Paul Krugman gegen Olli Rehn Transatlantischer Kakerlaken-Krieg

"Ich habe nie behauptet, seine Mutter sei ein Hamster": Der bloggende Nobelpreisträger Paul Krugman ist richtig böse auf EU-Kommissar Rehn. Der vertrete Ideen, die sich im Klo nicht runterspülen lassen. Brüssel antwortet via Twitter - und versucht sich ebenfalls im Bösesein.

Die Debatte um Europas Zukunft ist auf dem Niveau von Kriechtieren angekommen. Besondere Expertise beweist Paul Krugman, der bisher eher dafür bekannt war, sich mit Zahlen auszukennen statt mit Zoologie: Der Nobelpreisträger und Ökonom bloggt in der New York Times über Zusammenhänge der Eurokrise, mit Schaubildern und Argumenten. Anders als man es von vielen Ökonomen kennt, beschreibt er diese Zahlen meist mit Wortwitz. Manchmal, wie an diesem Mittwoch, geht es dabei nicht direkt um Wirtschaft:

"I never asserted that Mr. Rehn's mother was a hamster and his father smelt of elderberries."

Mr. Rehn ist Olli Rehn, der finnische Vize-Präsident der EU-Kommission. Und tatsächlich hat Krugman sich in den letzten Wochen nicht über Rehns Eltern, sondern vielmehr über den EU-Politiker als selbst ausgelassen - sachlich, versteht sich.

"Rehn of Terror" nannte Krugman zum Beispiel Rehns Devise, in der Euro-Krise zu sparen obwohl die Arbeitslosenzahlen weiter steigen - eine Anspielung auf "Reign of Terror", die grausame Episode der Französischen Revolution, in der die Regierung brutal gegen vermeintliche Feinde vorging. Rehn verfalle, als "face of denialism" so genannten "Cockroach ideas in economics — ideas that you try to flush away, but keep coming back" - "Kakerlaken-Ideen", die sich wie Schaben einfach nicht im Klo herunterspülen ließen. Schließlich verfalle Rehn der beliebten Behauptung, dass selbst John Maynard Keynes heute kein Keynesaner wäre und Schulden machen würde - weil zu seinen Schaffenszeiten um 1930 die Schulden nicht annähernd so hoch wie jetzt gewesen seien. "Ah yes", seufzt da Krugman nur und schreibt:

"The amazing thing is the way men who know neither theory nor the history of previous crises are utterly convinced that they know what to do in our current crisis; and how their confidence in their prescriptions has been unaffected by the fact that they have been wrong about everything so far. Of course, what's even more amazing is the fact that these men are actually running things."

Dass Krugman nun per Hamster-Dementi von Angriff in Verteidigung wechselt, hat mit aufgeregten Reaktionen aus Brüssel zu tun. Die Kommission schlug zurück.

Der Belgier Koen Doens, der die Pressestelle der Kommission leitet, beschrieb das Niveau der Blogeinträge so:

Leicht gehässig äußerte sich Ryan Heath, Sprecher der niederländischen Kommissarin Neelie Kroes. Er implizierte, Krugman sei intellektuell eher als Putzlumpen zu gebrauchen.

Neelie Kroes wiederum sprang dem Kommissar-Kollegen Rehn zur Seite und warf Krugman Zynismus vor:

Krugman kontert, dass die Eurokraten sich wenig um die wirtschaftlichen Fakten scheren - sondern: "whether you come across as impressive". Und bemüht dann doch noch einmal Keynes:

"Now, it's true that I use picturesque language — but I do that for a reason. 'Words ought to be a little wild', said John Maynard Keynes, 'for they are the assault of thoughts on the unthinking.' Exactly."

Krugman hat, genau wie die Presseleute der Kommission, viel von Keynes gelernt.