Wasserverbrauch in Deutschland Wir Verschwender

Die Deutschen geben sich große Mühe, sparsam mit Wasser umzugehen. Trotzdem verbrauchen sie mehr denn je - und verschärfen so die Wasserknappheit in armen Ländern.

Ein Kommentar von Silvia Liebrich

Die Deutschen sind derzeit rekordverwöhnt. Bei der Schwimm-Weltmeisterschaft in Rom haben deutsche Wassersportler Goldmedaillen gleich in Serie abgeräumt. Und auch außerhalb des Wasserbeckens nimmt die Bundesrepublik einen Spitzenplatz im Umgang mit dem nassen Element ein, allerdings einen wenig erfreulichen: In kaum einem anderen Land der Erde wird so viel Wasser verbraucht wie hierzulande.

Das mag zunächst nicht weiter aufregend klingen - schließlich gilt Deutschland als eines der wasserreichsten Länder überhaupt. Bedenklich ist es trotzdem, weil die Hälfte des verbrauchten Wassers gar nicht von hier stammt, sondern aus Ländern, die selbst unter großer Trockenheit leiden.

Die Studie der Umweltschutzorganisation WWF offenbart die unerwünschten Nebenwirkungen eines globalisierten Welthandels. Zwar geben sich die Deutschen seit Jahren große Mühe, sparsam mit der kostbaren Ressource umzugehen, sammeln Regenwasser für die Gartenbewässerung, bauen Spartasten in Toilettenspülkästen ein - trotzdem verbrauchen sie mehr denn je.

Schuld daran ist vor allem der wachsende Appetit auf Nahrungsmittel aus aller Welt. Erdbeeren aus Spanien, Kaffee aus Brasilien, Trauben aus Südafrika, Rindfleisch aus Argentinien - mit diesen Waren importieren die Deutschen indirekt auch große Mengen an Wasser.

Auch das ist nicht weiter schlimm, solange damit nicht der Wasserhaushalt in den Erzeugerländer geschädigt wird. Doch genau dies ist der Fall in vielen Ländern im Mittelmeerraum, in Afrika, Südamerika und Australien. So gesehen sind auch die deutschen Verbraucher mitverantwortlich für die weltweit zunehmende Wasserknappheit.