Vergleichsportale Kein Durchblick auf Check24 & Co.

"Wir bei Check24 sagen seit vielen Jahren, dass wir nicht die Stiftung Warentest sind", heißt es vom Marktführer aus München.

(Foto: Matthias Balk/dpa)
  • Die Grünen fordern mehr Transparenz auf Online-Vergleichsportalen, die sich durch Provisionen finanzieren.
  • Vielen Nutzern sei nicht klar, dass es sich dabei nicht um neutrale Verbraucherinformationen handele.
  • Die Portale wehren sich - und auch die Bundesregierung sieht keinen Handlungsbedarf.
Von Herbert Fromme und Anne-Christin Gröger, Köln

Eigentlich sind Vergleichsportale im Internet eine feine Sache. Wer einen günstigen Energieanbieter oder Versicherer sucht, einen Mietwagen braucht oder sich über Kreditkonditionen einen Überblick verschaffen will, geht auf die Seiten von Check 24, Geld.de, Finanzcheck, Verivox oder anderen Portalen und hat mit wenigen Klicks den günstigsten Anbieter gefunden - glaubt er oder sie jedenfalls.

Das Problem: Die Anbieter sind kommerzielle Unternehmen, wollen also Geld verdienen. Das stammt vor allem aus Provisionen der Anbieter, deren Produkte die Kunden abschließen oder kaufen. Der Vorwurf mancher Kritiker: Die Abhängigkeit von Provisionszahlungen sorgt dafür, dass die Portale nicht objektiv vergleichen.

Vergleichsportale müssen laut den Grünen transparenter werden

Die Grünen im Bundestag haben der Bundesregierung jetzt Konzeptlosigkeit im Umgang mit Preisvergleichs- und Bewertungsportalen vorgeworfen. "Die Bundesregierung hat keine politische Antwort darauf, wie Verbraucherinnen und Verbraucher über die Seriosität und Transparenz von Vergleichs- und Bewertungsportalen informiert und vor Irreführung geschützt werden sollen", kritisiert die Bundestagsabgeordnete Nicole Maisch.

Die Kritik folgt der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen um die Abgeordneten Maisch, Renate Künast und Konstantin von Notz. Sie wollten wissen, wie die Regierung die Transparenz bei Vergleichsportalen verbessern will. "Vergleichs- und Bewertungsportale sind häufiger weniger objektiv und unabhängig, als Verbraucherinnen und Verbraucher annehmen", heißt es in der Anfrage. "Viele dieser Portale finanzieren sich über Provisionen und bewerten daher auch nur diejenigen Anbieter, die die Provisionen zahlen." Vielen Verbrauchern sei das nicht bewusst, behaupten die Grünen. Sie glaubten an eine neutrale Verbraucherinformation, wenn sie bei Portalen eine Versicherung abschließen, Reisen buchen oder Stromtarife vergleichen.

Vergleichsportale vergleichen!

Wer eine neue private Krankenversicherung sucht oder einen anderen Stromanbieter, der recherchiert im Internet. Eine Menge Onlineportale bieten an, verschiedene Möglichkeiten durchzurechnen. Aber Vorsicht: Nicht alle Anbieter bieten eine gute Beratung an. Kunden sollten auch die Portale selbst vergleichen. Jürgen Hoffmann mehr ...

Beispiel Versicherung: Nutzer können auf den Portalen nicht nur Versicherungstarife nach Sparten, Preis und Leistungen vergleichen, sie können auch online Verträge abschließen. Dann erhalten die Portale vom entsprechenden Versicherer eine Provision, in der Hauptsparte Autoversicherung meist um die 80 Euro.

Bundesregierung: Portale sind lediglich zusätzliche Vergleichsmöglichkeit

Die Bundesregierung sieht keinen Handlungsbedarf. In der Antwort auf die Kleine Anfrage räumt das Bundeswirtschaftsministerium zwar generell die Notwendigkeit ein, dass Preisvergleichsportale "die zentralen Kriterien der Aggregation, Selektion und Präsentation und ihre Gewichtung kenntlich machen sollen". Anlass für schärfere Gesetze sieht das Ministerium hingegen nicht. Verbraucher seien nicht gezwungen, Vergleichsportale zu nutzen. "Vergleichsrechner stellen eine zusätzliche Möglichkeit des Preisvergleichs dar", heißt es . "Ein Abgleich mit den originären Informationen der Anbieter oder direkten Vertreibern bleibt weiter möglich."

Mit dem Gesetz zum Schutz vor unlauterem Wettbewerb existiere bereits ein Rechtsrahmen zum Schutz vor Irreführung von Verbrauchern. Zudem stünde jedem Verbraucher frei, bei Beschwerden gegen einen Anbieter zu klagen. Diesen Hinweis findet die Grüne Maisch realitätsfremd: "Es ist unverantwortlich, dass die Bundesregierung, anstatt Regelungen vorzunehmen, die Verantwortung an die Verbraucher abschieben will", sagt sie. Der Verweis auf das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb sei bei Weitem nicht ausreichend und ungeeignet, um der fehlenden Transparenz der Portale zu begegnen.