Schwache US-Volkswirtschaft Eisiger Herbst

Die USA strahlen derzeit wenig Zuversicht im Kampf gegen die Schuldenkrise aus. Zu dieser kommt noch eine schwache Konjunktur, weil die Menschen wenig einkaufen. Auf Amerika und die abhängigen Märkte in Asien und Europa warten weitere Pleiten und Kursverluste.

Ein Kommentar von Hans-Jürgen Jakobs

Es war eine dieser schlechten Nachrichten, die derzeit den Börsen zusetzen. Sie kündete von keiner Katastrophe, dokumentierte aber den Kriechgang der US-Volkswirtschaft. Die Arbeitslosenquote verharrt, anders als von vielen Experten erwartet, bei hohen 9,1 Prozent, hieß es am Freitag. Zudem korrigierte das Land offiziell die Erwartungen für das Jahr 2011 - und senkte die Wachstumsprognose drastisch um fast einen Punkt auf nur noch 1,7 Prozent. In Folge sausten die Aktienkurse nach unten.

Für die Weltwirtschaft ist die amerikanische Leistungsschwäche ein herber Ausfall. Noch immer handelt es sich um die größte Volkswirtschaft der Welt. Je schneller sie sich berappelt, umso besser für andere Länder. Die Systeme sind heute derart miteinander verflochten, dass die Erlahmung Amerikas viele Märkte mit nach unten zu ziehen droht. Sie trifft zudem auf eine Weltwirtschaft, in der alle großen Blöcke weit entfernt von der Bestform sind.

17 Länder in Europa versuchen zum Beispiel, den Euro zu retten, was mit immer höheren Kosten verbunden ist. Japan hat 20 Problemjahre hinter sich und muss aktuell mit den Folgen des Erdbebens vom März zurechtkommen. Und auch die Schwellenländer zeigen sich in der Rolle als Impulsgeber überfordert. China kämpft derzeit gegen Inflation und drosselt das Wachstum. Der Staat wird nicht wie bisher westliche Güter ordern und so für Belebung sorgen. Schon warnt die Zentralbank in Peking vor einer Rezession.

Goldman Sachs empfiehlt, gegen die Erholung von Staaten zu setzen

Der Pessimismus eint die Strategen in dem kommunistischen Reich mit den erzkapitalistischen Kollegen der New Yorker Investmentbank Goldman Sachs, die ihren Anlageprofis, Hedgefonds etwa, empfiehlt, gegen die Erholung von Staaten zu setzen.

Woher auch soll Hoffnung kommen? Es handelt sich ja um ein doppeltes Dilemma: Viele Länder haben kein Geld mehr, sie haben sich in der seit 2008 anhaltenden Finanzkrise in die Armut errettet mit immer neuen Überweisungen an Geldinstitute und mit Animationsprogrammen für die Konjunktur. Auf den Gütermärkten aber fehlt zunehmend die Nachfrage. Angst greift um sich, die Konsumenten sind verunsichert. Die große Staatsschuldenkrise trifft nun also auch auf eine große Konjunkturflaute.

Leitzinsen können nicht mehr weiter sinken

Dagegen wissen die Experten in Politik und Wirtschaft kein Rezept. Die Leitzinsen sind so niedrig, dass man sie nicht weiter senken kann, um Investitionen anzuregen. Es ist ja ohnehin genug Geld vorhanden, das allerdings oft zum Spekulieren verwandt wird, bei Rohstoffen, Währungen, Anleihen etwa. Und da die meisten Staaten konsolidieren müssen, kommen neue Konjunkturprogramme nicht in Frage. So werden September und Oktober harte Monate der Bereinigung, mit weiteren Kursverlusten und auch Pleiten. Erst nach all den Anpassungen und Korrekturen kann neue Hoffnung wachsen. Noch haben einfach zu viele Staaten, Bürger und Banken inklusive, zu lange über ihre Verhältnisse gelebt.