Schmiergeld-Prozess Ecclestones wichtigster Deal

Formel-1-Chef Bernie Ecclestone bereitet sich am 29. Juli auf die Fortführung seines Prozesses am Münchner Landgericht vor.

(Foto: REUTERS)

Mit 100 Millionen Dollar will sich Formel-1-Chef Bernie Ecclestone aus seinem Schmiergeld-Verfahren freikaufen. Für den Milliardär ist das wohl eine überschaubare Summe. Zusätzlich zu seinem Formel-1-Gehalt erhält er in etwa genau diesen Betrag jährlich. Als Unterhaltszahlung von seiner Ex-Frau.

Von Christoph Giesen und Klaus Ott

Schade, dass keine Fotografen dabei gewesen sind. Denn diese Szene war einmalig, so etwas hat es in der deutschen Justizgeschichte noch nicht gegeben. Am Freitagmittag reichten sich Bernie Ecclestone, der Chef der Formel 1, und Manfred Nötzel, der Leiter der Staatsanwaltschaft München I, die Hände und besiegelten das, was man in Justizkreisen einen "Deal" nennt:

Der Brite zahlt 100 Millionen Dollar, knapp 75 Millionen Euro. Im Gegenzug lassen die Strafverfolger sämtliche Vorwürfe im Schmiergeld-Verfahren gegen Ecclestone fallen. Der Prozess gegen ihn am Münchner Landgericht soll am kommenden Dienstag eingestellt werden, sofern die zuständige Strafkammer - erwartungsgemäß - zustimmt.

Ecclestone war am Freitag eigens nach München gekommen, um sich höchstpersönlich freizukaufen. Die 100 Millionen Dollar sollten für ihn kein Problem sein. Der einstige Gebrauchtwagenhändler hat die Formel 1 zu einer Geldmaschine gemacht, mit Milliardenerlösen, die von Sponsoren, Fernsehsendern und Rennstreckenbetreibern stammen.

Schmiergeld-Prozess gegen Formel-1-Chef Ecclestone bietet Gericht 100 Millionen Dollar

Über die Jahre ist Ecclestone dabei selbst zum Milliardär geworden, in den Neunzigerjahren hat er den Großteil seines Vermögens in eine Stiftung eingebracht. Die Begünstigten sind seine zweite Ehefrau Slavica und die beiden gemeinsamen Töchter Tamara und Petra. Inzwischen dürfte der Brite, der sich nach eigener Aussage aus Geld angeblich nichts macht, längst wieder Milliardär sein. Was sind da schon 100 Millionen Dollar?

Die Millionen entsprechen einem Jahr Unterhalt von Ecclestones Ex-Frau

Aus Ecclestones Sicht ist das ziemlich genau die Summe, die er nach der Scheidung von Slavica im März 2010 als Unterhalt bekam. Allerdings nicht als Einmalzahlung, sondern Jahr für Jahr. In den Scheidungsurkunden ist genau festgelegt, wie viel Slavica, ein ehemaliges Model, Ecclestone zu zahlen hat.

So erzählte es eine Rechtsanwältin aus Genf, die sich um Slavica kümmert, der Staatsanwaltschaft. Die Zahlungspflicht dürfte sich auf etwa 100 Millionen Dollar im Jahr belaufen, sei aber zeitlich befristet, sagte die Juristin als Zeugin aus. Was Ecclestone nun nach München zu überweisen gedenkt, entspricht also einem Jahr Unterhalt von seiner Ex.

Die ist 28 Jahre jünger als ihr langjähriger Gatte, 28 Zentimeter größer und sehr reich. Der Brite hatte in den Neunzigerjahren seine Formel-1-Anteile vor einer Herzoperation an Slavica abgetreten. Die brachte das seinerzeit auf mindestens zwei Milliarden Pfund geschätzte Vermögen in eine Stiftung namens Bambino ein. Steuerfrei.

Die Steuerbefreiung wurde allerdings nur gewährt, weil Ecclestone nichts mit Bambino zu tun hat. Das hat er jedenfalls dem britischen Fiskus immer wieder gesagt, und der hat das nach vielen Jahren Untersuchung auch geglaubt. Im Jahr 2008 bescheinigten die Finanzbehörden in London Ecclestone, dass alles in Ordnung sei.

Eine Hochzeit für zehn Millionen Euro? Im Hause Ecclestone kein Problem

Die Ausschüttungen aus der Bambino-Stiftung kommen noch immer Slavica und den beiden Töchtern zugute. Letztere sind inzwischen verheiratet, es waren rauschende Feste. Tamara feierte im Sommer 2013 in einem Luxushotel an der Côte d'Azur, mit Elton John als Stargast. Drei Millionen Euro soll diese Sause gekostet haben, fast ein Schnäppchen im Vergleich zu Petras Vermählung wenige Jahre zuvor. Die soll mehr als zehn Millionen Euro teuer gewesen sein. Alles kein Problem, Geld ist ja da.

Der Reichtum der ehemaligen Mrs. Ecclestone, der in der Bambino-Stiftung ruht, war die Grundlage für die im Scheidungsurteil festgelegten Unterhaltszahlungen. So bekommt Ecclestone indirekt also doch Geld aus der Stiftung, mit der er ja der Steuer wegen nichts zu tun haben darf. Alles ganz legal.

Dazu dürfte Ecclestone als Formel-1-Boss noch ein üppiges Salär kassieren. Und im Rahmen eines Bonus-Programms für das Management haben ihn die Aktionäre der Formel 1 schon vor Jahren wieder als Mitgesellschafter in die Vermarktungsfirma des Motorsport-Spektakels aufgenommen - mit 5,3 Prozent. Der Wert der Formel 1 wird von Banken auf deutlich mehr als zehn Milliarden Dollar beziffert. Fünf Prozent sind also gut 500 Millionen Dollar wert.

Die BayernLB sieht sich um 400 Millionen Dollar geprellt

Oder anders ausgedrückt: Was der Freistaat Bayern jetzt dafür bekommen soll, dass er den Briten laufen lässt, entspricht einem Anteil von nicht einmal einem Prozent an der Formel 1. Ein billiger Deal - für Ecclestone.

Der hat übrigens vor knapp zehn Jahren seinerseits viel Geld aus Bayern bekommen. Von der Landesbank, die damals zufällig Hauptaktionär des Renn-Zirkus war und diese Anteile wiederloswerden wollte. Der Brite vermittelte einen Käufer und bekam mehr als 40 Millionen Dollar Provision. Die BayernLB sieht sich inzwischen schwer geprellt und verlangt 400 Millionen Dollar Schadensersatz von Ecclestone. Der will auch an die Landesbank zahlen, zusätzlich zu den 100 Millionen Dollar für den Freistaat. Ecclestones Angebot an die BayernLB: etwas mehr als 30 Millionen Dollar.