Siemens Kaeser plant drastische Einschnitte bei Siemens

Flaute in der Kraftwerkssparte. Bei Siemens sind Tausende Arbeitsplätze in Gefahr.

(Foto: Ingo Wagner/dpa)
  • Auf dem Tisch liegen Pläne für einen massiven Stellenabbau und die Schließung oder den Verkauf etlicher Werke.
  • Die Anzahl der Jobs, die wegfallen, heißt es aus Industriekreisen, dürfte im vierstelligen Bereich liegen.
Von Thomas Fromm

Wegen der schlechten Auftragslage in der Kraftwerksparte plant Siemens-Chef Joe Kaeser radikale Kürzungen in einem der größten Geschäftsbereiche des Konzerns. Auf dem Tisch liegen Pläne für einen massiven Stellenabbau und die Schließung oder den Verkauf etlicher Werke.

Die Anzahl der Jobs, die wegfallen, heißt es aus Industriekreisen, dürfte im vierstelligen Bereich liegen. Bis zu elf von 23 Standorten weltweit könnten komplett geschlossen oder verkauft werden. In München heißt es, dass man "Marktgerüchte nicht kommentieren" wolle.

Mit den anstehenden Kürzungen in seiner traditionsreichen Sparte steht dem Münchner Konzern ein heißer Herbst bevor. Erst vor einem Jahr hatte Siemens die Streichung von 1 700 Jobs in Deutschland in der Sparte Prozessindustrie und Antriebe bekannt gegeben. Seit Monaten wurde bereits damit gerechnet, dass sich die Konzernspitze die Energiesparte vornimmt - Arbeitnehmervertreter reagierten nun sauer.

Tausende Mitarbeiter verunsichert

"Wir bewerten es als unsäglich, dass erneut Tausende Mitarbeiter auf diese Weise verunsichert werden", sagte ein IG-Metall-Sprecher. Man werde größere Einschnitte nicht ohne Widerstand akzeptieren und verlange vom Vorstand eine Erklärung.

In einer Stellungnahme des Konzerns hieß es, dass man sich "kontinuierlich Gedanken über die strategisch richtige Aufstellung unserer Geschäfte" mache. Dies könnte konkret bedeuten, dass vor allem ostdeutsche Standorte das Nachsehen haben dürften. So könnte das Generatorenwerk in Erfurt an ein anderes Unternehmen verkauft, die Fabrik im sächsischen Görlitz geschlossen werden.

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Insgesamt arbeiten weltweit 30 000 Menschen für die Einheit, davon an die 12 000 in Deutschland. Hinter den Kulissen ringen Geschäftsführung und Arbeitnehmervertreter nun um die konkrete Ausgestaltung des Abbauplans - demnach würden derzeit "verschiedene Modelle" diskutiert.

Die Konzernspitze will den Arbeitnehmern die festgezurrten Zukunftspläne dann Anfang November im Wirtschaftsausschuss vorstellen. Am liebsten würde man dann die Jahrespressekonferenz im November dafür nutzen, die Pläne offiziell zu machen.

Bis dahin kommen auf das Management allerdings noch harte Verhandlungen mit den Gewerkschaftern zu. Dort rechnet man mit einem trotz allem sehr profitablen Gesamtjahr für den Konzern und erwartet daher einen längeren Atem in der Kraftwerksparte.

Das Problem, das Siemens hat: Das Unternehmen bekommt seine großen Gasturbinen in Deutschland und Europa nicht mehr verkauft, da die Nachfrage weltweit eingebrochen ist. Die Preise purzelten steil nach unten, in den Fabriken lagerte die Ware - Überkapazitäten waren die Folge.

Konkurrenz durch neue Produkte von General Electric

Konzernintern wird berichtet, der Markt für Kraftwerkstechnologien werde seit einiger Zeit "immer kleiner". Zu den rückläufigen Aufträgen und den halb ausgelasteten Fabriken käme eine harte Konkurrenz durch neue, offenbar effizientere Produkte des US-Wettbewerbers General Electric (GE) dazu. Dazu kommen die Probleme bei der Windkraftanlagentochter Siemens Gamesa, die vor Kurzem sogar ihre Prognose für das laufende Jahr senken musste.

Probleme überall. Die Branche ändert sich gerade gewaltig. Die Energiewende und der Trend hin zur Stromerzeugung aus regenerativen Quellen wie Wind und Sonne sorgen dafür, dass immer weniger konventionelle Kraftwerksanlagen für Kohle und Gas verlangt werden.

Der Kuchen für Werke und große Gasturbinen, den Rivalen wie Siemens, GE oder Mitsubishi traditionell unter sich aufteilen, wird weltweit immer kleiner, der Kampf um lukrative Aufträge immer härter. Ausgerechnet in dieser Lage hatte Siemens vor drei Jahren noch den amerikanischen Öl- und Gasausrüster Dresser-Rand für fast acht Milliarden Dollar übernommen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Siemens Hand an die Kraftwerksparte legt - erst vor einigen Jahren wurde ein Stellenabbauplan beschlossen. Und im August dieses Jahres sagte Kaeser in Bezug auf das Energiegeschäft diesen verschwurbelten Managersatz: "Weitere Kostensenkungsmaßnahmen und Kapazitätsanpassungen werden notwendig sein, da die Märkte strukturelle Herausforderungen haben." Übersetzt hieß das: Da der Markt nichts hergibt und wir weniger verkaufen, muss jetzt bald gespart werden. Insofern: Wirklich überraschend kommt der Siemens-Plan nicht.

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