SZ: Richtig Geld verdient haben Sie dann mit dem Lied "Die da".

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Smudo: Ja. Wir saßen im Jugendzimmer und haben an selbstgebauten Computern an unseren Songs für die dritte Platte gebastelt, während die zweite gerade ein Riesenerfolg wurde. Wir haben das gar nicht richtig begriffen. Unser Manager hat uns jedem 50.000 Mark in einem Lederkoffer vorbeigebracht: "Damit ihr mal wisst, wie sich das anfühlt." Wir wussten nichts damit anzufangen. Ich hab den Koffer in meinen alten 1500-Mark-Passat geschmissen und bin zu meinen Eltern gefahren. Meine Mama sagte: "50.000 Mark. Das wäre ein guter Teil unserer Hypothek." Zu Hause nahm meine damalige Freundin die Scheine, schrie juhu!, rannte durch die Wohnung und schmiss die Banknoten um sich. Ich habe die ganzen Mücken wieder eingesammelt und am nächsten Tag als Festgeld bei der Bank angelegt. Die beiden Vorfälle haben mich nachdenklich gemacht.

SZ: Warum?

Smudo: Es hat mich erschüttert, dass etwas, wofür meine Eltern noch lange arbeiten müssen, bei mir im Koffer liegt und ich nicht weiß, was ich damit machen soll. Außerdem bekam ich das Geld für meine deutsche Rapmusik, für die mein Vater damals keine Zukunft sah.

SZ: Sie hatten Mitleid?

Smudo: Pure Empathie. Schreiben Sie das auf: Empathie. Das war eine super Maßnahme von unserem Manager.

SZ: Warum?

Smudo: Wir waren Anfang 20, es ging uns nicht ums Geld. Wir wollten Konzerte spielen und möglichst viele Weiber abschleppen. Diese 50.000 Mark brachten mich dazu, mir Gedanken über Geld zu machen.

SZ: Moment, Sie haben sich von Anfang an offensiv vermarktet. Sie haben sich verkauft, sagen Kritiker. Und dabei soll es nicht ums Geld gegangen sein?

Smudo: Wir wollten unbedingt Popstars werden. Uns ging es darum, geil gefunden zu werden. Darum geht's uns auch immer noch.

SZ: Sie wollen geliebt werden.

Smudo: Ja.

SZ: Das wollen wir auch.

Smudo: Ganz genau. Alle wollen geliebt werden. Wenn der Chef Ihnen einmal über den Kopf streichelt, dann ist das 13. Monatsgehalt gar nicht so wichtig. Aber klar, die Verlockung des Geldes war natürlich auch da. Wir haben zum Beispiel "Die da" mit Vorsatz als Hit angelegt...

SZ: Wie das?

Smudo: Die Plattenfirma hat gesagt, dass wir irgendwie ins Radio kommen müssen. Live waren wir bereits sehr erfolgreich, aber im Radio wurden wir ignoriert. Also haben wir so ein poppiges Gute-Laune-Lied gemacht. Wir haben sogar gepfiffen bei dem Song. Und es endet bei 800.000 verkauften Langspielplatten, Platz zwei in Deutschland.

SZ: Sie wurden geliebt.

Smudo: Und auch viel gehasst. Wir haben dann ein sehr introvertiertes düsteres Album aufgenommen, weil wir eben nicht die sein wollten, für die uns alle hielten: diese bunten, lustigen Typen. Deshalb war "Die da" auch gut für unsere künstlerische Weiterentwicklung. Heute werden wir ständig gut gefunden, haben so einen Auf-Lorbeeren-Ausruh-Status. Das ist künstlerisch sehr gefährlich.

SZ: Da haben Sie alles dafür getan, um geliebt zu werden, und wenn's dann klappt, ist es auch nicht gut?

Smudo: Ja, ist das nicht irre? (lacht) Jetzt ist es etwas anders. Ich habe eine Tochter, in ein paar Wochen kommt die zweite. Jetzt will ich, dass meine Töchter mich geil finden. Ich will sie schützen und für sie da sein. Das ist eine andere Motivation. Auch eine Motivation, die zu Umsatz führen kann, weil man Sicherheit schaffen möchte, für die Zukunft.

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  1. "Uns geht es darum, geil gefunden zu werden"
  2. "Kreativität ist ein menschlicher Reflex"
  3. Sie lesen jetzt "Wir wollten Weiber abschleppen"
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(SZ vom 18.12.2009/tob)