Transatlantische Freihandelszone Abkommen könnte Deutschland 160.000 Jobs bringen

Mehr Export, mehr Jobs, mehr Geld - laut einer Studie würde Deutschland von einem Freihandelsabkommen der EU mit den USA nur profitieren. Nutznießer wären vor allem Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg.

Alleine in Deutschland könnten bis zu 160.000 Arbeitsplätze durch das angestrebte Freihandelsabkommen der EU mit den USA entstehen. Laut einer am Freitag veröffentlichten Studie des Ifo-Instituts würden nahezu alle Branchen in sämtlichen Bundesländern profitieren (hier als PDF). Die Studie war von der wirtschaftsnahen Bertelsmann-Stiftung in Auftrag gegeben worden.

"Gewinnen würden nicht nur Großkonzerne, sondern insbesondere der Mittelstand", sagte Aart De Geus, Vorstandschef der Bertelsmann-Stiftung. Die Einkommen würden fast durchgängig steigen.

US-Haushaltsnotstand verhindert geplante Verhandlungsrunde

Die Verhandlungen von EU und USA sollten ursprünglich an diesem Montag in Brüssel fortgesetzt werden. Wegen des Haushaltsnotstands in den USA mussten die US-Vertreter die Reise jedoch absagen. In den Vereinigten Staaten steht der Haushaltsapparat teilweise still, weil sich der Kongress nicht rechtzeitig auf ein Haushaltsgesetz einigen konnte. Ein neuer Termin für die Gesprächsrunde steht noch nicht fest. EU-Handelskommissar Karel de Gucht sagte, die Absage werde das eigentliche Ziel des Vertragsabschlusses nicht behindern. Bei einem Erfolg würde die größte Freihandelszone der Welt mit 800 Millionen Einwohnern geschaffen.

Mehrere deutsche Politiker, allen voran Peer Steinbrück, hatten zuletzt gefordert, die Verhandlungen auszusetzen. Nach weiteren Enthüllungen in der NSA-Spähaffäre forderten sie zunächst Aufklärung von den Amerikanern. Der US-Geheimdienst soll EU-Einrichtungen und die UN-Zentrale in New York abgehört haben. Steinbrück sagte, er würde auch gerne wissen, ob die USA "wirtschaftsrelevante Daten von deutschen Unternehmen abschöpfen".

Im Januar 2014 soll eine erste Etappe bei der Einrichtung der transatlantischen Freihandelszone erreicht werden. Bis dahin sollen die Unterhändler Grundlinien zu Regulierungsfragen vereinbaren. Der Studie zufolge wären vor allem Zuwächse beim Export in die USA zu erwarten. So könnten die Ausfuhren in die USA im Nahrungsmittelgewerbe, in der Metallerzeugung und Metallbearbeitung sowie der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft um bis zu 50 Prozent wachsen.

Je 20.000 Arbeitsplätze für NRW, Bayern und Baden-Württemberg

Zu den größten Gewinnern würden Bundesländer mit einem stark exportorientierten produzierenden Gewerbe zählen. "Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg könnten mit einem Wertschöpfungszuwachs in Höhe von rund fünf Milliarden Euro und jeweils rund 20.000 neuen Arbeitsplätzen rechnen." Von den 160.000 neuen Arbeitsplätzen würden 85.000 im produzierenden Gewerbe entstehen, aber auch 75.000 im Dienstleistungssektor, zum Beispiel im Kraftfahrzeughandel oder für Reparaturdienstleistungen.

Die Löhne würden mit dem Abkommen in Deutschland nahezu durchgängig wachsen. Die Reallöhne von niedrig qualifizierten Arbeitnehmern könnten im Schnitt um 0,9 Prozent steigen. Die Reallöhne der mittel- und hochqualifiziert Beschäftigten würden um 0,7 und 0,6 Prozent steigen. "Entscheidend wird sein, ob ein Freihandelsabkommen auch die Akzeptanz der Bevölkerung findet. Deshalb ist es nicht nur wichtig, dass auch kleine Betriebe und niedrige Einkommensgruppen profitieren, sondern dass Verbraucher- und Arbeitnehmerschutz gewährleistet bleiben", sagte Aart De Geus.