Bemannte Raumfahrt Selbst die ramponierte Erde ist besser als der Mond

So stellt sich die ESA das künftige Leben auf dem Mond vor.

(Foto: AFP)

Raumfahrt-Behörden träumen von Mond-Dörfern und neuen Raumstationen. Dabei gibt es im All wenig für den Menschen zu tun.

Kommentar von Marlene Weiß

In einem etwas verworrenen Roman des Bestseller-Autors Frank Schätzing fährt eine Reisegruppe zum Mond, auf dem zu diesem Zeitpunkt bereits Bergbau-Stationen und ein Hotel stehen. Der Trip geht natürlich schief, die Reisenden bringen sich gegenseitig um, zünden Bomben, außer dem Leser kommt kaum jemand heil aus der Sache heraus. Science-Fiction, klar. Aber wenn man so hört, was derzeit seriöse Raumfahrt-Institutionen verlauten lassen, kann man sich schon fragen, ob die Beteiligten zu viele Science-Fiction-Romane gelesen haben - oder vielleicht zu wenige.

Schon länger erwägt man etwa bei der europäischen Raumfahrtbehörde Esa, ein dauerhaftes Mond-Dorf aufzubauen. Bei einer Konferenz in Riga hat der Chef der entsprechenden Esa-Arbeitsgruppe kürzlich von den Möglichkeiten geschwärmt: Bis 2030 könnte man eine erste Siedlung einrichten, 2050 könnten schon tausend Menschen auf dem Mond leben. In einigen Jahrzehnten könnten Kinder auf dem Mond geboren werden.

Russland und die USA planen gemeinsame Raumstation im Mond-Orbit

Unter Federführung der Nasa wollen beide Staaten den Weltraum erforschen. Viele Details sind allerdings noch offen. mehr ...

Selbst auf einer ramponierten Erde lebt es sich deutlich angenehmer als auf dem Mond

Die Nasa wiederum will in einer Umlaufbahn des Mondes eine neue Raumstation einrichten. Die soll dann nicht nur die internationale Raumstation ISS als Außenposten im All ersetzen, sondern auch als eine Art Boxenstopp-Station für Mondlandungen oder bemannte Mars-Flüge dienen. Anfang der Woche haben die Nasa und ihr russisches Pendant Roskosmos angekündigt, gemeinsam weiter an dem Projekt namens Deep Space Gateway zu arbeiten. Langfristig ist das kaum weniger ambitioniert als das Mond-Dorf.

Als Begründung für solche extrem teuren, riskanten und wissenschaftlich überflüssigen Passagierfahrten ins All heißt es oft, dass die Erkundung des Unbekannten eben in der Natur des Menschen liege. Aber in der Natur des Menschen liegt vieles, was man sich in Jahrtausenden der Zivilisation erst mühsam abgewöhnt hat. Und was ist der tiefere Sinn im Ziel der Nasa, "die menschliche Präsenz im Sonnensystem auszudehnen"? Die Präsenz des Menschen hat noch den wenigsten Regionen gutgetan, und zum Leben taugt im Sonnensystem ja doch nur die Erde wirklich, selbst in ramponierter Form.

Dabei kann der Mensch im All großartige Dinge erreichen, solange er nur auf der Erde bleibt. Das haben zum Beispiel die Voyager-Sonden gezeigt, die seit 40 Jahren Daten senden. Oder die jüngst verglühte Sonde Cassini, die ganz neue Erkenntnisse über Saturn und seine Monde gebracht hat. Selbst wenn bemannte Fahrten zu solchen Zielen möglich wären, es hätte keinen Nutzen gebracht. Weil es im Weltraum für Menschen nun einmal wenig zu tun gibt, was Maschinen nicht besser könnten, und billiger sowieso.

Adieu Cassini, mach's gut

Die Raumsonde hat den Saturn umkreist, bizarre Welten auf den Monden Titan und Enceladus beobachtet - und ist nun nach 20 Jahren auf Mission spektakulär verglüht. Von Marlene Weiß mehr...