Vize-Finanzminister Griechen beziffern deutsche Reparationsschuld auf 279 Milliarden Euro

Foto der griechischen Stadt Distomo, datiert auf 1944: In dem Jahr hatte eine Einheit der Waffen-SS 218 Einwohner ermordet.

(Foto: dpa)
  • Der griechische Vize-Finanzminister Dimitris Mardas beziffert erstmals die Entschädigungsforderungen seiner Regierung wegen Verbrechen während des Nationalsozialismus: Deutschland schulde Griechenland demnach 278,7 Milliarden Euro.
  • Die Summe setzt sich aus zwei Teilen zusammen: dem Wert einer Zwangsanleihe, die Griechenland Nazi-Deutschland gewähren musste, plus Entschädigungszahlungen für Opfer und zerstörte Infrastruktur.
  • Bisher hat die Bundesregierung ablehnend reagiert.

Reparationszahlungen von 279 Milliarden Euro

Seit Wochen steht die erneute Forderung der Griechen im Raum, dass Deutschland für die Verbrechen der Nazizeit zahlen soll. Nun hat die Regierung eine Zahl vorgelegt: Deutschland solle 278,7 Milliarden Euro Reparationszahlungen an Griechenland leisten. Diese Summe nannte Mardas während einer Sitzung des parlamentarischen Komitees, das sich mit den Ursachen der griechischen Schuldenkrise befasst. Das berichten griechische Medien.

So setzt sich die Summe zusammen

Merdas hat ausgeführt, wie die Summe entsteht: Der Wert der Zwangsanleihe, die Griechenland Nazi-Deutschland gewähren musste, liege bei 10,3 Milliarden Euro. Die restliche Summe verteile sich auf Entschädigungszahlungen, die den Opfern zustünden, und auf zerstörte Infrastruktur.

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Das ist die bisherige Haltung Deutschlands

Bisher haben alle Regierungen, sowohl in Berlin als auch in Bonn, eher ablehnend reagiert: Alle Forderungen, also auch die von anderen Staaten, gegenüber Deutschland im Europa von heute hätten sich "unter Freunden" erledigt. "Dieses Kapitel ist für uns rechtlich und politisch abgeschlossen", erklärte jüngst Regierungssprecher Steffen Seibert.

Griechenland droht die Zahlungsunfähigkeit

Griechenland ist in akuter Geldnot. Derzeit ringen Gläubiger und die Regierung in Athen um die Auszahlung der letzten Kreditrate des auslaufenden Hilfsprogramms in Höhe von 7,2 Milliarden Euro. Griechenland droht bereits in wenigen Tagen die Zahlungsunfähigkeit, sollte es keine weiteren Finanzhilfen erhalten. Das Land ist seit 2010 mit Finanzspritzen seiner internationalen Partner von rund 240 Milliarden Euro vor der Staatspleite bewahrt worden.

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