Stromverbrauch Lampen-Hersteller dürfen beim Stromverbrauch weiter schummeln

Energiesparlampen verbrauchen meist mehr Strom, als auf der Verpackung angegeben ist.

(Foto: dpa)
  • Ein neues Papier der EU-Kommission sieht vor, dass Hersteller den Stromverbrauch ihrer Lampen deutlich niedriger ausweisen drüfen, als er eigentlich ist.
  • Das Schlupfloch ist der Behörde bereits seit Jahren bekannt und sie hatte zuletzt eigentlich angekündigt, es zu schließen - nun fürchtet Brüssel aber die Konsequenzen.
  • Für die Verbraucher bedeutet die systematische Schummelei höhere Stromrechnungen.
Von Alexander Mühlauer, Brüssel, und Stephan Radomsky

Eigentlich ist die Sache klar: Jede Lampe verbraucht eine gewisse Menge Strom, dafür erzeugt sie Licht in einer bestimmten Stärke. Damit der Käufer weiß, wie hell und wie teuer es wird wenn er das Licht anknipst, müssen beide Werte deutlich auf der Lampen-Packung stehen. So kann er das sparsamste Produkt auswählen. Eigentlich.

In der Praxis bekommt der Kunde zwar Angaben zu Leistung und Verbrauch präsentiert. Mit seinem Alltag haben die Zahlen aber nur bedingt zu tun. Dort verbrauchen Lampen in der Regel deutlich mehr Energie, bis sie so hell leuchten wie versprochen. Diese Trickserei zulasten des Kunden und der Umwelt ist nach geltendem Recht legal - und soll es nach dem Willen der EU-Kommission auch bleiben.

Denn anders als versprochen, will die Brüsseler Behörde doch nichts gegen die systematischen Tricksereien mit den Messtoleranzen unternehmen. Das geht aus einem Anfang Februar bei der Welthandelsorganisation (WTO) eingereichten Papier hervor, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Demnach will die Europäische Kommission die Lampen-Hersteller von der Verschärfung der Regeln verschonen. Auf Anfrage wollte sich die Behörde dazu nicht äußern.

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Die entsprechende Passage im Entwurf der EU-Kommission liest sich allerdings ziemlich eindeutig. Sie klingt wie ein Eingeständnis des Scheiterns. Nach Angaben der Hersteller, heißt es dort, müssten viele Lampen-Typen sofort komplett vom Markt genommen werden, wenn die Messtoleranzen nicht mehr so ausgenutzt werden dürften wie bisher. Im Klartext bedeutet das, dass die allermeisten Lampen eigentlich so ineffizient sind, dass sie nach geltendem EU-Recht gar nicht verkauft werden dürften - und die Kommission den Herstellern den legalen Verstoß gegen ihre Regeln wohl weiterhin ermöglichen will.

Die Leistungsdaten ihrer Produkte erheben die Hersteller in ihren Laboren selbst - und die EU-Kommission gewährt ihnen dabei bisher große Spielräume, eigentlich um mögliche Messfehler auszugleichen. Das sind die sogenannten Toleranzen. Dank moderner, präziserer Messtechnik wissen die Hersteller aber ziemlich genau, wie effizient ihre Lampen tatsächlich sind. Auf die selbst ermittelten Werte können sie deshalb die alten, hohen Messtoleranzen zulasten der Kunden aufschlagen. Die Lampen verbrauchen damit mehr Strom als auf der Verpackung angegeben - oder sie liefern eben weniger Licht. So ergab beispielsweise eine Untersuchung des Magazins des Schwedischen Verbraucherverbands, dass einige Halogen-Lampen unter Alltagsbedingungen mehr als 20 Prozent schwächer leuchten, als angegeben.

Die EU-Kommission weiß schon seit 2011, dass die Branche das Schlupfloch gezielt und flächendeckend ausnutzt, um besser dazustehen. Das hatte eine Sprecherin im Dezember gegenüber der SZ eingeräumt. Der Fehler liegt dabei in der Ökodesign-Richtlinie der EU: Sie legt unter anderem fest, wie viel Strom eine Lampe bei einer bestimmten Lichtstärke verbrauchen darf und wie hoch die Messtoleranzen sind. Wie genau diese Abweichungen aber verrechnet werden dürfen, ist nicht eindeutig vorgegeben.