Amazon "Wir sehen nun den Wandel, den wir erwartet haben"

Das Geschäft mit den E-Books brummt: Das Geschäft mit dem Reader Kindle zog bei Amazon im vergangenen Jahr um 70 Prozent an. Auch sonst geht es dem Versandhändler gut - obschon sich das Unternehmen bei vielen Produkten mit mageren Margen zufrieden gibt.

Statt schwere Tüten durch volle Einkaufspassagen zu schleppen, lassen sich viele Kunden ihre Waren nach Hause liefern. Von dieser Bequemlichkeit profitiert vor allem der weltgrößte Online-Einzelhändler Amazon. Der verdiente im vierten Quartal 2012 besser als erwartet.

Im Jahresvergleich stieg der Nettoumsatz um 22 Prozent, auf 21,3 Milliarden Dollar - das war eigentlich etwas weniger gedacht. Doch dank des guten Weihnachtsgeschäfts stieg der operative Gewinn um satte 56 Prozent und die Bruttomargen legte binnen eines Jahres von 20,7 Prozent auf 24,1 Prozent zu. Diese hohen Bruttomargen überraschten die Experten.

Wegen hoher Investitionen etwa in Logistikzentren sowie magerer Gewinnspannen bei vielen Artikeln erwarteten viele von ihnen einen weitaus geringeren Gewinn.

Doch mit Kosteneinsparungen steuerte das Unternehmen gegen diese Entwicklung. Durch den Ausbau des Netzes an Warenlagern sowie Auftragsbearbeitungszentren war der Versandhändler in der Lage die bestellte Ware günstiger auszuliefern.

Wie Konzern-Chef Jeff Bezos erklärte, verdiente der Einzelhändler im vierten Quartal vor allem durch Cloud Computing und den Handel mit E-Books (wie Amazons E-Books den Buchhandel verändern, lesen sie hier). Allein das Geschäft mit dem Reader Kindle zog im vergangenen Jahr um 70 Prozent an, sagte Bezos. Das klassische Buchgeschäft wuchs dagegen nur um fünf Prozent. "Wir sehen nun den Wandel, den wir erwartet haben", erklärte Bezos am Sitz in Seattle. "E-Books sind eine Multimilliarden-Dollar-Kategorie für uns und sie wächst schnell."

Amazon-Aktie zwischenzeitlich auf Rekordhoch

Nach Ansicht von Analysten geht Amazons riskante Wachstumsstrategie auf: Günstige Preise, ein schneller und oft kostenloser Versand sowie neue Produkte sollen die Kunden anlocken und binden. Das sichert Marktanteile gegenüber anderen Onlinehändlern und setzt die Konkurrenten mit stationären Verkaufsfilialen unter Druck.

Wie schnell Amazon wächst, zeigt auch die Zahl der Mitarbeiter. Sie stieg dank zahlreicher Neueröffnungen von Versandzentren binnen eines Jahres um 57 Prozent auf 88.400 Festangestellte. Dabei sind noch nicht einmal Saisonkräfte hinzugerechnet, die Amazon etwa zu Weihnachten beschäftigt.

Die Anleger an der Börse regierten erfreut. Nach Handelschluss stieg die Amazon-Aktie am Dienstag um satte neun Prozent und lag zwischenzeitlich sogar auf einem Allzeithoch.

Auch der Rivale Ebay hatte rund um Weihnachten kräftig zugelegt. Treibende Kraft war hier einmal mehr die Bezahltochter PayPal (wie ebay mit PayPal Geld verdient, lesen Sie hier), aber auch der Ebay-Marktplatz lockte deutlich mehr Kunden an. Dabei tritt Ebay allerdings nicht selbst als Verkäufer auf, sondern lebt von Gebühren für Geschäfte, die über seine Plattform abgewickelt werden.