Verluste der Solarsparte Schatten über Bosch

Boschs Solarzentrum in Arnstadt: Verlustbringer Sonnenenergie

(Foto: dpa)

Zu viel Sonnenstrom ist schlecht fürs Geschäft. Wegen der Überkapazitäten der Branche verliert Bosch mit seiner jungen Solarsparte eine Milliarde Euro. Die Zukunft von 3000 Angestellten ist ungewiss.

Von Max Hägler, Stuttgart

Der neue G1 bei Bosch ist eigentlich ein freundlicher Mensch. Zugänglich, zuhörend, diplomatisch und natürlich technisch kompetent. Der G1, seit dem Sommer auf dem Posten, ist Volkmar Denner, der erste Geschäftsführer. Als erste Amtshandlung hat er vor wenigen Monaten alle 300.000 Mitarbeiter gefragt: Was ist gut bei Bosch, was soll sich ändern? Flachere Hierarchien sollen einkehren bei dem Industrieschwergewicht aus Schwaben, das in Stiftungsbesitz ist. In der Konzernzentrale auf der Schillerhöhe hat er den bis dato tatsächlich existierenden Geschäftsführeraufzug für alle freigegeben.

Doch jetzt muss Denner die Zügel wieder ein wenig anziehen. Denn die Geschäftsergebnisse der Schwaben sind deutlich eingebrochen. Trotz einer Umsatzsteigerung im Jahr 2012 um 1,6 Prozent auf 52,3 Milliarden Euro leidet der Ertrag: Vor Steuern hat es nur zu einer Rendite von etwa zwei Prozent gereicht.

"Das kann uns nicht zufriedenstellen", sagt Denner und kündigte an, 2013 werde er die Fixkosten reduzieren, Prozesse optimieren und auch strategische "Kurskorrekturen" vornehmen. Auf Deutsch: Der deutsche Vorzeigekonzern wird sparen. Denn um unabhängig zu bleiben, seien acht Prozent Rendite notwendig.

Die Mitarbeiter müssen sich auf einen härteren unternehmensinternen Wettbewerb gefasst machen. Im sogenannten "Kreativpuzzle" müssten künftig gerade deutsche Standorte immer stärker ihre vergleichsweise hohen Kosten rechtfertigen. Ab nun gelte "ein dauernder Kampf der Bewährung", sagt Denner. Freundlich, aber bestimmt.

Einstieg in die Solarbranche kommt teuer

Neben der schwächeren Teilenachfrage durch viele europäische Autohersteller ist für die mäßigen Zahlen vor allem das Geschäftsfeld Solarenergie verantwortlich. Vor wenigen Jahren erst hatte Bosch, der Konstrukteur von Benzindirekteinspritzern, Bohrmaschinen und Sicherheitstechnik, den Weg in die Solartechnik eingeschlagen. Verschiedene Werke und Unternehmen kauften die Schwaben dazu und galten auch deswegen fortan als "grüner Konzern".

Doch die Branche leidet an Überkapazitäten. Die Endkunden-Preise brachen in den vergangenen beiden Jahren um jeweils 40 Prozent ein. 2012 brachte Bosch die Solarsparte neben einem operativen Verlust von etwa 450 Millionen Euro ungeplante Sonderabschreibungen von rund 600 Millionen Euro. Schon in den Jahren zuvor musste abgeschrieben werden.

Jetzt, zwei Milliarden Euro später, ist die Solartechnik aus Sicht der Buchhalter aus der Bilanz getilgt. Sie stellt keinen Wert mehr dar - auch wenn in der Sparte immer noch 3000 Menschen beschäftigt sind. Wie es mit ihnen und den Solar-Tochterunternehmen tatsächlich weitergeht, vor allem mit Aleo, ist jedoch weiter ungewiss. Eine für den Jahreswechsel angekündigte Entscheidung ist immer noch nicht gefallen - beziehungsweise will sie Denner nicht präsentieren: Es gebe "noch keine abschließende Lösung". Man sehe sich aber in der Verantwortung für die Mitarbeiter.

Und man sieht bei Bosch trotz der Krise auch immer noch die langfristige Relevanz des Marktes: Energieerzeugung aus Licht sei künftig von großer Bedeutung, davon sei er "felsenfest" überzeugt, sagt Denner. Kann es sich Bosch leisten, hier nicht mehr mitzuspielen? Als Unternehmen, dessen Ingenieure die Leitidee haben, alle Formen von Energie möglichst effizient zu wandeln, egal ob im Verbrennungsmotor oder eben elektrisch? Steht womöglich ein Verkauf der Solarsparte oder eine Partnerschaft an? Auch darauf will Denner nicht antworten, spricht nur davon, dass er die Solarsparte "neu konzipieren" will. Was immerhin nicht nach totaler Abwicklung klingt.