Verdacht der Untreue Neue Ermittlungen gegen Wiedeking

Eine gute und eine schlechte Nachricht für Wendelin Wiedeking. Die Staatsanwaltschaft wirft dem früheren Porsche-Chef nun Untreue vor, stellt das Verfahren wegen Kursmanipulation gegen ihn aber ein.

Von Hans Leyendecker, Klaus Ott und Nicolas Richter

Der ehemalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking soll bei riskanten Aktiengeschäften in Milliardenhöhe Vermögen des Sportwagen-Konzerns auf unlautere Weise gefährdet haben. Wegen des "Anfangsverdachts" der Untreue hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart nach Informationen der Süddeutschen Zeitung ein neues Ermittlungsverfahren gegen Wiedeking eingeleitet, der früher einer der bestbezahlten Manager in Deutschland war. Das Verfahren soll sich auch gegen Holger Härter richten, den früheren Finanzchef des Sportwagen-Herstellers.

Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking sieht sich neuen Vorwürfen ausgesetzt: Wegen des "Anfangsverdachts" der Untreue hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart ein Ermittlungsverfahren gegen den 58-Jährigen eingeleitet.

(Foto: ddp)

Gleichzeitig lässt die Staatsanwaltschaft andere schwere Vorwürfe gegen die beiden einstigen Porsche-Manager weitgehend fallen. Ihnen wird nicht länger angelastet, bei der von ihnen betriebenen und schließlich gescheiterten Übernahme von VW durch Porsche den Aktienkurs von Volkswagen mit Hilfe einer Bank zugunsten ihres Unternehmens manipuliert zu haben. Ein im Sommer 2009 gegen die beiden ehemaligen Porsche-Manager und gegen Beschäftigte der in Frankfurt ansässigen Maple Bank eingeleitetes Ermittlungsverfahren ist jetzt vollständig eingestellt worden; weitere Vorwürfe werden noch geprüft. Hinzu kommt der neue Verdacht der Untreue gegen Wiedeking und Härter.

Wiedeking war von 1992 bis 2009 Chef des in Stuttgart ansässigen Sportwagen-Herstellers und hatte in den letzten Jahren seiner Amtszeit einen der spektakulärsten Machtkämpfe in der deutschen Wirtschaft begonnen. Der lange Zeit sehr erfolgreiche Automanager wollte mit Porsche den weit größeren VW-Konzern in Wolfsburg übernehmen, was dort, beim Land Niedersachsen und der Industriegewerkschaft Metall auf heftigen Widerstand stieß. In Wolfsburg befürchtete man, Porsche wolle in die gut gefüllte Konzernkasse von VW greifen und so die Übernahme finanzieren.

Fusion von Porsche und VW verzögert sich

Auf Betreiben von Wiedeking kaufte Porsche mit Zustimmung seiner Großaktionäre, der Familien Piëch und Porsche, im großen Stil VW-Aktien und deckte sich mit Optionen auf weitere Anteile von Volkswagen ein. Diese Optionen hatten zuletzt einen Umfang von mehr als 50 Milliarden Euro. Wiedekings Kalkül ging nach Beginn der Weltwirtschaftskrise und dem Kursverfall an der Börse nicht mehr auf. Porsche hatte mehr als zehn Milliarden Euro Schulden und musste von VW gerettet werden.

Die bei der Rettungsaktion beschlossene Übernahme von Porsche durch VW könnte nach Angaben aus Konzernkreisen nun einfacher werden, nachdem die Staatsanwaltschaft den Vorwurf der Börsen-Manipulation weitgehend zurückgezogen hat. Bei Gericht sind Schadenersatzklagen von VW-Aktionären gegen Porsche anhängig.

Aus Angst vor solchen Belastungen hat VW die Eingliederung von Porsche verschoben. Porsche erklärte am Mittwochabend, nach Angaben der Staatsanwaltschaft sei voraussichtlich frühestens Anfang 2012 mit einem vollständigen Abschluss der Ermittlungen zu rechnen. Die geplante Verschmelzung von Porsche und VW werde sich dadurch wohl verzögern. Der Vorstand von Porsche gehe dennoch davon aus, dass der Zusammenschluss gelingen könne - gegebenenfalls auch noch 2011. Inoffiziell heißt es, die größten Brocken seien schon aus dem Weg geräumt.