Sky-Deutschland-Chef Brian Sullivan "Wenn es jemand schaffen kann, dann wir"

Brian Sullivan, Chef von Sky Deutschland, ist trotz jüngster Nackenschläge zuversichtlich, mit dem Bezahlsender Sky in Deutschland zu überleben. Prognosen gibt er allerdings keine mehr ab.

Interview: Caspar Busse

An diesem Montag wurde bekannt, dass das Fernsehunternehmen Sky eine erneute Kapitalspritze braucht, die Aktie brach um ein Viertel ein. Es könnte der letzte Versuch des von Rupert Murdoch kontrollierten Senders sein, aus Pay-TV in Deutschland ein rentables Geschäft zu machen. Sky ist der wichtigste TV-Rechte-Partner der Fußball-Bundesliga, die jährlich rund 220 Millionen Euro erhält.

SZ: Herr Sullivan, schlechte Nachrichten für Sky Deutschland, für Rupert Murdoch und für News Corp.: Sie brauchen noch einmal 340 Millionen Euro.

Sullivan: So fangen Interviews in Deutschland immer an. Nein. Das ist in Wirklichkeit eine gute Nachricht für das Unternehmen, für unsere Kunden und Partner und auch für den deutschen Fernsehmarkt. Wir haben die volle Unterstützung unseres Großaktionärs. Und die Zahlen für das abgelaufene Quartal zeigen einen positiven Schwung.

SZ: Sie verlieren sehr viel Geld, Sie gewinnen kaum Kunden. Wo ist da der positive Schwung?

Sullivan: Die Entwicklung geht in die richtige Richtung. Wir machen Fortschritte. Zum ersten Mal seit fünf Jahren haben wir in einem zweiten Quartal netto Kunden dazugewonnen. Die Kündigungsrate geht deutlich zurück, die Zufriedenheit, insbesondere bei neuen Kunden, ist hoch und unser Anteil an HD-Zuschauern befindet sich auf Rekordniveau. Aber kein Zweifel: Deutschland und Österreich sind schwierige Märkte.

SZ: Sie sind seit vier Monaten Chef von Sky Deutschland. Hatten Sie erwartet, dass es so schlimm ist?

Sullivan: Jeder Markt ist anders, jedes Unternehmen ist anders. Dass die Deutschen kein Geld für Qualitäts-Pay-TV ausgeben wollen, ist einfach falsch. Wie gesagt: Wir machen Fortschritte, aber es geht eben nicht schnell genug.

SZ: Es ist das siebte Mal, dass Ihr Unternehmen eine Finanzspritze bekommt. Geht das so weiter?

Sullivan: Ich glaube, dass die 340 Millionen Euro, die wir jetzt bekommen, aus heutiger Sicht reichen werden, damit wir die nachhaltige Profitabilität erreichen.

SZ: Noch im April hatten Sie gesagt, 2011 werde es operative Gewinne geben. Daraus wird nun nichts. Was ist passiert?

Sullivan: Ich lerne sehr viel in meiner neuen Rolle. Ich habe vor allem gelernt, dass ich keine detaillierten Prognosen mehr abgeben werde. Und ich bin Realist. Die Aufgabe ist groß, die Herausforderung auch, aber es ist auch eine große Chance für uns. Das ist nicht über Nacht zu erledigen. Es wird ein langer Weg. Wir machen echte Fortschritte. Aber wenn es eine einfache Aufgabe wäre, dann wäre es doch auch langweilig.

SZ: Was war der größte Fehler Ihres Vorgängers Mark Williams?

Sullivan: Als Mark hier war, war ich in London bei BSkyB. Er hat die Bundesligarechte bekommen, in den Verhandlungen mehr Anstoßtermine am Wochenende durchgebracht, er hat das Spielfilmangebot verbessert, er hat das Abo-Preissystem geändert, das war alles absolut richtig.

SZ: Früher hieß es, Sie bräuchten 2,8 bis drei Millionen Abonnenten um Gewinne zu machen. Gilt das noch?

Sullivan: Das kommt ungefähr hin, um ein ausgeglichenes operatives Ergebnis zu erreichen, hängt aber natürlich auch von der Höhe unserer Investitionen ab.

SZ: Müssen Sie die Preise senken, um mehr Kunden anzulocken?

Sullivan: Das einzig Konstante in dieser Firma ist doch, dass dauernd die Preise verändert wurden. Deshalb werde ich die Preispolitik nicht wieder grundlegend ändern. Unsere Kunden verdienen Konsistenz. Vielleicht werden wir marginale Veränderungen vornehmen, aber die Grundlinie bleibt. Wir sind wettbewerbsfähig, unser Angebot ist seinen Preis absolut wert. Wenn heute eine Familie ins Kino geht, dann sind inklusive Popcorn und Getränke schnell 50 bis 60 Euro weg. Dafür bekommen sie bei Sky Deutschland einen Monat lang unser komplettes Programm, alle HD-Sender inklusive.

SZ: Das Pay-TV in Deutschland versucht seit 20 Jahren, Gewinne zu machen. Warum sind Sie zuversichtlich?

Sullivan: Ich kenne die lange Geschichte des Bezahlfernsehens in Deutschland. Aber ich weiß: Wir haben inzwischen den deutschen Markt verstanden. Die Konkurrenz ist groß, unser Angebot unterscheidet sich auch deutlich. Wir haben tollen Sport, alle Bundesligaspiele, gute Filme, hohe Qualität. Und wir haben 2,5 Millionen Kunden. Die meisten sind sehr zufrieden. Jetzt müssen wir nur noch unser Wachstum beschleunigen und dadurch nachhaltig profitabel werden.

SZ: Wann wird es soweit sein?

Sullivan: Ich gebe wie gesagt keine Prognosen mehr ab, sorry. Wenn jemand Pay-TV in Deutschland und Österreich erfolgreich machen kann, dann wir.