Taxi-Konkurrenz Ein Start-up mit Geld von Goldman Sachs

Ein nachfragegesteuertes System wie das von Uber mit höheren Preisen bei Regen und Schnee, bei Messen und sicherlich auch zum Oktoberfest oder in der Silvesternacht ist das Letzte, was den sozial schwachen Menschen zu wünschen wäre. Personenbeförderung gerät zu einer Art Glücksspiel - und Uber gewinnt immer. So gesehen erscheint sogar die Vergabe von Konzessionen auf einmal wieder wirtschaftlich sinnvoll, um eine Grundversorgung mit Taxen auch in Zeiten mit geringer Nachfrage zu garantieren.

Nicht nur das Preismodell ist bei Uber problematisch. Das Unternehmen geriert sich als Start-up, ist aber schon fünf Jahre alt und damit längst ein Teil des Establishments. Das gilt erst recht, wenn man weiß, dass sich Uber mit Anlegergeld der Investmentbank Goldman Sachs in bereits 70 Städten ausbreitet. Goldman ist nicht allein: Einer der Investoren in Uber ist ausgerechnet der Internetkonzern Google. Wie ein Krake breitet sich die Suchmaschinenfirma auf allen möglichen Geschäftsfeldern aus, greift gerade nach der Spiele-Plattform Twitch.

Mitfahrgelegenheiten per App organisieren, mit Google Maps im Hintergrund, das passt gut. Wer Uber toll findet, der fährt bei Google mit. Jedenfalls indirekt ist das so. Für Google ist Uber wohl mehr als ein Investment. Es könnte für den Netzgiganten ein Feldversuch sein, wie weit sich ein klar ungesetzliches Geschäftsmodell durch anarchistisches Handeln etablieren lässt. Denn Uber setzt sich explizit über bestehende Regeln hinweg, die Verordnung zur Personenbeförderung in Deutschland ist nur eine davon. Man wolle weitermachen wie bisher und sich durch alle Instanzen klagen. Die Berliner Taxifahrer haben trotz erster Erfolge vor Gericht gegen Uber resigniert angesichts der finanziellen Kraft des angeblichen Start-ups mit den starken Hintermännern. Den Abwehrkampf gegen den wohlkalkulierten Angriff auf die bestehende Rechtsordnung wird das kommunal zersplitterte Taxigewerbe kaum allein gewinnen können.

Behörden und Politiker werden entscheiden müssen, ob sie sich von Google und Uber oktroyieren lassen wollen, wie der öffentliche Nahverkehr zu organisieren ist. Im Blick behalten sollten sie dabei nicht das Wohl von Uber, sondern das Wohl der Allgemeinheit.