Archäologischer Fund in Kairo Doch nicht Ramses II. - und trotzdem spannend

Die von deutschen und ägyptischen Archäologen entdeckten Fragmente sind kein Abbild von Pharao Ramses II.

(Foto: AFP)

Die in Kairo geborgene Statue ist entgegen der ersten Vermutung kein Abbild des legendären Pharaos. Ihr Entdecker freut sich dennoch über "einen ganz außergewöhnlichen Fund".

Von Paul-Anton Krüger, Kairo

In einem "königlichen Konvoi", wie die Zeitung al-Ahram schreibt, ist die jüngst in Kairo gefundene Kolossalstatue eines Pharaos in der Nacht zum Donnerstag auf einem Tieflader der Armee ins Ägyptische Museum am Tahrir-Platz gebracht worden. Wieder jubelten die Menschen im Viertel Matariya ihrem König zu; deutsche und ägyptische Archäologen hatten die tonnenschweren Fragmente in der informellen Siedlung bei einer Notgrabung gefunden.

Doch war beim Triumphzug am frühen Morgen durch Kairos Straßen nicht klar, wem da gehuldigt wurde. Bei der Untersuchung des Torsos stellte sich heraus, was zuvor schon der bekannte deutsche Archäologe Jan Assmann prophezeit hatte: Die Statue ist entgegen der ersten Vermutung kein Abbild von Pharao Ramses II.

Die Bergung der Pharao-Statue

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Wie Antiken-Minister Khalid el-Enany am Donnerstagabend bei einem Festakt im Ägyptischen Museum bekannt gab, handelt es sich um eine Statue des Pharaos Psammetich I., der von 664 bis 610 vor Christus regierte. Die Vermutung war zunächst auf Ramses II. gefallen, weil die Statue vor einem seiner Neben-Tempel auf dem Gelände des antiken Heliopolis aufgestellt gewesen sein muss. Raue hatte da aber schon eingeschränkt, dass es sich auch um eine Statue eines früheren Königs gehandelt haben könnte, die von Ramses II. mit Änderungen wiederverwendet worden sei - eine damals durchaus übliche Praxis. Auch dass eine Statue aus der Ramses-Zeit von einem seiner Nachfolger in Beschlag genommen wurde, sei möglich.

Assmann, bei dem Raue 1996 in Heidelberg mit einer Arbeit über Heliopolis und den Sonnengott Re promoviert worden war, sagte dem in Konstanz erscheinenden Südkurier, der kostbare und extrem harte Stein Quarzit, aus dem die Statue gefertigt wurde, sei vor allem in der späten 18. Dynastie unter Pharao Amenophis III. verwendet worden. Der Stein verleihe dem Fund eine "erstaunlichen Qualität" und lasse auf einen Pharao schließen, der Statuen nicht in Serie anfertigen ließ - wie es Ramses II. tat. Amenophis III. regierte hundert Jahre vor dem legendären Pharao, der von 1279 vor Christus an für 66 Jahre über das Alte Ägypten herrschte.

Nun erweist sich der Fund als deutlich jünger; Psammetich I. war der Begründer der 26. Dynastie, eine Zeit die als Renaissance des Alten Ägypten gilt. Das erklärt laut dem deutschen Grabungsleiter Dietrich Raue die Kombination von Stilelementen aus unterschiedlichen Epochen. Das Kronenfragment passe eher ins frühe zweite Jahrtausend vor Christus, Details im Gesicht eher in die Mitte dieses Zeitraums. Allerdings habe man auf der Rückseite des Torsos der Statue Teile einer Inschrift gefunden, die es ausschließe, dass es sich um Ramses II. handele, und die half, die wahre Identität der Statue zu entschlüsseln - einer der fünf Königsnamen fand sich dort.

Das Gelände des antiken Heliopolis wurde als Steinbruch für Kalkstein-Blöcke missbraucht

Selbst wenn es sich nun nicht um eine Darstellung von Ramses II. handelt, sei die Statue "ein ganz außergewöhnlicher Fund", wie Raue betont. Standbilder in dieser Größe und Qualität aus Quarzit kommen äußerst selten zum Vorschein, auch in einem an archäologischen Fundstätten reichen Land wie Ägypten.

Das Areal in Matariya ist bekannt als Ort des antiken Heliopolis - Raues Forschungsgebiet. Das Tempel-Gelände erstreckte sich auf eine Fläche von 1100 mal 900 Meter, allein der Haupttempel des Sonnengottes Re nahm die Hälfte ein. Die Könige des alten Ägypten verewigten sich mit Nebentempeln und Statuen. Je länger ihre Regierungszeit dauerte, desto mehr Spuren hinterließen sie.

Das Gelände wurde später als Steinbruch für Kalkstein-Blöcke geplündert, aus denen die Stadtbefestigung Kairos errichtet wurde, deswegen sind die Tempelanlagen zum Großteil zerstört. Auch die nun in Fragmenten gefundene Statue wurde bereits in der Antike umgestürzt. Sie zeigt aber, dass auf dem Gelände noch aufsehenerregende und wissenschaftlich wie kulturhistorisch bedeutende Funde zu erwarten sind.

Sie könnten zu einem besseren Verständnis für die politische Bedeutung des Sonnenkults im alten Ägypten beitragen, sagt Raue, der 2012 zusammen mit seinem ägyptischen Kollegen Aiman Aschmawy vom Kairoer Antikenministerium die Grabung initiiert hat. Allerdings gehört das Gelände nicht dem Ministerium und soll mit einem Parkhaus bebaut werden, sofern nicht noch der am 1. April auslaufende Baustopp wegen des Fundes doch noch verlängert wird.

Der Schatz aus dem Schutt

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