Neuer Kanal in Nicaragua Ein Schiff soll kommen

Auf 278 Kilometern soll der Nicaragua-Kanal quer durch Mittelamerika verlaufen und dabei auch den Nicaragua-See kreuzen, das größte Süßwasser-Reservoir der Region.

(Foto: Quelle: Bing, Bearbeitung: SZ.de)

Der neue Kanal zwischen Atlantik und Pazifik nimmt Form an: Ein chinesischer Investor plant eine 278 Kilometer lange künstliche Wasserstraße quer durch Nicaragua. Jetzt ist auch der genaue Streckenverlauf klar.

Ende des Jahres soll es losgehen. Dann sollen sich Baumaschinen quer durch Nicaragua fressen und eine neue Verbindung zwischen dem Atlantischen und dem Pazifischen Ozean schaffen. Und jetzt ist auch klar, auf welcher Strecke.

Die Wasserstraße soll den am Montag vorgestellten Plänen zufolge von der Flussmündung des Río Punta Gorda an der Karibikküste durch den Nicaragua-See im Landesinneren bis zur Mündung des Río Brito auf der Pazifikseite führen - insgesamt eine Strecke von 278 Kilometern. Gebaut wird das Mammutprojekt durch die chinesische HKND-Holding mit Sitz in Hongkong, die sich die Nutzungsrechte für mindestens 50 Jahre vom Staat gesichert hat. In dieser Zeit kassiert die Regierung in Managua als Gegenleistung jährlich zehn Millionen Euro, anschließend soll der Kanal dem Staat gehören. Allerdings bleibt HKND die Option, die Nutzungsrechte für weitere 50 Jahre zu erwerben.

Der Kanal wird demnach zwischen 230 und 530 Meter breit, zwei Schleusen sollen die Wasserstandsunterschiede ausgleichen. Damit sollen auch Schiffe der derzeit höchsten Gewichtsklasse mit einer Ladekapazität von rund 400.000 Tonnen die Wasserstraße passieren können. Die Fahrt zwischen den Ozeanen soll etwa 30 Stunden dauern. HKND rechnet damit, dass jährlich 5100 Schiffe die Wasserstraße nutzen werden. Die rivalisierende Route durch den Panama-Kanal, der derzeit ebenfalls erweitert und modernisiert wird, nutzen rund 14.300 Frachter und Tanker jährlich.

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Fünf Prozent des Welthandels könnten künftig über die Wasserstraße abgewickelt werden, prognostiziert HKND. Zudem entstünden 200.000 Arbeitsplätze. Damit ist das Kanal-Projekt die große wirtschaftliche Hoffnung des bitterarmen Nicaragua und seines Präsidenten Daniel Ortega. Denn zusätzlich zu der Wasserstraße sollen zwei Tiefwasserhäfen an den Eingängen zum Kanal, ein Flughafen, eine Freihandelszone, Ferien-Resorts und Straßen entstehen. Für diese Aussicht hatte das Parlament des Landes sämtliche Bedenken von Umweltschützern beiseitegeschoben und den Bau genehmigt.

Umweltschützer hatten bereits im Vorfeld die Streckenführung durch den Nicaragua-See kritisiert. Er ist das größte Trinkwasserreservoir Mittelamerikas - entsprechend verheerend wäre die Havarie eines Öltankers für die gesamte Region. Der Schiffsverkehr könnte zudem das biologische Gleichgewicht in dem Gewässer völlig durcheinanderbringen, die Folgen für Tiere, Pflanzen und Menschen seien nicht absehbar. Zudem bezweifeln Kanal-Gegner, dass HKND das rund 40 Milliarden US-Dollar teure Großprojekt überhaupt stemmen kann.

Hinter der Holding steht mit dem Unternehmer Wang Jing einer der reichsten Menschen Chinas. Wang ist Chef der Telekommunikationsfirma Xinwei Telecom, die er in fünf bis zehn Jahren in die weltweiten Top drei der Branche führen will. Ähnlich groß sind seine Pläne für den Nicaragua-Kanal. Zudem betont Wang, dass die chinesische Regierung mit der Finanzierung des Baus nichts zu tun habe. Das Geld stamme ausschließlich aus privater Hand.

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(Foto: Ingo Wagner/dpa)