+++ Zika-Epidemie: WHO ruft globalen Alarmfall aus

Moskitobekämpfung in Lima, Peru

(Foto: REUTERS)

Das Virus steht im Verdacht, schwere Fehlbildungen bei Neugeborenen hervorzurufen. Die Weltgesundheitsorganisation gibt ihm die höchste Alarmstufe.

Von Berit Uhlmann

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die in Lateinamerika grassierende Zika-Epidemie zum internationalen Gesundheitsnotfall erklärt. Das Virus steht im Verdacht, schwere Fehlbildungen bei Neugeborenen hervorzurufen.

Der Notfall wird ausgerufen, wenn eine Krankheit sich so weit ausbreitet, dass sie ein Gesundheitsrisiko auch für andere Staaten darstellt und eine koordinierte internationale Reaktion erfordert. Er befähigt die WHO, zeitlich befristete Maßnahmen zur Lösung der Gesundheitskrise zu ergreifen.

Das Virus war im Mai 2015 erstmals in Brasilien dokumentiert worden und breitete sich seither in 23 Länder Lateinamerikas und der Karibik aus. Die WHO schätzt, dass die Zahl der Infizierten auf drei bis vier Millionen steigen wird.

Während die akuten Infektionen unbemerkt oder mild verlaufen, können sie möglicherweise bei Ungeborenen Fehlbildungen des Schädels hervorrufen. Die sogenannte Mikrozephalie geht mit einem geringen Kopfumfang und sehr häufig mit geistigen Behinderungen und neurologischen Symptomen einher. Bislang registrierten Ärzte in Brasilien etwa 4000 Verdachtsfälle. Experten gehen allerdings davon aus, dass die tatsächliche Zahl niedriger liegen könnte, da die Kriterien nicht in allen Bundesstaaten gleich streng sind.

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Der Notfall ist ein verhältnismäßig junges Instrument der Seuchenkontrolle. Die WHO fügte ihn erst 2005 in ihre Regularien ein. Dreimal wurde er seither ausgerufen: während der Schweinegrippe-Pandemie 2009, nach dem Wiedererstarken des in vielen Ländern bereits ausgerotteten Poliovirus 2014 und während der jüngsten Ebola-Epidemie in Westafrika. Für die Handhabung dieses Alarms wurde die WHO in der Vergangenheit stark kritisiert. Die Warnung zur Schweinegrippe wurde als unnötig betrachtet. Im Falle von Ebola dagegen bescheinigten mehrere Untersuchungskommissionen der WHO, zu spät reagiert zu haben.

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