nicht verbale Intelligenz.

Vier Jahre später wiederholten sie Tests bei den mittlerweile 15- bis 20-Jährigen. Zum Erstaunen der Forscher ergaben sich bei den einzelnen Probanden Abweichungen von bis zu 20 Punkten auf der IQ-Skala im Vergleich zur ersten Testreihe - und zwar nach unten und nach oben.

Mit anderen Worten: Ein Jugendlicher, der mit zwölf Jahren über einen durchschnittlichen IQ von 100 Punkten verfügt, könnte sich im Extremfall als 16-Jähriger der Hochbegabung genähert haben oder umgekehrt als fast schon lernbehindert gelten.

So überraschend diese Ergebnisse sind, haben die Forscher doch weitere harte Belege für die Richtigkeit ihrer Befunde. So fertigten sie parallel zu den Intelligenztests auch Hirnbilder mit einem Magnetresonanztomographen an. Diese zeigten, dass etwa bei gewachsener verbaler Intelligenz auch die Dichte der grauen Substanz in der Hirnregion gestiegen war, die für Sprachverarbeitung zuständig ist. Geänderte IQ-Werte korrelierten also mit Änderungen in der Hirnstruktur.

Unklar bleibt allerdings, wie diese Wandlungsprozesse zu erklären sind, und wieso die IQ-Werte bei einigen Probanden stiegen und bei anderen sanken.

Waren vielleicht einige der Jugendlichen Früh- oder Spätentwickler? Oder zeigt die Qualität des Schulunterrichts Auswirkungen? Studienautorin Price spekuliert, dass es sich vielleicht ähnlich verhalte wie bei der Fitness: "Ein Teenager, der mit 14 Jahren körperlich fit ist, kann mit 18 weniger fit sein, wenn er zu trainieren aufhört."

Eine weitere Frage sei, ob die Intelligenz auch noch bei Erwachsenen ähnlich schwanken könnte; schließlich sei auch deren Gehirn noch plastisch. In einem aber ist sich Cathy Price bereits sicher: "Wir müssen aufpassen, dass wir Leistungsschwache nicht in einem frühen Stadium abschreiben, wenn sie doch ihren Intelligenzquotienten in wenigen Jahren noch deutlich steigern könnten."