Stromanbieter sollen für längere Laufzeiten der Atomkraftwerke nicht nur Steuern, sondern auch Abgaben in Milliardenhöhe zahlen. Die Branche ist entsetzt - und protestiert.
Die deutsche Atomindustrie soll als Gegenleistung für eine Verlängerung der Kraftwerkslaufzeiten pro Jahr vier bis fünf Milliarden Euro zahlen. Wie am Donnerstag aus Koalitionskreisen verlautete, plant die Bundesregierung neben der bereits angekündigten Brennelementesteuer mit einem jährlichen Aufkommen von 2,3 Milliarden Euro die Einführung einer weiteren Abgabe "in ähnlicher Größenordnung".
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Die Atomindustrie soll zahlen - im Gespräch sind vier bis fünf Milliarden Euro. (© ddp)
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Die Brennelementesteuer soll der Haushaltssanierung dienen, die Abgabe der Förderung erneuerbarer Energien. Mit beiden Instrumenten will die Regierung einen Teil der Gewinne abschöpfen, die durch die Laufzeitverlängerung entstehen. Zudem wird koalitionsintern argumentiert, dass die Atomwirtschaft bisher gegenüber anderen Energieträgern steuerlich bevorzugt worden sei. Insofern könne man die Brennelementesteuer auch als Beitrag zum Subventionsabbau verstehen.
Das wird teuer
In jedem Fall wird die von den Atomkonzernen stets geforderte Laufzeitverlängerung die vier betroffenen Anbieter Eon, RWE, EnBW und Vattenfall erheblich teurer zu stehen kommen als bislang gedacht. In den Kreisen hieß es, der Druck der Branche auf die Politik, auf die Brennelementesteuer zu verzichten und stattdessen nur einen Fonds zur Förderung erneuerbarer Energien einzurichten, sei schon jetzt "gewaltig". Eine Runde der Unionsminister unter Leitung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sei aber übereingekommen, sich diesem Druck nicht zu beugen. Vielmehr sollten beide Vorhaben - Steuer und Fonds - parallel verfolgt werden.
In Branchenkreisen hieß, würde die Doppellösung Realität, "wäre der Mehrerlös der Laufzeitverlängerungen weg". Genau das bestreitet die Regierung, die den Firmen vorwirft, mit falschen Zahlen zu operieren. Tatsächlich werfen die Reaktoren üppige Gewinne ab, weil sie überwiegend abgeschrieben sind. Allerdings müssen vor allem die älteren Kraftwerke für die längeren Laufzeiten nachgerüstet werden. Das, so warnen die Betreiber, steigere die Kosten abermals. Vertreter der Regierung und der Versorger hatten sich zuletzt mehrfach getroffen, um ihre Positionen auszutauschen. Eine gemeinsame Lösung kam dabei aber bisher nicht zustande.
Ideen ohne Gegenliebe
Die Arbeiten an einem Gesetzentwurf zur Einführung der Brennelementesteuer sind nach Angaben aus Regierungskreisen bereits weit fortgeschritten. Der Antrag soll demnächst in die Ressortabstimmung gehen, in der alle betroffenen Ministerien Änderungswünsche äußern können. In der Unionsrunde hatte es am Mittwoch mehrere Ideen gegeben, wie die Steuer um ein zweites Element ergänzt werden kann. So wurde diskutiert, ob die Steuer mit einem Zuschlag - ähnlich dem Solidaritätszuschlag - versehen werden könnte. Auch ein Zuschlag auf die Stromsteuer wurde vorgeschlagen. Beide Ideen stießen aber auf wenig Resonanz. Wahrscheinlicher sei die Einführung einer Abgabe, mit der ein Fonds gespeist würde, der beispielsweise Forschungs- und Entwicklungsvorhaben im Bereich erneuerbarer Energien finanzieren könnte.
Theoretisch sei auch denkbar, Steuer und Abgabe zu einem Instrument zusammenzuführen und einen Teil des Geldes über einen öffentlich-rechtlichen Vertrag an den Bund zu überweisen. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte dem Vernehmen nach in der Ministerrunde, er sei mit allen Modellen einverstanden, die gewährleisteten, dass 2,3 Milliarden Euro pro Jahr für den Haushalt zur Verfügung stünden.
