Schuldenkrise in Griechenland Varoufakis' Spiel mit der Öffentlichkeit

Yanis Varoufakis Greek Finance Minister Yanis Varoufakis gives a speech during a financial conference in Athens, on Tuesday, May 19, 2015. Market anxiety eased in Greece on Tuesday after the country's finance minister said he was confident of reaching a deal with bailout creditors as soon as next week.(AP Photo/Petros Giannakouris)

(Foto: AP)
  • Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis provoziert seine Ministerkollegen mit der Aussage, er habe während Verhandlungen in der Euro-Gruppe Tonaufnahmen gemacht.
  • In deutschen Regierungskreisen wird Aufklärung in dem Sachverhalt gefordert. Euro-Gruppen-Chef Dijsselbloem verlangt, die Vertraulichkeit der Gespräche zu wahren.
  • Ob Varoufakis tatsächlich Mitschnitte gemacht hat, ist unklar. Er selbst bleibt in einer Erklärung dazu vage.
Von Alexander Mühlauer, Brüssel

Die Fotos sind wieder toll geworden, nicht ganz so toll wie jene im Penthouse seiner Frau, aber immerhin sieht Yanis Varoufakis wahrhaft blendend aus. Wie er so über den Syntagma-Platz in Athen schlendert, das Hemd offen und natürlich nicht in die Hose gesteckt, könnte man meinen, er ginge ins Kaffeehaus. Dabei ist er auf dem Weg in sein Ministerium. Dorthin hat ihn ein Fotograf des New York Times Magazine begleitet.

Doch Varoufakis wäre nicht Varoufakis, hätte er es bei den Fotos belassen. Und so erzählte er dem Magazin, wie es ihm als Finanzminister so ergeht. Er erinnert sich an das Treffen der Euro-Gruppe im April in Riga, das für ihn nicht gerade optimal verlief. Ihm wurde vorgeworfen, auf Zeit zu spielen.

Nun sagt Varoufakis: "All diese Berichte, dass ich beleidigt wurde, als Zeitverschwender bezeichnet wurde und all das: Lassen Sie mich sagen, dass ich das mit jeder Faser meines Körpers dementiere." Er könne das beweisen, behauptet er, schließlich habe er die Gespräche in der Euro-Gruppe mitgeschnitten. Doch wegen der Regeln über Vertraulichkeit könne er diese Aufnahmen nicht veröffentlichen.

Ministerkollegen sind verärgert

Ob das stimmt, weiß nur Varoufakis selbst. Aber immerhin schafft er es mit dieser Äußerung, seine Ministerkollegen erneut zu verärgern. Aus deutschen Regierungskreisen verlautete: "Wir erwarten von der Euro-Gruppe, dass der Sachverhalt aufgeklärt wird. Die Vertraulichkeit der Gespräche muss gewahrt bleiben." Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem sagte am Donnerstag: "Treffen der Euro-Gruppe sind vertraulich. Wir verlassen uns auf jede anwesende Person, diese Vertraulichkeit zu respektieren."

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In Brüssel hieß es, dass es keine Regeln gebe, die das Aufnehmen verböten. Theoretisch könne das jeder Teilnehmer tun - allerdings nur für den Eigenbedarf. In Deutschland wäre ein solcher Mitschnitt strafbar. In Paragraf 201 des Strafgesetzbuches heißt es unter "Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes": "Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer unbefugt das nichtöffentlich gesprochene Wort eines anderen auf einen Tonträger aufnimmt."

Varoufakis versteht es, mit der Öffentlichkeit zu spielen

Varoufakis wird vieles vorgeworfen, zum Beispiel, dass er viel rede und zu wenig dafür tue, die griechische Schuldenkrise in den Griff zu bekommen. Aber eines muss man dem Finanzminister aus Athen zugestehen: Varoufakis versteht es, mit der Öffentlichkeit zu spielen. Bei seinen Pressekonferenzen genießt er es sichtlich, in irritierte Gesichter zu blicken, wenn er mal wieder etwas ganz anders sieht als seine Ministerkollegen.

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Aber stimmt es nun, dass Varoufakis vertrauliche Gespräche mitgeschnitten hat? Er selbst hat eine Erklärung verbreiten lassen, in der er den Bericht nicht dementiert. Stattdessen formuliert er einen Satz, der so allgemein gehalten ist, dass er schon wieder provoziert: "Mein Respekt für die Vertraulichkeit meiner Gespräche mit meinen Partnern, mit meinen Kollegen, mit den Institutionen, ist beispielhaft und ich glaube, dass das von jedem anerkannt und verstanden wird." Ob das so ist, wird man bei der nächsten Sitzung der Euro-Gruppe sehen.

Derweil wirft Varoufakis Amerikas Medienmaschine an. Kein Wunder, im Januar 2016 soll sein neues Buch erscheinen. Es heißt "And The Weak Suffer What They Must? Europe's Crisis and America's Economic Future". Der Titel ist ein Zitat des Historikers Thukydides, es bedeutet: "Und die Schwachen ertragen, was sie müssen."