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Franz Fehrenbach wechselt in den Aufsichtsrat:Bosch bekommt einen neuen Chef

Er ist einer der beliebtesten Manager Deutschlands: Franz Fehrenbach räumt den Chefsessel bei Bosch, bleibt dem Zulieferer aus Stuttgart aber im mächtigen Aufsichtsrat erhalten. Sein Nachfolger gilt im Haus als technischer Innovator.

Das Lieblingswort einer gut geführten Firma heißt Kontinuität. Missglückte Führungswechsel, wie jetzt bei der Deutschen Bank, gelten bei Aufsichtsräten als besondere Gefahr. Ganz viel Kontinuität wird wohl die Robert Bosch GmbH beweisen - dort wechselt nun der Vorsitzende der Geschäftsführung, Franz Fehrenbach, 62, an die Spitze des Aufsichtsrats und des obersten Kontrollgremiums, der Industrietreuhand.

Volkmar Denner

Neuer Chef bei Bosch wird der 55-jährige Volkmar Denner (rechts). Er folgt auf Franz Fehrenbach, der in den Aufsichtsrat wechselt. Archivbild von 2008.

(Foto: dpa)

Zum 1. Juli wird Volkmar Denner, 55, neuer Chef. Denner arbeitet seit 1986 bei Bosch. 2006 rückte er in die Geschäftsführung vor, um den Vorstand zu verjüngen. Der Physiker habe bei Bosch technische Innovationen vorangetrieben, etwa das mit dem Internet vernetzte Auto, schreibt das Unternehmen. Der Zulieferer gilt als schwäbisch-seriös, hat weltweit mehr als 300.000 Mitarbeiter, im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz von 51,4 Milliarden Euro erwirtschaftet und kann eine Eigenkapitalquote von 50 Prozent vorweisen.

Fehrenbach stand seit 2003 an der Spitze des Unternehmens. Im Juli scheidet sein Vorgänger im Aufsichtsrat, Hermann Scholl, nach 50 Jahren bei Bosch aus dem Unternehmen aus. Dass Fehrenbach, der als Unternehmerfigur beliebt ist, nun in das Gremium wechselt, ist keine Überraschung. Bei Scholl lief es genauso: Der Manager wechselte nach vielen Jahren an der Spitze des Konzerns (1993 bis 2003) in die bedeutsame Gremienwirtschaft des Stuttgarter Unternehmens. Nun scheidet er aus dem Aufsichtsrat aus, darf aber ab sofort den Titel "Ehrenvorsitzender der Bosch-Gruppe" führen.

Die Macht des Bosch-Aufsichtsrats leitet sich vor allem aus dem Vorsitz der Gesellschafterversammlung der Industrietreuhand GmbH ab, des wichtigsten Gremiums der Gremien bei Bosch. Dort ist Scholl mit dem Ex-Boschler Tilman Todenhöfer Komplementär der KG. Und die hält 93,2 Prozent der Stimmrechte am Konzern. Die 20 Mitglieder der Familie Bosch disponieren nur über 6,8 Prozent der Stimmrechte; am Kapital hält die Robert Bosch Stiftung 92 Prozent.

Fehrenbach weiß genau, was auf ihn zukommt. Er ist erst der sechste Chef in der 125-jährigen Geschichte der Firma und soll dafür sorgen, dass sich Bosch ohne größere Brüche weiter entwickelt - als Macht der "grünen Ökonomie". Fehrenbachs Thema ist die Elektromobilität: Die sieht er als Markt der Zukunft, und entsprechend macht die Firma nun überall in diesem Feld mit: Solarmodule, Zapfsäulen, Windradgetriebe, neue Batterien, Elektromotoren, Software.

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