Schätzung zur Steuerhinterziehung im Jahr 2013 Experte fordert schärfere Regeln für Firmen

Die Europäische Kommission spricht von einer deutlich höheren Summe, die dem Staat verloren geht. Die EU, sagt der Steuerkommissar Algirdas Šemeta, verliere durch Steuervermeidung und Steuerflucht jedes Jahr eine Billion Euro. Eine griffige Zahl. Sie stammt aus einer Berechnung, die der Brite Richard Murphy vor zwei Jahren für die Sozialdemokraten im Europaparlament vorgenommen hat.

Murphy ist Wirtschaftsprüfer und ein bekannter Aktivist für mehr Steuergerechtigkeit, der das Netzwerk Steuergerechtigkeit gegründet hat. Als Basis nutzt er Schneiders Berechnungen zur Schattenwirtschaft, in denen der Ökonom seine Schätzungen zur Steuerhinterziehung mit denen zur Schwarzarbeit kombiniert. Beide rechnen dann mit den Zahlen allerdings sehr unterschiedlich weiter.

Schneider versteht unter Schwarzarbeit eher kleine Dienstleistungen durch Privatpersonen, wie Haareschneiden oder das Einrichten einer einfachen Internetseite. Selbst wenn es der Staat schaffen sollte, diese Arbeiten zu legalisieren, wird er nur einen Teil der Steuern eintreiben können. Denn Sozialabgaben und Steuern würden die Schwarzarbeit verteuern und somit die Nachfrage sinken lassen.

Murphy geht dagegen davon aus, dass vor allem Unternehmen durch Schwarzarbeit im großen Stil betrügen und Arbeiten nicht offiziell abrechnen. Der Staat könnte sich deutlich mehr Geld holen, so Murphy, wenn es schärfere Regeln für Firmen gebe, wie sie mit Bilanzen und Rechnungen umgehen müssten.

Für Deutschland kommt Murphy für 2009 somit auf entgangene Steuereinnahmen in Höhe von 160 Milliarden Euro. Schneiders aktuelle Schätzung liegt inklusive der Kapitalhinterziehung und der Schwarzarbeit bei 65,5 Milliarden Euro. Eingerechnet sind dabei auch betrügerische Karussellgeschäfte, bei denen Kriminelle Produkte innerhalb der EU so oft im Kreis weiterverkaufen, bis der Staat zu viel Umsatzsteuer zurückerstattet.

Wissenschaftlich belegt ist, dass die Menschen mehr Steuern hinterziehen, wenn sie das Gefühl haben, dass auch viele Mitbürger das Finanzamt betrügen. Papst Johannes Paul II. nannte das die "Situation der Sünde". Eine Ausrede sei das aber nicht, schrieb der Papst: Hinter jeder Situation von Sünde stehen immer sündige Menschen.