Vorwürfe der Bilanzschönung Aufsichtsrat der Deutschen Bank alarmiert

Deutsche Bank: Vorwurf der Bilanzschönung

(Foto: dapd)

Schwere Vorwürfe von ehemaligen Mitarbeitern: Die Deutsche Bank soll in der Finanzkrise Buchverluste versteckt haben, um finanziell abgesichert zu erscheinen. Die US-Finanzaufsicht prüft den Fall - und auch der Aufsichtsrat des Geldhauses will vom Vorstand nun ein paar Antworten.

Auf die Chefs der Deutschen Bank kommen unangnehme Fragen zu. Die Aufsichtsräte des größten deutschen Geldhauses sind alles andere als begeistert, dass die Bank medial mit dem Vorwurf konfrontiert wurde, die Bilanz in der Finanzkrise in großem Ausmaß geschönt zu haben. Bei der nächsten Aufsichtsratssitzung im Januar wolle man Fragen zu den Vorgängen stellen, heißt es in Aufsichtsratskreisen.

Es geht um diesen Fall: Drei ehemalige Banker meldeten sich bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC - die Deutsche Bank, so ihr Vorwurf, habe zwischen 2007 und 2009 ihre Bilanzen geschönt. Mehr als zwölf Milliarden Euro an Buchverlusten habe das Geldinstitut während der Finanzkrise verschleiert - und damit verhindert, dass der Staat die Bank hätte retten müssen. Diese Vorwürfe hatten die Banker in der Financial Times öffentlich gemacht.

Die Bafin soll von den Milliardenrisiken gewusst haben

Nun meldet die FT zudem, dass die Bafin, die deutsche Finanzaufsicht, von den Vorgängen bei der Deutschen Bank gewusst habe. Dem Bericht zufolge habe die Bafin im betreffenden Zeitraum zwischen 2008 und 2009 routinemäßig in Prüfungsausschüssen gesessen.

Die Deutsche Bank wies die Anschuldigungen bereits zurück. "Die Vorwürfe waren Gegenstand einer sorgfältigen und umfangreichen Untersuchung und haben sich als vollkommen unbegründet erwiesen", sagte ein Sprecher des Instituts. Dass die US-amerikanische Börsenaufsicht SEC in diesem Zusammenhang involviert ist, dementierte die Deutsche Bank jedoch nicht: Man arbeite mit den Behörden zusammen, hieß es. Die SEC und die Bafin äußerten sich nicht zu den Berichten. Die deutsche Aufsicht äußert sich generell nicht zu einzelnen Instituten.

Der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Gerhard Schlick, hatte die Aufsicht bereits am Donnerstag kritisiert. "Der Vorfall wirft wieder einmal ein Licht auf intransparente Bewertungsstrukturen bei Großbanken, die von keinem Aufseher vollständig verstanden werden können", so Schick.

Wie hat die Deutsche Bank gerechnet?

Möglich ist, dass die Bafin zwar von den Vorgängen bei der Deutschen Bank wusste, diese jedoch anders bewertet als die SEC. Schließlich liegen den Vorwürfen gegen die Deutsche Bank komplexe Transaktionen zugrunde.

Fraglich ist, ob die Bank die Zahlen bewusst geschönt hat. Die Antwort ist fast akademischer Natur. Denn während der Finanzkrise gab es keinen liquiden Markt für die betroffenen Papiere, aus dem man konkrete Preise hätte ablesen können. Also musste man sich mit Modellen behelfen. Aus dem Umfeld der Bank heißt es, dass verschiedene Modelle zur Bewertung durchgerechnet worden seien, und am Ende hätte man sich für eines entschieden. Damals habe man die Methode sowohl von der Kanzlei Fried Frank als auch vom Wirtschaftsprüfer KPMG überprüfen lassen.

SZ-Führungstreffen Wirtschaft Die beiden Deutsche-Bank-Chefs im Interview

Sie sind sehr darauf bedacht, ein harmonisches Duo abzugeben: Die beiden Chefs der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen und Anshu Jain. Beim SZ-Führungstreffen Wirtschaft in Berlin nahmen beide Stellung zur Rolle der Banken in der Euro-Krise. Wichtigste Frage: Wie kann das Image der Branche wieder aufpoliert werden?

(Video: Süddeutsche.de)