Was macht eigentlich Hans-Peter Grothaus? Wie Facebook für Landwirte

Hans-Peter Grothaus.

(Foto: oh)

Für Farmtune hat Hans-Peter Grothaus seinen Job beim Landmaschinenhersteller Claas aufgegeben. Er glaubt fest daran, dass sich auch die Landwirtschaft digitalisieren lässt.

Von Elisabeth Dostert

Es hört sich an wie Facebook für Bauern. Aber Hans-Peter Grothaus, promovierter Agraringenieur, will viel mehr. Über seine Plattform Farmtune sollen sich Menschen, die vom und auf dem Land leben vernetzen und die Daten ihrer Betriebe einspeisen. Die Landwirte sparen dadurch Zeit und Geld, sagt Grothaus.

Was machen Sie eigentlich?

Wir haben eine Online-Plattform auf den Markt gebracht, über die sich Menschen, die vom und auf dem Land leben vernetzen können. Landwirte, Landfrauen, Landhändler, Gärtner, Forstwirte, Lohnunternehmer, Berater - alle. Sie heißt Farmtune. Die Nutzer müssen sich allerdings registrieren und können dann über die Plattform andere kontaktieren und in ihr Netz einladen.

Klingt wie Facebook für Landwirte?

Ein bisschen ist es auch so. Aber Farmtune bietet noch mehr als Kommunikation und Austausch. Ich selbst bewirtschafte einen 80 Hektar großen Ackerbaubetrieb. In meinem Profil ist mein gesamter Maschinenpark - alte und neue Maschinen unterschiedlicher Hersteller aufgeführt und meine Schlagkartei, alle Felder: Größe, Lage, Nutzung, Bodenpunkte, also die Qualität der Böden, und so weiter. Die Daten kann ich dann über mein Tablet mit auf den Acker nehmen, um sie laufend zu aktualisieren über eine digitale Schnittstelle mit dem Pflug oder der Sämaschine oder per Hand.

Angenommen, Sie wollen morgen Säen?

Und ich habe keine Zeit. Dann schicke ich über Farmtune eine Auftragsanfrage an den mit mir vernetzten Lohnunternehmer und meinen Mitarbeiter. Ich kann dann auf der digitalen Karte markieren, wo sie sich treffen sollen und wo der Anhänger mit dem Saatgut steht. Aus der Karte geht auch hervor, wo Strommasten stehen oder nasse Stellen auf dem Acker sind. Ich kann dann am Bildschirm verfolgen, wie die Aussaat läuft, und wann der Auftrag beendet wurde. Alles wird dokumentiert und am Ende kann ich den Auftrag exakt mit dem Lohnunternehmer abrechnen.

Können Sie eine Reparaturanfrage an Ihren Landmaschinenhändler schicken?

Noch nicht. Aber das sind alles Dinge, die man denken kann. Über die Plattform sollen ganz viele Apps laufen. Wir sprechen bereits mit Lebensmittelherstellern, Landhändlern wie beispielsweise der BayWa und Landmaschinenherstellern wie Claas, Fendt oder John Deere. Die haben alle schon eigene Apps, aber im Großen und Ganzen nur für ihre Welt. Die Verbindung mit den individuellen, kompletten Daten der Bauern fehlt noch. Das könnte über Farmtune laufen und dafür entwickeln wir die Software.

Können Ihre Bank und Konzerne wie BASF, Monsanto und Syngenta auch eine Freundschaftsanfrage schicken?

Nur natürliche Personen können Freundschaftsanfragen oder Mitarbeiteranfragen stellen, ich kann diese aber ablehnen oder die Zugriffsrechte beschränken. Das registrierte Mitglied ist der Souverän, es bestimmt, welche Informationen es mit anderen teilen will.

Wie viel Nutzer haben sich schon registriert?

Seit dem Start von Farmtune im November eine mittlere dreistellige Zahl.

