Oberlandesgericht Düsseldorf Kunstberater muss wohl 16 Millionen Euro an Aldi-Erben zahlen

Helge Achenbach verkaufte Oldtimer und Kunst teurer weiter als vereinbart.

(Foto: Andreas Endermann/dpa)
  • Achenbach kaufte in Albrechts Auftrag Gemälde und Oldtimer.
  • In gut einem Dutzend Fällen soll der Berater mehr Geld in Rechnung gestellt haben als den Einkaufspreis plus die vereinbarte Provision.
Von Benedikt Müller, Düsseldorf

Als der Aldi-Erbe Berthold Albrecht in seinen letzten Lebensjahren in die Welt der Sammler einstieg, wollte er einen Promibonus verhindern: Der Milliardär ohne künstlerisches Fachwissen wollte nicht viel mehr bezahlen müssen als jeder andere Käufer. Also beauftragte er seinen Duzfreund Helge Achenbach, renommierter Kunstberater aus Düsseldorf, für ihn Gemälde und Oldtimer zu kaufen, zu fairen Preisen und gegen eine Provision von drei bis fünf Prozent. Albrecht wollte nicht über den Tisch gezogen werden.

Umso tragischer ist, dass genau das trotzdem geschehen sollte - und dass der Streit zwischen Achenbach und den Aldi-Erben noch immer Gerichte beschäftigt, auch gut fünf Jahre nach Berthold Albrechts Tod.

"Der Erblasser hat darauf vertraut, dass sein engster Männerfreund ihn redlich und ehrlich behandelt"

Vor dem Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf hat am Donnerstag der Berufungsprozess zwischen Albrechts Erben und Achenbach begonnen. Darin ließ Richter Jörn Jenssen erkennen, dass der einstige Kunstberater bis zu 16 Millionen Euro Schadenersatz an die Aldi-Erben wird zahlen müssen. "Der Erblasser hat darauf vertraut, dass sein engster Männerfreund ihn redlich und ehrlich behandelt", sagte Jenssen. Diese Pflicht habe Achenbach "in Teilen verletzt". Mithin bliebe das OLG unter der Entscheidung des Landgerichts Düsseldorf zurück, das den Kunstberater vor einem Jahr zu gut 18,7 Millionen Euro Schadenersatz verurteilt hatte.

Vom Jahr 2009 an kaufte Achenbach in Albrechts Auftrag Gemälde bekannter Künstler wie Juan Muñoz oder Gerhard Richter. Später kamen noch Oldtimer von Bugatti oder Ferrari hinzu. Doch in gut einem Dutzend Fällen soll der Berater mehr Geld in Rechnung gestellt haben als den Einkaufspreis plus Provision. "Er schlug eine unterschiedliche Marge auf", sagte Jenssen. Der Schwindel flog erst auf, als nach Bertholds Tod die Witwe Babette Albrecht die Rechnungen Achenbachs überprüfte.

Seit dem Jahr 2014 sitzt Deutschlands wohl bekanntester Kunstberater hinter Gittern; seine Unternehmen gingen pleite. Das Landgericht Essen verurteilte Achenbach zu sechs Jahren Gefängnis, wegen Untreue und Betrugs. Auch sehr reiche Menschen seien "kein Freiwild", begründete das Gericht die Strafe. Die Tat war "von großer krimineller Energie und Gewinnstreben geprägt", befand später das OLG. Achenbach unterrichtete andere Häftlinge in Kunstgeschichte; mittlerweile lebt er im offenen Vollzug und arbeitet bei der Diakonie. Im Juni soll der 66-Jährige auf Bewährung freikommen, nachdem er zwei Drittel seiner Haftstrafe tadellos abgesessen hat.

Nun wollen die Anwälte Achenbachs und der Albrechts wenigstens den Zivilstreit um Schadenersatz beilegen. Die Aldi-Erben ziehen ihre Klage im Falle zweier Gemälde zurück, für die das OLG eigens Zeugen hätte verhören müssen. Alleine dadurch fällt der Schadenersatz nun um 1,1 Millionen Euro niedriger aus. Anderen Mitgliedern der Albrecht-Dynastie missfiel der jahrelange Rechtsstreit ohnehin, weil er ein Schlaglicht auf das Vermögen der Aldi-Erben warf.

Wie viel Schadenersatz den Albrechts genau zusteht, will Richter Jenssen am 28. Juni verkünden.

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