Sexuelle Belästigung Renommierte PR-Agentur schließt wegen Sexismus-Vorwürfen

  • Mehrere Mitarbeiterinnen erheben schwere Vorwürfe gegen den Gründer der renommierten us-amerikanischen PR-Agentur FitzGibbon.
  • Ihr Gründer Trevor FitzGibbon soll Mitarbeiterinnen über Textnachrichten belästigt und mindestens einer Frau einen Job gegen Sex angeboten haben.
  • Zu den Kunden der Firma gehören Amnesty International, die britische Tageszeitung Guardian, US-amerikanische Gewerkschaften und Wikileaks.
Von Hannah Beitzer

Der betagte Chef, der seiner Sekretärin an den Po greift, die Macho-Manager-Riege, die in der Konferenz in Anwesenheit der einzigen Managerin sexistische Sprüche klopft: Das sind die stereotypen Vorstellungen von Sexismus am Arbeitsplatz.

Dass sie tatsächlich nur Stereotype sind und die Realität etwas komplizierter zeigt der Fall der renommierten us-amerikanischen PR-Agentur FitzGibbon. Diese arbeitet mit etablierten Organisationen wie Amnesty International, mit Gewerkschaften und Medien wie dem britischen Guardian zusammen, und ist gut vernetzt in der liberalen Szene Washingtons. FitzGibbon galt als das Gegenteil eines konservativen Macho-Unternehmens. Und löste sich nun auf, nachdem gegen ihren Gründer Trevor FitzGibbon zahlreiche Vorwürfe der sexuellen Belästigung laut geworden sind.

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Job gegen Sex

Die ersten Vorwürfe erhob die 26-jährige Sierra Pedraja. Sie lernte Trevor FitzGibbon über eine Freundin kennen, die bereits in dessen Unternehmen arbeitete. In einem Hotel sprachen sie über eine mögliche Beschäftigung Pedrajas. "Ich kann jeden einstellen, den ich mag", soll FitzGibbon gesagt haben. Und der 26-Jährigen anschließend Komplimente gemacht, sie gefragt haben, ob sie "ein bisschen Spaß haben" will. Als sie nicht darauf einging, soll er sich entschuldigt haben.

In den folgenden Tagen, so schildert es Pedraja der Huffington Post, soll er sie über soziale Medien kontaktiert, ihr weitere Komplimente gemacht und sie gebeten haben, ihm Fotos von sich zu schicken: "maxim style". Maxim ist ein Männermagazin, auf dessen Cover häufig leichtbekleidete Frauen abgebildet sind. Außerdem habe er geschrieben: "Let's hook up late night." "Hook up" steht umgangssprachlich für unkomplizierten Sex ohne Bindungsabsicht.

Pedraja erzählte schließlich Mitarbeitern FitzGibbons von den Vorfällen. Während ihr einige noch geraten hätten, sie lieber zu verschweigen, wenn sie einen Job wolle, fühlten sich immer mehr Frauen ermutigt, von ähnlichen Erlebnissen mit dem vermeintlich progressiven Trevor FitzGibbon zu berichten. Die Huffington Post schreibt, dass es bereits in dem Unternehmen, für das FitzGibbon früher gearbeitet hat, immer wieder Anschuldigungen gegen ihn gegeben habe.

Warum wird ein so gravierendes Fehlverhalten erst jetzt öffentlich? Die Huffington Post zitiert eine ehemalige Kundin von FitzGibbon mit der lapidaren Aussage: "Wenn ich den Kontakt zu jedem Mann in der progressiven Szene abgebrochen hätte, der im geschäftlichen Kontakt mit mir unangemessene Bemerkungen oder Angebote gemacht hat, dann wäre ich heute nirgends."

Mitarbeiter beklagen "Heuchelei" FitzGibbons

Der Fall erinnert an den Skandal um die amerikanische Bekleidungskette American Apparel. Der Hersteller war mit unter fairen Bedingungen produzierten Hipster-Klamotten groß geworden. 2014 schmiss das Unternehmen Firmenchef und Gründer Dov Charney raus, dem jahrelange sexuelle Belästigung von Mitarbeiterinnen vorgeworfen wurde. FitzGibbon Media zieht jetzt noch drastischere Konsequenzen und löst die Firma gleich ganz auf.

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"Trevor hat sich über Jahre als Vorkämpfer der progressiven Bewegung stilisiert, hat behauptet, Frauen zu respektieren und feministische Anliegen zu unterstützen", zitiert der Guardian aus einer Erklärung, die 24 der 29 Mitarbeiter der Firma unterschrieben hätten. "Seine Handlungen offenbaren eine derartig große Heuchelei, dass wir nicht weiter unter seiner Führung arbeiten können." Sie selbst hätten nun zwar ihre Jobs verloren, aber ihre Integrität behalten.

Trevor FitzGibbon bestätigte die Schließung demzufolge via E-Mail. Die Vorwürfe beschädigten die Mission seines Unternehmens so stark, dass er es für angemessen halte, sich erst einmal zurückzuziehen. Er werde jedoch alles dafür tun, das verlorene Vertrauen seiner Kunden und seiner Mitarbeiter zurückzugewinnen.