Ein öffentlich-rechtlicher Vertrag hätte aus Sicht des Bundes den Vorteil, dass darin alle Punkte einer Laufzeitverlängerung und der damit verbundenen Abgaben aufgeführt werden könnten. "Die Koalition und die Kraftwerksbetreiber wollen das so wasserdicht wie möglich machen", hieß es mit Blick auf das komplizierte deutsche Steuer- und Abgabenrecht in Regierungskreisen. Offen blieb, ob die Regierung mit einem öffentlich-rechtlichen Vertrag den Bundesrat umgehen könnte, wo sie seit dem Machtwechsel in Nordrhein-Westfalen keine Mehrheit mehr hat. Die Debatte über eine mögliche Versteigerung zusätzlicher Strommengen hatte Merkel hingegen am Mittwoch gestoppt. Dennoch sagte ein Sprecher von Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) am Donnerstag, Röttgen finde die Idee "immer noch interessant". Zwar sei ein solches Instrument derzeit nicht umsetzbar, vielleicht aber später.
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(SZ vom 16.07.2010/mel)
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"Endlagerung technisch nicht gelöst"
Bundesamt für Strahlenschutz warnt vor ungeklärten Risiken der Kernkraft
17. Juli 2008
[ngo/ddp] Das Bundesamt für Strahlenschutz hat angesichts der neuen Atomdebatte vor ungeklärten Risiken der Kernkraft gewarnt. Die Endlagerung des hochgefährlichen Materials sei entgegen Aussagen von Atomkraft-Befürwortern noch nicht einmal technisch gelöst, sagte Behördenchef Wolfram König der "Westfälischen Rundschau". "Weltweit gibt es bis jetzt kein einziges Endlager für hoch radioaktive Abfälle." Auch daher sollte am vereinbarten Atomausstieg festgehalten werden.
In Deutschland wird Atommüll bisher an zentralen Zwischenlagern Ahaus, Gorleben und Lubmin sowie dezentralen Zwischenlagern an Standorten der Kernkraftwerke aufbewahrt. Als mögliche Endlagerstätte für radioaktive Abfälle wird seit 1979 nur der Salzstock Gorleben in Niedersachsen geprüft.
"Es gibt bisher keinen Sicherheitsnachweis für Gorleben als unterirdisches Endlager hoch radioaktiven Atommülls", sagte König. Dafür seien noch mindestens 15 Jahre nötig.
Zudem geben Wiederaufbereitungsanlagen im störungsfreien Normalbetrieb erhebliche Mengen radioaktiver Substanzen an die Umwelt ab. Allein in La Hague (Frankreich) werden pro Tag 1,5 Millionen Liter radioaktiven Abwassers in den Ärmelkanal geleitet und gelangen von dort aus in die Nordsee. In Sellafield (Großbritannien) waren es vor der Stillegung der zweiten Wiederaufbereitungsanlage des Komplexes sogar täglich 9 Millionen Liter. Nach Angaben des Betreibers wurden jährlich 27,8 Millionen Curie von der gesamten Anlage an die Umwelt abgegeben. Bei der Tschernobyl Katastrophe wurden nach Angaben der IAEO einmalig 50 Millionen Curie aus dem 30 Kilometer großen Katastrophengebiet herausgetragen.
Allein acht zivile Wiederaufbereitungsanlagen sind derzeit weltweit in Betrieb:
Frankreich, La Hague: UP2-800, UP3
Großbritannien, Sellafield: B205, THORP (zur Zeit stillgelegt)
Russland, Chelyabinsk: RT1
Japan, Tokai Mura: Tokai
Indien, Tarapur: PREFRE
Indien, Kalpakkam: KARP
Weiterhin gibt es in vielen Ländern noch ausschließlich militärisch betriebene Anlagen. In den USA wird die Wiederaufbereitung z.B. ausschließlich militärisch betrieben und auch Russland betreibt militärische Wiederaufbereitung. Die jährlich durch Wiederaufbereitungsanlagen abgegebene radioaktive Belastung ist enorm.
Rückblickend kann man davon ausgehen, das das Märchen vom Brennstoffkreislauf aufrecht erhalten wurde um, den Bedarf der Militärs an waffentauglichem Plutonium zu decken. Eine "saubere" Wiederaufbereitung ist auch derzeit technisch überhaupt nicht realisierbar.
Allein in deutschen Kernkraftwerken fallen jährlich mehrere hundert Tonnen ausgedienter Brennelemente an. Ursprünglich sah die Nutzung der Kernenergie unter Wiederaufbereitung der Kernbrennstoffe den so genannten Brennstoffkreislauf vor. Nach mehr als 50 Jahren Nutzung von Kernenergie ist dies aber selbst mit heutiger Technik nicht mehr als eine Utopie.
