Robuster Arbeitsmarkt: Prognose für 2011 Die guten Zeiten kommen erst

Der Arbeitsmarkt präsentiert sich schon jetzt überraschend stabil. Doch die Experten der Agentur für Arbeit erwarten, dass die Zahl der Arbeitslosen 2011 noch deutlich stärker sinken könnte - auf einen Stand wie zuletzt vor knapp zwanzig Jahren.

Gute Nachrichten aus der Bundesagentur für Arbeit: Der deutsche Arbeitsmarkt steuert auf sein bestes Jahr seit knapp zwei Jahrzehnten zu. Die Zahl der Arbeitslosen könnte im kommenden Jahr im Jahresdurchschnitt unter drei Millionen bleiben - erstmals seit 1992.

Für das laufende Jahr prognostizieren das Forschungsinstitut der Bundesagentur im Schnitt 3,24 Millionen Arbeitslose. Für 2011 errechneten sie einen Rückgang um 281.000 auf dann noch 2,96 Millionen Arbeitslose. Noch weniger Arbeitslose gab es im Jahresschnitt zuletzt 1991.

Die gute Entwicklung schreiben die Forscher der schwungvollen Konjunktur, aber auch den Arbeitsmarktreformen zu. Zudem sinke das Arbeitskräfteangebot aus demografischen Gründen.

Die Experten erwarten außerdem, dass der Monatswert der Arbeitslosenzahl in diesem Herbst bereits erstmals seit zwei Jahren wieder unter drei Millionen liegen wird. Zur Mitte des laufenden Jahres hätten Beschäftigung und Arbeitslosigkeit das Niveau vor der Wirtschafts- und Finanzkrise erreicht, erklärte das Institut. Der Arbeitsmarkt finde wieder Anschluss an den 2008 jäh beendeten Aufschwung.

Optmistische Prognosen

2011 könne die Beschäftigung mit 40,63 Millionen Erwerbstätigen den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung erreichen. Die Forscher gehen dabei von einem Wirtschaftswachstum in diesem Jahr von rund drei Prozent und 2011 von 1,75 Prozent aus. Ähnlich kalkulieren auch andere Forschungsinstitute. Der Ausblick fiel damit deutlich besser aus als noch im Frühjahr.

Eine Wissenschaftlerin der Bundesagentur lobte die Hartz-Gesetze der rot-grünen Bundesregierung. "Die Arbeitsmarktreformen haben den Arbeitsmarkt aufgelockert, dynamischer gemacht, auch das bewirkt einen leichten Anstieg bei der Beschäftigung", urteilt die Expertin. Hinzu komme, dass das Arbeitskräfteangebot 2010 und 2011 aus demografischen Gründen um etwa 210.000 Menschen abnehme.

Einen Aufschwung ohne Beschäftigungszuwachs werde es aber nicht geben. In den Dienstleistungsbereichen sei durchgängig Beschäftigung geschaffen worden. "Das gilt auch jetzt noch während des Aufschwungs, und die Industriebereiche selber stellen ebenfalls wieder ein." Allen voran sei dort allerdings die Zeitarbeit zu nennen, die zwar als Dienstleistung gezählt werde, jedoch häufig im verarbeitenden Gewerbe zum Tragen komme.

Auch Wirtschaftsminister Rainer Brüderle schließt sich der positiven Einschätzung an. Er sagte in der Haushaltsdebatte des Bundestages, in einzelnen Bundesländern wie Bayern und Baden-Württemberg gebe es "quasi Vollbeschäftigung". Der FDP-Politiker fügte hinzu: "Wir müssen sogar aufpassen, dass wir nicht schon bald ein großes Fachkräfteproblem bekommen."