Stromverbrauch Verbraucher bezahlen 1,65 Milliarden Euro mehr als versprochen

Ein Lapsus, den die EU-Kommission an anderer Stelle auf der Lampen-Verpackung längst korrigiert hat: Neben den Leistungsdaten in Watt und Lumen muss dort auch das Energielabel aufgedruckt sein, das die Effizienz auf einer farbigen Buchstaben-Skala von A bis G ausweist. Die Regeln für das Label sind aber in einer anderen Richtlinie festgelegt - und dort wurde die Verwendung der Toleranzen bereits 2012 im Sinne der Verbraucher neu geregelt. Die Konsequenz: Viele Lampen rutschten plötzlich auf der Skala nach unten, und das, obwohl die Angaben zu Stromverbrauch und Leuchtkraft unverändert blieben. Dabei sagen beide Werte nichts anderes aus als die Effizienz.

Insgesamt, so schätzt der europäische Umweltschutz-Dachverband EEB, könnte die EU nun allein durch den fortgesetzten Missbrauch der Toleranzen bei Lampen ihre Stromspar-Ziele im Jahr 2020 um 10,2 Terawatt-Stunden jährlich verfehlen. Das entspricht der Stromerzeugung eines größeren Kernkraftwerks. Hinzu kämen die Mehrkosten für die Kunden, die geschätzt 1,65 Milliarden Euro mehr für Strom bezahlen müssten, als eigentlich versprochen.

Entsprechend scharf kritisierten Verbraucherschützer die Pläne der EU. "Es ist nicht zu rechtfertigen, dass die Lampen-Hersteller aus der Verantwortung genommen werden", sagte ein Sprecher des Europäischen Verbraucherverbands BEUC, zumal die Tricksereien seit Jahren bekannt seien. Gewisse Toleranzen seien technisch zwar nötig, sie müssten aber so niedrig wie möglich bleiben.

Insider halten zehn Prozent Toleranz für überholt

Ähnliche Äußerungen kommen, zumindest hinter vorgehaltener Hand, auch aus der Branche selbst. Hohe Abweichungen seien dank moderner Messtechnik nicht mehr zeitgemäß, sagt etwa ein langjähriger Manager, der namentlich nicht genannt werden möchte. Zwei bis drei Prozent seien heute realistisch. Tatsächlich dürfen die Werte auf der Packung heute aber noch immer um zehn Prozent daneben liegen.

In ihrem neuen Entwurf verweist die EU-Kommission nun auch darauf, dass die Frage der korrekten Verwendung der Messtoleranzen bei Lampen ohnehin am besten an anderer Stelle geklärt werden sollte, etwa wenn die bestehenden speziellen Regelwerke für diesen Bereich überarbeitet werden. Genau das passiert derzeit; die drei bestehenden Leuchten-Verordnungen sollen zum Bürokratieabbau in einer zusammengefasst werden. Schärfere Vorgaben zu den Messtoleranzen finden sich in dem Entwurf, welcher der SZ ebenfalls vorliegt, allerdings auch nicht. Dagegen könnte die Neuregelung nach jetzigem Stand aber dafür sorgen, dass alte, stromfressende Leuchten-Typen vorübergehend wieder in der EU zugelassen werden, obwohl sie längst vom Markt verbannt sind, warnten die Umweltschützer der Coolproducts-Initiative vergangene Woche in einer Analyse.

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