In einer Wiederaufbereitungsanlage werden Brennelemente mechanisch zerkleinert und in Salpetersäure aufgelöst. Mittels chemischen Prozessen wird Plutonium vom übrigen Atommüll ausgefällt. Diese Prozesse müssen allerdings aufgrund extrem hoher Strahlungsbelastung teilweise vollautomatisch hinter meterdicken Betonwänden ablaufen.
Auch wird die ursprüngliche Menge des Atommülls durch Wiederaufbereitung noch erheblich vergrößert und zudem seine Handhabbarkeit erschwert.
Der größte Teil der Reststoffe fällt nach der Aufbereitung als radioaktive Flüssigkeit an. Dieses Gemisch ist stark ätzend und reichlichst radioaktiv, so dass im ersten Schritt eine Trocknung dieser "Suppe" erfolgt. Daduch kann sie nicht mehr ätzen, sofern sie nicht mit Wasser in Berührung kommt - es fehlt ja die Möglichkeit der Bildung einer Wasserstoffionenkonzentration, die mit dem pH-Wert gemessen wird.
Nun wird dieses feststoffliche, höchstradioaktive Gemisch in einem Spezialofen, der auf 1180 °C erhitzt ist, überführt. So können diverse Stoffe durch ausglühen der Masse - wie in einem Muffelofen - von ehemals gebundenem Sauerstoff oder Kohlendioxid zum Beispiel befreit werden, was die Gesamtmasse leicht reduziert.
Nun werden Glaskügelchen zugefügt, die sich bei der Schmelze mit dem radioaktiven Abfall zusammen tun. In Glaswürfeln gebannt, landen diese radioaktiven Reststoffe für die nächsten 30 Jahre in Stahlbehältern, bevor sie der Endlagerung überstellt werden.
Von Recycling oder einem Kreislauf zu sprechen entbehrt also jeglicher Realität.
die effekte von laufzeitverlängerungen für das künftige strompreisniveau sind mit hoher wahrscheinlichkeit quantitativ gering bzw. im lichte der anderen determinanten für die entwicklung des kraftwerksparks und des erzeugungsmix in deutschland bzw. im europäischen binnenmarkt für elektrizität keineswegs richtungssicher zu bewerten.
will sagen: die laufzeitverlängerung hat kaum auswirkungen auf den allgemeinen strompreis. aber wo bleiben denn dann die gewinne, wenn der strom nicht billiger wird, obwohl die akws ihn billig produzieren?
angesichts der preisbildungsmechanismen auf den liberalisierten strommärk-ten würde eine laufzeitverlängerung für die betreiber zu gewinnmitnahmen in der größenordnung von 66 bis 84 mrd. € führen (dies entspricht einem barwert von etwa 20 bis 26 mrd. €).
die gewinnmitnahmen sind dabei einerseits zwischen den unterschiedlichen betrei-bern (bzw. anteilseignern) und andererseits über die zeit höchst ungleich verteilt. die größten mitnahmeneffekte würden bei einer laufzeitverlängerung um 8 jahre mit ei-nem anteil von 42% der gesamten zusatzgewinne bei e.on entstehen. im zeitraum bis 2010 würde der größte anteil auf rwe und enbw entfallen, im zeitraum 2011 bis 2020 würden die zusatzgewinne ganz überwiegend bei e.on realisiert und nach 2020 würde der anteil von rwe und enbw wieder erheblich zunehmen.
verstehe. die stromkonzerne e.on, rwe und enbw erwarten milliardengewinne. da lohnt es sich, ein wenig in lobbying zu investieren. und selbst wenn so ein konzern sein “soziales herz” entdeckt und etwas abgibt, bleibt doch noch einiges hängen.
Darf man in unangereichertem Uran auch einen Rohstoff sehen?
Eine neuerliche "Pechblende" - als Umschreibung für einen GAU - wäre aber kein weicher Schnitt und auch "Hannah"-gelb unter Schwarzlicht hat für mich keine liebreizende AusStrahlung - "Hoffnung auf Gnade" sollte diese SignalFarbe dann wohl eher begleiten.
(http://de.wikipedia.org/wiki/Uran)
Vielleicht gibt es in der Zukunft Entwickler, die den Rohstoff Uran menschensicher verwenden können und dürfen - dafür sei das Uran bewahrt. In den Protagonisten der heutigen AnwendungsTechniken (AKW's) sehe ich nicht die dafür notwendige Fähigkeit, verantwortlich zu handeln.
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