SAP-Chef im Gespräch "Wir hatten unsere Kunden aus den Augen verloren"
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SZ: SAP wirkte in den vergangenen Jahren oft selbstgefällig. Im Mittelpunkt stand Walldorf, nicht die Welt des Klienten.
Snabe: SAP war von Beginn an nahe beim Kunden. Aber irgendwann haben wir den Kunden etwas aus den Augen verloren. Wir dachten, wir kennen alle Probleme, und haben dafür Lösungen entwickelt - auch am Kunden vorbei. Aber das hat sich jetzt geändert, der Kunde steht wieder klar an erster Stelle.
SZ: Sie meinen mit dem Führungswechsel, mit Ihrer Beförderung. Was hat sich genau geändert?
Snabe: Wir sind vor allem schneller geworden. Wir haben die Struktur verbessert, Bürokratie und Hierarchien abgebaut und den Mitarbeitern wieder mehr Verantwortung gegeben. Früher haben die Mitarbeiter intern viel Energie verbraucht. Jetzt wird diese Energie freigesetzt.
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SZ: Umfragen haben ergeben, die Stimmung bei SAP-Mitarbeitern ist schlecht.
Snabe: Wir befinden uns in einem Übergang. Ein Unternehmen mit etwa 50.000 Mitarbeitern funktioniert nicht von heute auf morgen anders. Viele Mitarbeiter leben noch in zwei Welten, in der alten und in der neuen. Da läuft nicht sofort alles reibungslos. Aber die überwiegende Mehrheit der Mitarbeiter findet unsere strategische Neuausrichtung gut. Sie sind nur mit der aktuellen Situation des Übergangs unzufrieden.
SZ: Gleichzeitig kämpfen die Konzerne draußen erbittert um Marktanteile. Es droht eine große Bereinigung. Wie lange ist SAP noch unabhängig?
Snabe: Spekulationen über eine Übernahme von SAP gibt es seit 20 Jahren. Das ist doch eine gute Nachricht. Sie zeigt, wie begehrt wir sind.
SZ: Das ist keine Garantie gegen Aufkauf, eher eine Einladung.
Snabe: Wir wollen selbständig bleiben, und das wollen auch unsere Kunden. Je erfolgreicher SAP ist, desto schwieriger wird es, uns zu kaufen. Die Gefahr einer Übernahme ist heute deutlich geringer.
SZ: Meinen Sie wirklich? Dem Aktienkurs von SAP fehlt Antriebsstoff.
Snabe: Seit Februar, also seit Bill McDermott und ich an der Spitze stehen und viele Veränderungen in Angriff genommen haben, hat die Aktie um 20 Prozent zugelegt. Das Vertrauen bei den Kunden ist wieder da. Wir haben gezeigt, dass wir wieder zweistellig wachsen können und werden unsere innovativen Produkte in Zukunft schneller auf den Markt bringen. Es geht aufwärts.
SZ: Ihr Vorgänger Léo Apotheker wurde Chef von Hewlett-Packard. Auch ein Kandidat, der SAP kaufen könnte.
Snabe: Das ist reine Spekulation. HP ist ein langjähriger guter Partner von uns, und wir sind offen dafür, diese Zusammenarbeit auszubauen. Zumal HP gerade Palm übernommen hat und ebenfalls auf mobile Lösungen setzt.
SZ: Der SAP-Aufsichtsratschef Hasso Plattner hat jüngst seinen Anteil an SAP leicht auf unter zehn Prozent reduziert. Stehen die Gründer noch zu SAP? Oder wollen sie verkaufen?
Snabe: Die Gründer Hasso Plattner, Dietmar Hopp und Klaus Tschira sind mit viel Herz und mit viel Verstand dabei. Solche Gesellschafter kann sich jeder Konzernchef nur wünschen.