Warum kostet die Nutzung von Farmtune nichts?

Wir mussten die Plattform erst einmal schmackhaft machen. Die Plattform selbst wird dauerhaft kostenfrei bleiben.

Jede Firma muss irgendwann Geld verdienen! Wofür nehmen Sie Geld?

Wir verdienen Geld für die Entwicklung von Apps, über die Unternehmen ihre Systeme in Farmtune integrieren können und ein Gerät, die sogenannte Kommunikationsbox, über die sich auch analoge Maschinen vernetzen lassen. Über die kann ich dann auch einen alten Schlepper aus vordigitalen Zeiten mit einer Kamera ausstatten, die dann die Arbeiten auf dem Acker erfasst.

Was hat der Landwirt davon?

Er spart Geld und Zeit, weil er alle Daten auf einer Plattform hat und wirtschaftlicher arbeiten kann, wenn er weiß, wo und wie lange seine Maschinen im Einsatz waren.

Denken Sie auch an Lösungen für andere Branchen nach?

Bei Farmtune allein soll es nicht bleiben. Bei Farmtune allein soll es nicht bleiben. Wir haben einige Ideen in ein Bautune überführt, Ob man Saatgut, Dünger oder Pflanzenschutzmittel zum Feld bringt, das Feld bewirtschaftet und die Ernte vom Feld holt oder Erde, Abraum, Schutt von der Baustelle abholt, dann Baumaterialien wie Steine, Beton, Asphalt zur Baustelle bringt und diese einbaut, ist doch eigentlich in Teilen sehr ähnlich. Es geht um definierte Orte, in dem einen Fall um Felder, im anderen um Baustellen, an denen etwas passiert. Man hat es mit externen Einflüssen zu tun wie dem Wetter und schlechte Zufahrtsstraßen. Und immer müssen Menschen und Maschinen aus verschiedenen Organisationseinheiten koordiniert werden. Bautune ist allerdings noch nicht online.

Wie hoch war Ihr Umsatz 2015?

Der war noch nicht so gigantisch.

Und dafür haben Sie Ihren Job bei Claas aufgegeben?

Ja, ich wollte etwas Eigenes auf die Beine stellen.

Wie lange waren Sie bei Claas?

Zwölf Jahre. Davor war ich vier Jahre lang Geschäftsführer bei einem Rübenanbau-Verband.

Sie sind jetzt 48. Die Firma ist nicht einmal zwei Jahre alt. Sie haben ziemlich lange gewartet, um sich selbständig zu machen. Wenn man so nach Berlin guckt, da sind die Gründer locker mal zwanzig Jahre jünger als Sie.

Na und. Es gab auch schon vorher selbständige Aktivitäten in meinem Leben. Ich habe mal Photovoltaik-Anlagen aufgebaut und als Nebenerwerbslandwirt bin ich auch selbständig. Ob man für eine Unternehmensgründung Mitte 20 sein muss und dann erfolgreicher ist, oder ob es auch später geht, die Frage kann ich gar nicht so richtig beantworten. Ich habe mehr Erfahrung. Wenn einer eine gute Idee hat, kann er auch mit 60 noch gründen.

Von Ihrem Hof alleine können Sie nicht leben?

Nein.

Suchen Sie Investoren?

Nein.

Klingt ein wenig überheblich.

Soll es nicht. Es gibt viele, die als Business Angels Kapital anbieten. Die wollen aber häufig ganz schnell wieder raus oder viel mitreden. Wir haben hier viel ausprobiert und auf die Beine gestellt. Wir haben viele Freiräume. Ich bin froh, dass ich mich im Moment noch nicht mit einem Investor abstimmen muss.

Was haben Sie sich für einen Zeithorizont gesetzt, wann soll m2Xpert Gewinn machen?

Nächstes Jahr. Das wird sicher klappen.

Was ist Ihr größtes Risiko?

Wenn ich selber den Glauben an die Firma verliere.