Private Vorsorge Lob auf den Sparstrumpf

Viele drücken sich lieber um ihre eigene private Altersvorsorge. Doch Sparen für später kann auch einfach sein. Welche Besonderheiten Verbraucher bei der Geldanlage berücksichtigen und auf welche Produkte sie lieber verzichten sollten.

Von Anne-Christin Gröger

Zugegeben: Wer die aktuellen Schlagzeilen zur Altersvorsorge liest, dem kann die Lust aufs Sparen schon vergehen. Da ist die Rede von "drohender Altersarmut" für den, der sich nur auf die gesetzliche Rente verlässt. Oder von "viel zu teuren und unrentablen Riester-Verträgen". Vom "Tod der klassischen Lebensversicherung", dem einstigen Altersvorsorgeliebling der Deutschen, ganz zu schweigen.

Angesichts der negativen Berichte wundert es nicht, dass viele Deutsche sich lieber darum drücken, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, und das Geld lieber gleich ausgeben. Aber das ist zu kurz gedacht. "Es ist keine gute Strategie, das gesamte Geld in den Konsum zu stecken, man sollte auch an morgen denken", sagt Thomas Hentschel, Altersvorsorgeexperte bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Einen Puffer für Notfälle anlegen, Schulden zurückzahlen, erst dann anfangen zu sparen

Allerdings ist es auch wenig sinnvoll, aktionistisch irgendwelche Verträge abzuschließen und dann das Thema abzuhaken. Hentschel rät, bei der eigenen Altersvorsorge systematisch vorzugehen. Dazu gehört, sich finanziell für Notlagen zu rüsten. "Zunächst einmal sollten sich Verbraucher einen finanziellen Puffer anlegen, damit sie nicht in Schwierigkeiten kommen, wenn der Kühlschrank oder die Waschmaschine kaputtgeht", sagt er. Generell mache es Sinn, eine Rücklage von drei bis fünf Monats-Nettoeinkommen zu bilden, die jederzeit verfügbar sei.

Dazu sollten vorher angehäufte Schulden abbezahlt werden, neben Konsumentenkrediten kann das auch ein Studienkredit oder das Bafög sein. Das kann bares Geld sparen. "Die Zinsen, die Verbraucher für einen solchen Konsumentenkredit zahlen müssen, sind in der Regel höher, als es derzeit die Sparzinsen sind", sagt der Verbraucherschützer. Außerdem sollten Sparer über den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung nachdenken, denn die beste Altersvorsorge nutzt nichts, wenn der Versicherte wegen einer dauerhaften Erkrankung nicht mehr arbeiten und die Beiträge für eine Rentenversicherung oder die Raten für einen Immobilienkredit nicht mehr bezahlen kann.

Geht es dann darum, Geld fürs Alter zurückzulegen, sollten sich Interessierte einen ersten Überblick über die Höhe ihrer gesetzlichen Rentenversicherung verschaffen. Den geben die Jahresschreiben der Deutschen Rentenversicherung oder - für Freiberufler wie Ärzte, Rechtsanwälte oder Architekten - der berufsständischen Versorgungswerke. Die Schreiben enthalten Informationen darüber, wie hoch die zu erwartende Rente ausfallen wird, wenn Versicherte bis zum Renteneintrittsalter einen bestimmten Betrag regelmäßig einzahlen.

Weil aber die gesetzliche Rente bei den meisten heute Erwerbstätigen nicht reichen wird, um den Lebensstandard im Alter zu sichern, sollten Verbraucher auch noch andere Vorsorgemöglichkeiten in Erwägung ziehen, etwa die betriebliche Altersversorgung (bAV).

Grundsätzlich hat jeder Arbeitnehmer Anspruch auf eine solche Betriebsrente, bei der ein Teil des Gehalts in einen zusätzlichen Rententopf geht. Dabei sparen Mitarbeiter und Arbeitgeber Sozialabgaben und Steuern. Der Betrieb muss zwar diese sogenannte Entgeltumwandlung organisieren, er ist jedoch nicht verpflichtet, sie mitzufinanzieren.

Versicherungsberater Detlef Lülsdorf aus Köln hält diese Art der Vorsorge für sinnvoll, allerdings nur, wenn sich der Arbeitgeber daran beteiligt, etwa, indem er dem Mitarbeiter die gesparten Sozialabgaben weitergibt. "Bei einem ab 2017 gültigen Garantiezins von 0,9 Prozent und abgezogenen Kosten für den Vertrag liegt die Verzinsung für die nächsten 30 Jahre vielleicht bei 0,5 Prozent", sagt er. "Das frisst dann noch die Inflation auf, da kann der Arbeitnehmer das Geld auch selbst zurücklegen." Dazu kommt der Nachteil, dass der Arbeitnehmer zwar während der Ansparphase Vergünstigungen bei den Sozialversicherungsbeiträgen und bei den Steuern erhält. Das gilt jedoch nicht für die Rentenphase. Dann sind die Auszahlungen zu 100 Prozent sozialversicherungs- und steuerpflichtig. Für Angestellte mit Familien kann es sinnvoll sein, eine Riester-Rente abzuschließen. Allerdings müssen Verbraucher auch hier genau hinschauen: Riester-Renten gibt es als Rentenversicherung, Fondssparplan, fondsgebundene Riester-Rente, Banksparplan oder als Wohn-Riester. Die Bundesregierung hat sie 2002 eingeführt, um die Menschen zur privaten Vorsorge zu animieren und Kürzungen bei den gesetzlichen Renten auszugleichen. Zu den vom Kunden eingezahlten Beträgen schießt der Staat eine Grundzulage zu, für Kinder gibt es extra Geld. "Vor allem für Familien mit Kindern und für Singles rechnet sich diese Art der Vorsorge nach wie vor", sagt Verbraucherschützer Hentschel. "Durch die Zulagen kommen ordentliche Summen zusammen, trotz niedriger Zinsen", sagt er.

Altersvorsorge ist einfacher als viele denken: eine ordentliche Portion Misstrauen hilft

Lülsdorf rät jedoch dazu, genau zu prüfen. "Bei vielen Riester-Produkten sind die Kosten zu hoch", sagt er. Vor allem von den klassischen Riester-Rentenversicherungen rät er ab. Sie sind aufgrund der Provisionen für den Vermittler sowie der festen Garantien zu teuer. "Das bedeutet am Ende nur Geldvernichtung", sagt er. Sinnvoller sei es, über Banksparpläne oder Fondssparpläne zu riestern, diese Formen seien preisgünstiger.

Für den Berater ist private Altersvorsorge einfacher, als viele glauben. "Ein Sparvorgang hat nichts mit privaten Lebensversicherungen, Immobilien- oder Schiffsbeteiligungen, Genussrechten oder anderen komplizierten Anlageformen zu tun", sagt er. Verbraucher misstrauten vielen Anbietern automatisch und sollten auf ihren Bauch hören. "Wenn man ein Produkt nicht versteht und ein schlechtes Gefühl hat, sollte man die Finger davon lassen." Vielmehr gehe es zunächst darum, einen gewissen Betrag für später zurückzulegen und dafür auf aktuellen Konsum zu verzichten. Das Geld sollten Verbraucher so anlegen, dass sie flexibel darauf zugreifen können, etwa über ein Festgeld, ein Tagesgeld oder einen Geldmarktfonds. Sinnvoll sei es auch, bestimmte Beträge über einen kurzen Zeitraum fest anzulegen. "Im krassesten Fall kann es auch der Sparstrumpf sein", sagt er.