Elefanten Törööö für "bitte trösten"

Elefanten wie diese zwei asiatischen Tiere in Thailand können sich gegenseitig bei Stress trösten

Elefanten spenden verängstigten Artgenossen Trost. Sie reagieren auf subtile Signale und muntern Kameraden auf - mit einer speziellen Rüssel-Geste.

Von Sebastian Herrmann

Wenn ein Elefant einen anderen umarmen will, wie funktioniert das eigentlich? Es läuft auf dieselbe Weise ab, wie wenn ein Elefant einem anderen die Hand schütteln will - nämlich ziemlich genau so: Er nimmt seinen Rüssel und steckt ihn dem Artgenossen ins Maul. Unter Elefanten sei das ein Zeichen guter Absicht, sagt Joshua Plotnik von der Emory University in Atlanta. Auf diese Weise spenden die Tiere anderen Trost, berichtet der Verhaltensforscher im Fachjournal PeerJ (online). Und offenbar verfügen Elefanten über feine soziale Antennen: Die Tiere kümmern sich so nämlich auch um Artgenossen, die unter Stress stehen oder sich vor etwas fürchten. Sie beruhigen sie und stehen ihnen bei, indem sie ihnen den Rüssel ins Maul stecken, sie sanft im Gesicht berühren oder eine hohes Gezwitscher von sich geben. Ein bemerkenswertes Verhalten, betont Plotnik, denn dafür müssen sich Elefanten in Artgenossen hineinversetzen können.

Elefanten leben in Gruppen mit engen sozialen Bindungen. So teilen sich zum Beispiel Weibchen die Pflege des Nachwuchses und kümmern sich auch um Kälber, die nicht ihre eigenen sind. Bekannt ist auch, dass die Tiere in der Lage sind, Artgenossen gezielt zu helfen, diese also bei der Lösung spezifischer Aufgaben zu unterstützen. Auch dazu müssen die Tiere verstehen, was der andere erreichen will, eine komplexe kognitive Leistung. Das sei ein Zeichen für Grundzüge von Empathie und der Fähigkeit, die Perspektive anderer zu übernehmen, schreiben Plotnik und der Primatenforscher Frans de Waal, der an der Studie beteiligt war.

Brummen, blubbern, trompeten als Signale

Die Wissenschaftler beobachteten insgesamt 26 Elefanten, die im Norden Thailands in einem Park für Touristen leben. Die Tiere verbrachten ihren Alltag dort in Gruppen von etwa je sechs Artgenossen, zu denen sie engere Bindungen haben. Gelegentlich gerieten einzelne Tiere unter Stress, etwa wenn eine Schlange durch das Gras raschelte, ein Hund vorbeilief oder ein offensichtlich übellauniger Elefant in der Nähe war. Ihr Unbehagen verdeutlichen sie durch tiefes Brummen oder Blubbern, durch Trompetenstöße, indem sie die Ohren ausklappen und ihren Schwanz recken. Die anderen Elefanten reagierten teils prompt auf diese Signale und kamen, um Trost zu spenden und die aufgeregten Artgenossen zu beruhigen.

"Angesichts ihrer engen sozialen Bindungen ist es kaum überraschend, dass sich Elefanten auf diese Weise um andere kümmern", sagt de Waal. Im Tierreich ist dieses Verhalten jedoch sehr selten. Bislang ist es nur von Menschenaffen, Hunden und wenigen Krähenvögeln bekannt. Unter den Elefanten in Thailand beobachteten die Forscher auch noch eine Art soziale Ansteckung: War ein Elefant aufgebracht, kümmerten sich auch unbeteiligte Artgenossen umeinander, etwa so, wie wenn sich ein Pärchen im Kino eng aneinanderschmiegt, wenn es gerade höchst aufregend wird.

Unglaublich nah

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