Schuldenkrise Arbeitslosigkeit in Griechenland steigt auf neuen Rekordwert

27,6 Prozent Griechen haben keinen Job, trotz der wieder boomenden Tourismus-Branche. Die aktuellen Zahlen des Statistikamts sind ernüchternd. Dramatisch ist die Lage für junge Menschen.

Vor zwei Wochen kamen ausnahmsweise einmal gute Nachrichten aus Athen: Das Defizit in Griechenland sei deutlich geschrumpft, hieß es da. Um immerhin sieben Milliarden Euro sei das Minus im Staatshaushalt zurückgegangen, die Einsparungen zeigten schneller Wirkung als erwartet.

Die Zahlen, die die nationale Statistikbehörde Elstat an diesem Donnerstag herausgab, passen dagegen wieder in das klassische Muster, das Beobachter aus dem hoch verschuldeten Land gewohnt sind. Es geht um Negativrekorde, diesmal bei der Arbeitslosigkeit.

Die ist erneut dramatisch gestiegen. Nach den Zahlen für den Monat Mai, die erst jetzt in der korrigierten Endfassung vorliegen, liegt die Arbeitslosenquote bei 27,6 Prozent, das ist mehr als doppelt so viel wie der Durchschnittswert in der Euro-Zone, der bei 12,1 Prozent lag.

Noch dramatischer ist der Blick auf die Werte im Zeitverlauf:

  • Noch im Jahr 2008, also vor Beginn der Krise, betrug die Arbeitslosigkeit nur 7,3 Prozent, ein ähnlicher Wert wie aktuell in Deutschland. Die Quote stieg über die Jahre kontinuierlich an: Zunächst langsam auf 9,1 Prozent (2009), dann immer stärker, auf 12,1 Prozent (2010), 16,7 Prozent (2011) und 23,8 Prozent (2012). Jetzt wurde dieser bereits sehr hohe Wert noch einmal deutlich überschritten.
  • Besonders dramatisch ist im Verlauf der Krise die Zunahme der Jugendarbeitslosigkeit. Sie erhöhte sich von 19,6 Prozent im Jahr 2008 auf 55,1 Prozent im Jahr 2012. Im laufenden Jahr gab es noch einmal eine Steigerung, auf den Rekordwert von 64,9 Prozent. Allerdings kommt es immer wieder zu Missverständnissen bei der Interpretation der Zahlen zur Jugendarbeitslosigkeit, denn trotz einer offiziellen Arbeitslosenquote von mehr als 60 Prozent ist es nicht so, dass derart viele junge Griechen unter 25 Jahren als im eigentliche Sinne arbeitslos betrachtet werden können. Denn alle Schüler, Auszubildenden und Studenten werden in dieser Statistik mitgezählt - obwohl sie dem Arbeitsmarkt gar nicht zur Verfügung stehen und den weitaus größten Teil der Jugendlichen ausmachen. Dass junge Menschen in einer Krise länger zur Schule gehen oder studieren, ist zudem ein altbekanntes Phänomen.
  • Auch zwischen den Geschlechtern gibt es Unterschiede. Nach den Elstat-Zahlen waren im Mai 24,6 Prozent der Männer in Griechenland ohne Job, bei den Frauen waren es sogar 31,6 Prozent.

"Die wachsende Beschäftigung im Tourismus kann weder den Strukturwandel in vielen anderen Branchen der Wirtschaft noch die schwache Binnennachfrage kompensieren", sagt Ökonom Nikos Magginas von der National Bank. Die sehr gute Feriensaison - 17 Millionen Urlauber werden in diesem Jahr erwartet, so viele wie noch nie - könne aber ebenso wie steigende Exporte den Anstieg der Arbeitslosigkeit zumindest dämpfen. Der Tourismus macht etwa 17 Prozent der Wirtschaftsleistung aus; jeder fünfte Grieche arbeitet in dieser Branche. Die Einhamen dürften 2013 um etwa zehn Prozent auf elf Milliarden Euro steigern. Das hochverschuldete Land durchläuft seit sechs Jahren eine tiefe Rezession. Dazu beigetragen haben drastische Einsparungen, gerade auch im staatlichen Bereich. Denen musste sich Griechenland im Gegenzug für Milliardenhilfen der europäischen Partnerländer und des Internationale Währungsfonds (IWF) unterziehen.

Die Aussichten für die griechische Wirtschaft sind weiter ungünstig: Nach Schätzungen der Zentralbank wird sie auch dieses Jahr um mindestens 4,5 Prozent schrumpfen. Die Arbeitslosigkeit könnte noch bis auf 28 Prozent steigen. Für das kommende Jahr erwarten der IWF genauso wie die Europäische Kommission eventuell ein Mini-Wachstum. Die Arbeitslosigkeit wird aber nach der EU-Prognose vom Mai mit 26 Prozent auch 2014 exorbitant hoch bleiben. Erst 2015 rechnen Experten mit einem Rückgang.

In Italien, wo die Jugendarbeitslosigkeit mit knapp 40 Prozent ebenfalls sehr hoch ist, hat die große Koalition unter Ministerpräsident Enrico Letta am Mittwochabend ein neues Gesetz beschlossen. Demnach bekommen Unternehmen künftig steuerliche Vorteile, wenn sie junge Leute einstellen.

Die EU-Staats- und Regierungschef hatten schon auf ihrem Gipfel Anfang Juli die Belebung des Arbeitsmarktes zu ihrer wichtigsten Aufgabe erklärt und wollen sechs Milliarden Euro zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit investieren.