Vattenfall Greenpeace will Kraftwerke kaufen

Vattenfall-Kraftwerke: Ein Braunkohle-Tagebau nahe Jänschwalde, im Hintergrund das Braunkohle-Kraftwerk

(Foto: dpa)
  • Der Energiekonzern Vattenfall will seine Kohlekraftwerke in Deutschland verkaufen.
  • Interessiert daran ist nun ausgerechnet ein schwedischer Ableger der Umweltorganisation Greenpeace.
  • Sollte die Gruppe den Zuschlag erhalten, will man die Kraftwerke stilllegen.
Von Michael Bauchmüller, Berlin

Am Montag noch war Greenpeace bei der Konkurrenz in spe: "Raus aus der Braunkohle", forderten die Umweltschützer auf Bannern vor dem ostdeutschen Tagebaukonzern Mibrag. Im Gepäck hatten sie 36 000 Unterschriften, sie warnten die Firma und ihren tschechischen Mutterkonzern EPH dringend vor dem Kauf der Braunkohlesparte des Vattenfall-Konzerns. "Das Geschäft ist wirtschaftlich riskant, politisch ohne Zukunft und gesellschaftlich nicht gewollt", hieß es in dem Aufruf. "Finger weg von der Lausitz!" Doch nun will Greenpeace selbst zugreifen.

Am Dienstag, rechtzeitig vor Ablauf der Frist um 12 Uhr mittags, ging bei der Citigroup in London ein "Letter of Interest" ein. Der Greenpeace-Ableger in Schweden, so hieß es darin, wolle "hiermit seine Interesse ausdrücken, das deutsche Braunkohle-Geschäft zu kaufen". Umweltschützer haben schon Äcker gekauft, über die Autobahnen verlaufen sollten, sie haben Firmen gegründet, um aus geplanten Atomendlagern Salz zu fördern - aber gleich einen ganzen Kraftwerkspark? "Wir haben viel Ahnung vom Energiemarkt und der Zukunft der Klimapolitik", sagt Annika Jacobson, Chefin von Greenpeace in Schweden. "Wir werden die Übernahme ernsthaft diskutieren." Für die Finanzierung werde sich schon ein Weg finden.

Analysten hatten den Wert der Braunkohlesparte zuletzt auf zwei bis drei Milliarden Euro taxiert. Allerdings unterliegt das Geschäft massiven Schwankungen: Gefallene Großhandelspreise für Strom machen auch den Braunkohle-Kraftwerken zu schaffen. Zudem gerät der Brennstoff angesichts seiner miserablen Klimabilanz zunehmend ins Visier der Politik. Je stärker Klimaschutz und Energiewende auf die Agenda rücken, desto schlechter die Perspektiven der Tagebaue im Rheinland und der in der Lausitz. Erst im Sommer hatte Vattenfall 1,6 Milliarden Euro auf das Braunkohlegeschäft abgeschrieben. Derweil untersucht die Beratungsfirma McKinsey, wo sich noch etwas sparen lässt.

Das Unternehmen selbst wollte sich am Dienstag nicht näher zu einzelnen Bietern äußern. Es handele sich um einen offenen Prozess, jede Bekundung werde geprüft, sagte ein Vattenfall-Sprecher. "Eine gewisse Finanzkraft sollte aber gegeben sein." Im Übrigen erlange auch Greenpeace durch die Interessensbekundung allein noch keinen Einblick in die Bücher. "Da gibt es noch einige Hürden und Meilensteine zu nehmen", sagte der Sprecher. Zu konkreten Zeitplänen sagte er nichts, auch nicht zur Zahl der Interessenten. Bislang galten die Mibrag-Mutter EPH und der tschechischen Energiekonzern CEZ als potenzielle Interessenten. Zum Verkauf stehen die Kraftwerke Boxberg, Jänschwalde und Schwarze Pumpe mitsamt den zugehörigen Tagebauen, zudem zehn ostdeutsche Wasserkraft-Anlagen.

Allerdings setzen die Greenpeace-Interessenten aus Stockholm ohnehin weniger auf ihre Finanzkraft als auf politische Unterstützung - schließlich gehört der Mutterkonzern Vattenfall AB dem schwedischen Staat. Kurz vor der Klimakonferenz in Paris könne die schwedische Regierung wohl kaum einem Unternehmen helfen, noch mehr klimaschädliche Kohle zu verbrennen, argumentiert Jacobson. Sollte der Umweltverband den Zuschlag erhalten, so heißt es, werde man die Kraftwerke schließen und Kohleabbau stoppen. Was Greenpeace mit den rund 8000 Beschäftigten in der Lausitz anfangen will, ließ die Organisation offen.

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