Verlust des Spitzen-Rankings Aaa Moody's erkennt Frankreich Bestnote ab

Frankreich besitzt bei der Ratingagentur Moody's keine Topbonität mehr. Moody's stufte die Kreditwürdigkeit von Deutschlands wichtigstem Mitstreiter gegen die Krise am späten Montag um eine Note von Aaa auf Aa1 herab. Ob das Land auch diese schlechte Bewertung so leicht verkraften kann wie die vergangene, bleibt fraglich.

Frankreich hat seine Topbonität bei der Ratingagentur Moody's verloren. Moody's stufte die Kreditwürdigkeit des Euro-Landes am späten Montagabend um eine Notenstufe von Aaa auf Aa1 ab. Der Ausblick bleibe negativ, es könnte also eine weitere Abstufung drohen.

Den Schritt vom Montag begründete Moody's damit, dass sich Frankreichs langfristige wirtschaftliche Wachstumsaussichten eingetrübt hätten. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone habe an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Der Ausblick für den Haushalt sei unsicher, auch weil im In- und Ausland zu geringe Nachfrage herrsche. Es sei auch immer weniger berechenbar, wie Frankreich künftige Schocks in der Euro-Zone verkrafte.

Die Agentur bemängelt wie andere Kritiker, dass es dem Land auch unter dem sozialistischen Präsidenten François Hollande an Flexibilität mangele. Es gebe nach wie vor "Starrheiten in Arbeits-, Güter- und Dienstleistungsmärkten". Außerdem sei das Land durch seine Handels- und Finanzverbindungen mit den südeuropäischen Krisenstaaten überdurchschnittlich stark Risiken ausgesetzt.

Zusammen mit Deutschland soll Frankreich eigentlich in der Euro-Krise Führung übernehmen. Doch Kritik von außen an der eigenen Wirtschaft macht es Hollandes Regierung schwer, diesen Anspruch zu rechtfertigen. Das britische Wirtschaftsmagazin Economist provozierte vor einigen Tagen mit einem Titelbild, auf dem Frankreich zur ökonomischen Zeitbombe erklärt wurde - mit Baguettes als Dynamitstangen, zusammengebunden mit der Tricolore.

Finanzminister Pierre Moscovici sagte, die Bewertung von Moody's beziehe sich auf die Vergangenheit. Die sozialistische Regierung werde weiter rasch Reformen umsetzen. Die Banken des Landes seien grundsolide.

Ein schlechteres Rating kann die Geldbeschaffung am Kapitalmarkt erschweren und verteuern. Auch das deutsche Spitzenrating steht bei Moody's unter Beobachtung.

Doch bisher sind die konkreten Folgen der Herabstufung Frankreichs minimal. Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen des Landes stiegen nur leicht, von 2,076 Prozent auf 2,098 Prozent. Je höher der Zinssatz, desto skeptischer sind Investoren. Auch das AAA-Rating des seit Oktober eingesetzten Rettungsschirms ESM sehen Experten nicht in Gefahr. Analysten der Commerzbank sagten der Nachrichtenagentur Reuters zufolge, in der Euro-Zone spielten Ratings nur noch eine begrenzte Rolle: "Der Rettungsschirm ESM ist ja gerade so konstruiert worden, dass durch eine Herabstufung eines AAA-Landes das mögliche Kreditvolumen nicht mehr tangiert wird."

Bereits im Januar hatte Standard & Poor's Frankreich das Spitzenrating entzogen. Dass die wichtigste Ratingagentur das Land damals als schwächer beurteilte, hat seinen Zugang zum Kapitalmarkt aber nicht verschlechtert. Schulden des Landes waren mehr als ein halbes Jahr später beliebter als vor der Herabstufung. Die Zinssätze auf seine Staatsanleihen sanken schneller als die auf angeblich sichere deutsche Papiere - ein Zeichen, dass die gefürchteten "Märkte" weiterhin bereit sind, Frankreich Geld zu leihen. Die Nachrichtenagentur Bloomberg analysierte im September: "Frankreichs Abschneiden zeigt, dass Investoren die Analysen der größten Nationen durch Ratingfirmen für irrelevant halten."

In ähnlicher Lage befinden sich die Vereinigten Staaten: Trotz der Herabstufung durch Standard & Poor's im vergangenen Jahr hat das Land keinerlei Probleme, sich über Staatsanleihen Geld zu leihen. Im Vergleich zu Südeuropa gelten Frankreich und die USA nach wie vor als sehr verlässliche Schuldner. Die Ratingagenturen weisen darauf hin, dass die Ökonomien beider Länder trotzdem langfristig gefährdet sind: wegen hoher Schulden und fehlender Wettbewerbsfähigkeit.