Steuer auf Einkaufstüten Plastik im Wal

22 Cent pro Plastiktüte, um die Natur zu schützen: Die Grünen wollen Einkaufstaschen aus Kunststoff besteuern. Denn der Müll der Menschen bringt selbst die Riesen der Meere zur Strecke.

Von Jannis Brühl

Das Ungetüm verrottete an einem Strand südlich von Granada und war voller Müll. Aus einem zehn Meter langen Pottwal, der vor einem Jahr an der spanischen Küste angespült wurde, holten Forscher 59 verschiedene Plastikteile, insgesamt 17 Kilo schwer: Folien aus Gewächshäusern, Eiswürfelformen, einen Kleiderbügel. Unachtsam - oder absichtlich - entsorgte Kunststoffe können töten. Seevögel, Delfine, Schildkröten: Jährlich sterben dem Naturschutzbund Nabu zufolge zehntausende Tiere an Plastikmüll. Selbst das arktische Meer ist mittlerweile betroffen. Deshalb fordern die Grünen nun, Plastiktüten mit je 22 Cent zu besteuern. Sie haben dabei prominente Verbündete.

Die umweltpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Dorothea Steiner, und die Fraktionsvorsitzende im EU-Parlament, Rebecca Harms, wollen Plastiktüten nun besteuern. Werde jede Tüte mit 22 Cent belegt, könne Deutschland Vorreiter für die von der EU geplanten Maßnahmen zur Verringerung des Plastikmülls sein, sagten die beiden der Bild-Zeitung. In Supermärkten kosten die Tüten meist etwa zehn Cent, in vielen anderen Geschäften sind sie umsonst.

Die Verwendung erdölbasierter Kunststoffe müsse dringend eingeschränkt werden, fordert Steiner. "Mit einer Abgabe von 22 Cent pro Plastiktüte könnte die Erforschung biologisch abbaubarer Kunststoffe finanziert werden." Harms ergänzt: "Einweg-Plastiktüten, die zu Tausenden im Meer landen, bedrohen das Meeresleben immer mehr."

Initiative gegen die "Wegwerf-Gesellschaft"

Jeremy Irons dürfte den beiden Grünen zustimmen. Der britische Oscar-Preisträger ist politisch dermaßen engagiert, dass auch Filme von ihm von EU-Kommissaren beworben werden. An diesem Donnerstag trat er mit Umweltkommissar Janez Potočnik in Brüssel auf. In der Dokumentation "Trashed" vom vergangenen Jahr bereist Irons riesige Müllhalden rund um die Welt. Potočnik und Irons wandten sich gegen die "Wegwerf-Gesellschaft" und stellten ein Diskussionspapier des Kommissars vor. Darin spricht sich auch seine Behörde für Steuern auf Plastiktüten aus: "Marktbasierte Instrumente" könnten "die Herstellung und den Verbrauch von kurzlebigen und Einweg-Erzeugnissen aus Kunststoff zu vermeiden." In der EU gibt es zwar viele Recycling- und Umweltschutzregeln, aber keine, die sich speziell mit dem Problem Plastiktüten beschäftigt.

Allein 2010 seien EU-weit 95,5 Milliarden Plastiktüten in Umlauf gebracht worden: "Bis zu zehn Millionen Tonnen Abfälle, hauptsächlich aus Kunststoff, landen jährlich in den Ozeanen und Meeren der Welt und machen sie zur weltweit größten Deponie für Kunststoffabfälle." Plastik könne Hunderte von Jahren dort bestehen und Tiere gefährden.

Auch den slowenischen Kommissar beschäftigt der tote Wal. Unglücklicherweise, twitterte er am Freitag, schockiere ihn nichts mehr. Das tote Tier solle jedoch als Weckruf dienen.