sueddeutsche.de: Die Beziehung zwischen den Eltern ist also nicht nur von Liebe, sondern auch von Interessenkonflikten geprägt.
"Eltern haben Interesse daran, dass es Krieger gibt." Eckart Voland ist Soziobiologe und Philosoph. (© Foto: Voland)
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Voland: Um dieser Überlegung folgen zu können muss man die Vorstellung akzeptieren, dass wir tatsächlich danach streben, unsere Fitness insgesamt zu maximieren. Und dass wir uns normalerweise nicht bewusst sind, das unser Verhalten dadurch motiviert ist.
sueddeutsche.de: Also gehen wir davon einmal aus.
Voland: Denken Sie an historische Gesellschaften, die ständig in Konflikt miteinander lebten. Um sich durchzusetzen und zu bestehen, brauchte man Krieger. Aber wer sollte die Kriegerrolle "freiwillig" übernehmen? Schließlich laufen Krieger Gefahr, verletzt oder getötet zu werden.
sueddeutsche.de: Deshalb sollte eigentlich niemand Interesse daran haben, Krieger zu sein.
Voland: Aber es gibt jemanden, der Interesse daran hat, dass es Krieger gibt. Paradoxerweise ist das evolutionär gesehen im Interesse der Eltern. Sie erziehen die Kinder zu einer altruistischen Haltung, zu Gewissensleistungen, zur Bereitschaft, ihr Leben für die Gemeinschaft aufs Spiel zu setzen, von der die Eltern ein Teil sind.
sueddeutsche.de: Und wenn die Eltern Kinder im Krieg verlieren . . .
Voland: Dann kann das bedeuten, dass trotz des schmerzlichen Verlusts die eigene Linie gesichert bleibt. Und die Familie kommt eine Runde weiter im endlosen und vollkommen unsentimentalen Spiel der Evolution. Nicht in die Gruppe zu investieren, wäre unter historischen Bedingungen auf Dauer noch nachteiliger gewesen.
Ein Extrembeispiel ist übrigens der Selbstmordattentäter. Der sprengt sich nicht aus Eigeninteresse in die Luft. Er versucht auf diese Weise nicht, seine Fitness zu erhöhen. Er tut es vielmehr, weil er während seiner Erziehung manipuliert wurde und ein Held sein will.
Das ist natürlich eine sehr extreme Ausprägungsform von gewissensgeleiteten Verhaltensweisen. Aber letztlich spricht einiges dafür, dass unser Gewissen evolviert ist, um unsere Bereitschaft zu altruistischem Verhalten zu erhöhen. Und das kann man herunterbrechen auf so harmlose Geschichten wie das Spenden zu Weihnachten aus einem schlechten Gewissen heraus.
Eckart Voland ist Professor für Philosophie der Biowissenschaften am Zentrum für Philosophie und Grundlagen der Wissenschaft an der Universität Gießen.
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(sueddeutsche.de/cmat)
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Mensch. Und ich habe immer gedacht, dass Sponsoring wäre als Werbeeffekt ganz einfach auf die Präsenzwirkung gesteckt: Ein Firmenlabel wird immer wieder gesehen die Existenz des Werbers an sich wird wahrgenommen - der Name prägt sich ein. Solche Sachen eben.
Aber falsch gedacht: Dem Verbraucher wird damit nahe gebracht, dass der Werber besonders potent ist. Dass er besonders viel Geld hat, wenn er es für Sponsoring zum Fenster hinaus werfen kann.
Hm. Ein ganz neuer Aspekt. Nicht ganz uninteressant. Wie gut, dass es Soziobiologen gibt, die uns das erklären.
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Die Wissenschaft hat keine Ahnung was Gewissen ist und woher es kommt..... alles Vermutungen und Spekulationen.
Richtig oder falsch:
Wenn Eltern kein Interesse an Kriegern hätten, gäbe keine Kriege. Gäbe es keine Kriege, hätten Eltern kein Interesse an Kriegern.
Da es aber Fakt ist, dass es Kriege gibt sind, sind die Eltern die Kriegstreiber ;-)