Bericht des Weltklimarates Frist für den Klimawandel läuft ab

Braunkohlekraftwerk Jänschwalde nordöstlich von Cottbus: 15 Jahre bleiben für einen bezahlbaren Klimawandel.

Die Zeit wird knapp: Nur 15 Jahre bleiben der Weltgemeinschaft noch, wirksame und vor allem bezahlbare Maßnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen. Das zeigt ein internes Papier des Weltklimarates.

Von Christopher Schrader

In 15 Jahren schließt sich das Fenster für bezahlbare, wirkungsvolle Maßnahmen zum Klimaschutz. Davon ist der Weltklimarat IPCC offenbar überzeugt. Falls die Nationen der Welt bis dahin nicht angefangen haben würden, die Emissionen von Treibhausgasen deutlich zu begrenzen, hinterließen sie kommenden Generationen ein fast unlösbares Problem. Diese Schlussfolgerung steht im vertraulichen Entwurf für einen Bericht des IPCC. Es handelt sich um die Zusammenfassung der dritten Arbeitsgruppe, die der Nachrichtenagentur Reuters und der New York Times zugespielt wurde. Das Dokument soll im April in Berlin vorgestellt werden; es liegt zurzeit bei den IPCC-Mitgliedsstaaten zur Prüfung.

Sollte es bis 2030 keinen Fortschritt geben, warnen die Forscher, wären die Nationen der Welt bald gezwungen, aktiv CO₂ aus der Atmosphäre zu entfernen. Das ist technisch zwar möglich, indem zum Beispiel beim Einsatz von Biotreibstoffen die enthaltenen Treibhausgase aufgefangen und in tiefe Gesteinsschichten unter der Erde gepumpt werden. Aber der Einsatz solcher Methoden ist umstritten und teuer; außerdem stünde der Anbau von Biotreibstoffen in Konkurrenz zur Gewinnung von Lebensmitteln auf den gleichen Feldern.

Fallende Emissionen sind eigentlich eine Illusion

Preisgünstiger sei in jedem Fall die globale Umstellung des Energiesystems. Laut Reuters müsste die Welt dafür 2030 zwischen einem und vier Prozent der globalen Wirtschaftsleistung aufwenden; am Ende des Jahrhunderts könnten es zwei bis zwölf Prozent sein. Bis 2029 seien 147 Milliarden Dollar pro Jahr in CO₂-arme Kraftwerke zu investieren, zitiert die Agentur aus dem Entwurf. Dazu zählten neben Wind- und Sonnenkraftanlagen auch Kernkraftwerke, so die Forscher.

Zurzeit aber, so beklagen die Wissenschaftler laut New York Times, wenden die Nationen der Welt mehr Geld für Subventionen der fossilen Brennstoffe Kohle, Öl und Gas auf als für Investitionen in Ökoenergie. Darum würden Fortschritte in den wohlhabenden Staaten durch den insgesamt wachsenden Energieverbrauch übertroffen, der vor allem aus fossilen Quellen gedeckt wird.

Dass die reichen Staaten zum Teil fallende Emissionen melden, sei zudem eigentlich eine Illusion. Durch den zunehmend globalisierten Welthandel kämen viele im reichen Westen konsumierte Waren inzwischen aus Asien, vor allem aus China. Die wohlhabenden Staaten hätten also einen Teil ihrer Emissionen quasi dorthin ausgelagert.