Wahlkampf in Italien 8,6 Milliarden Euro fürs Volk

Berlusconi weiß, wie man Freundinnen, die im Koma liegen, wieder aufmuntert. 8,6 Milliarden Euro will er ans Volk verteilen. Die eine Hälfte bar auf die Hand als Rückerstattung der 2012 von Monti eingezogenen Immobiliensteuer, die andere Hälfte mit der Abschaffung derselben im laufenden Jahr. Obendrauf soll es eine Amnestie für Steuersünder geben. Den Investoren an den Finanzmärkten wird schwindlig bei diesen Versprechen. In dieser Woche stießen Anleger römische Schuldpapiere, die sie sich erst jüngst wieder zugelegt hatten, erst einmal ab. Die Risikoprämie kletterte zwei Wochen vor der Wahl auf die Drei-Prozent-Marke. Und das nach 14 Monaten Monti, der das schuldengebeutelte Land zumindest für's Erste stabilisiert hat.

Genau deshalb fährt Brembo-Präsident Bombassei gerade die Po-Ebene auf und ab - als Gegenfigur zum Berlusconi der Extravaganzen, Orgien und Prozesse. Er soll die Argumente der Gegenseite entkräften. Monti denkt nicht nur ans Sparen, sondern auch an Investitionen. Deshalb der Schulterschluss mit der italienischen Industrie.

Die Nervosität reicht weit über Italien hinaus. Bei Alessandro Marino von der Italienischen Handelskammer in München treffen sich Unternehmer aus zwei Ländern. Aus Deutschland und aus Italien. Alle schauen sie in diesen Tagen nach Rom. Denn bei der Frage nach der politischen Zukunft Italiens geht es auch um: sie selbst. "Die Zeit vor den Wahlen ist eine Phase des Abwartens", sagt Marino. "Wer investiert, will erst einmal politische Stabilität und Sicherheit sehen."

Auch bei Ferruccio Rossi im mittelitalienischen Forlì spürt man die steigende Unruhe. Italienische Kunden hat der Chef des Luxusyacht-Bauers Ferretti kaum noch. Er setzt auf Amerikaner, Chinesen, Brasilianer und Russen. Dennoch wird der Wahlausgang Einfluss auf seine Geschäfte nehmen. Der Manager hofft auf eine Koalition mit der Monti-Allianz. Vor ein paar Wochen saß Rossi in seinem Büro, Schneeflocken tanzten vor dem Bürofenster, und Rossi sagte besorgt: "Jetzt taucht auch noch diese dritte Kraft auf." Den Namen Berlusconi nimmt der Ex-Finanzinvestor lieber gar nicht erst in den Mund. Ein alter Widersacher Berlusconis spricht die Sache offen aus. "Wir müssen diejenigen, die großen Schaden angerichtet haben, nach Hause schicken, damit wir das Land neu aufbauen können", sagt Diego Della Valle, Gründer des Luxuskonzerns Tod's.

Am Eingang der Italienischen Handelskammer in München liegen Hochglanzzeitschriften mit schönen Bildern aus einem schönen Land. Eine mit dem Namen "All about Italy" wirbt für die "unbekannte Toskana" und das "unerforschte Umbrien". Daneben Broschüren zum Verdi-Jahr 2013. Am 2. März wird im Herkulessaal der Münchner Residenz Giuseppe Verdis "Messa da Requiem" gespielt. Die Totenmesse, eine Woche nach den Wahlen.