Neue Berechnung der globalen Ökonomie So stark ist Chinas Wirtschaft wirklich

Chinas Wirtschaft ist größer als gedacht: Elektronik-Fabrik in Huzhou

(Foto: REUTERS)

Weltbank und OECD haben nachgerechnet und festgestellt: China wird die USA schneller als gedacht als größte Volkswirtschaft ablösen. Und Indien zieht an Japan vorbei. Deutschlands Anteil an der weltweiten Wirtschaftsleistung schrumpft.

199 Länder haben die Statistiker verglichen, sie haben altes Wissen auf den Prüfstand gestellt, nochmal genau nachgerechnet und festgestellt: China holt rasant auf und dürfte die USA als größte Wirtschaft der Erde früher als gedacht überholen. Auch die Schwellenländer sind deutlich stärker als bisher angenommen - Indien überholt Japan als drittgrößte Volkswirtschaft.

Das internationale Vergleichsprogramm ICP, das OECD, Weltbank und EU gemeinsam betreiben, hat zum ersten Mal seit 2005 nachgerechnet, welche Kaufkraft Geld in verschiedenen Staaten tatsächlich hat. Mit dieser Größe lässt sich deren Wirtschaftskraft genauer vergleichen, weil Wechselkursschwankungen das Ergebnis nicht verzerren. Die Daten beziehen sich auf das Jahr 2011.

Die wichtigsten Erkenntnisse der Untersuchung (kompletter Bericht als PDF):

  • Chinas Wirtschaft ist deutlich größer als gedacht und dürfte die der Vereinigten Staaten bald überholen. Der IWF ging bisher davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt etwa halb so groß sei wie das der USA. Nach der neuen Rechnung erreichte die chinesische Wirtschaft 2011 fast 90 Prozent der Größe der amerikanischen. 2005 waren es noch 43 Prozent gewesen. Weil Chinas Wachstumsraten deutlich über denen der USA liegen, könnte das ostasiatische Land noch in diesem Jahr die größte Volkswirtschaft der Erde werden, schätzt die Financial Times auf Grundlage der neuen Zahlen. Bisher waren Ökonomen davon ausgegangen, dass dies erst im Jahr 2019 stattfinden werde. Derzeit entfallen 17 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung auf die USA, 15 Prozent auf China. Alle 28 EU-Staaten zusammengerechnet sind übrigens noch größer als die USA oder China. Sie kommen zusammen auf einen Anteil von mehr als 18 Prozent, verkündet die europäische Statistikbehörde Eurostat stolz (PDF).
  • Die klassische Hierarchie der Staaten bröckelt. Mit China wird bald ein Land die Spitze übernehmen, das durch mittlere Einkommen geprägt ist. Indien liegt erstmals vor Japan und ist die damit die neue drittgrößte Wirtschaft der Erde.
  • Auf die sechs großen Schwellenländer - neben China und Indien sind das Brasilien, Südafrika, Indonesien und Russland - entfallen mittlerweile 30 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Auf die Hocheinkommensländer der OECD entfielen 2005 noch 60 Prozent, 2011 nur noch 50 Prozent. Daraus spricht allerdings nach wie vor große Ungleichheit: Denn nur 17 Prozent der Menschen leben in diesen reichen Ländern. Staaten aus der Kategorie "niedrige Einkommen" erbringen 1,5 Prozent des globalen BIP, obwohl dort elf Prozent der Weltbevölkerung leben.
  • Deutschland ist die fünftgrößte Wirtschaft der Welt. Sein Anteil an der globalen Wirtschaftsleistung liegt bei 3,7 Prozent, wenn die Kaufkraft berücksichtigt wird. 2005 lag der Wert bei 4,6 Prozent.
  • China, die USA und Deutschland sind allerdings auch große Länder mit vielen Einwohnern. Berechnet man die Wirtschaftsleistung je Einwohner, liegen Katar, die chinesische Sonderverwaltungszone Macao, Luxemburg, Kuwait und Brunei vorne. Im Durchschnitt kommen so auf jeden Bewohner von Katar und Macao mehr als 100 000 Dollar Wirtschaftsleistung. Ob das Einkommen in den Land gerecht oder ungerecht verteilt ist, drückt die Zahl nicht aus. In den ärmsten Staaten Malawi, Mosambik, der Zentralafrikanischen Republik und Liberia beträgt die Wirtschaftsleistung weniger als 1000 Dollar pro Kopf.
  • Das Ranking nach Kaufkraft erlaubt es auch, die teuersten Länder der Welt zu identifizieren: die Schweiz, Norwegen, Australien, Dänemark und die Bermudas. Vergleichsweise am billigsten ist statistisch gesehen das Leben in den armen Staaten Pakistan, Myanmar, Äthiopien und Laos - auch wenn das tatsächliche Einkommen vieler Menschen weiterhin auch für dortige Verhältnisse niedrig ist.
  • Die Statistiker können vergleichen, wie viel die Menschen in den Staaten tatsächlich konsumieren, entweder durch eigene Einkäufe oder durch Leistungen, die durch den Staat bereitgestellt werden. Dieser Wert lässt einen besseren Rückschluss auf die tatsächliche Lebensqualität zu als der Blick auf die reine Wirtschaftsleistung. Bei diesem Wert liegen die Steueroasen Bermuda und Cayman Islands sowie die USA pro Kopf an der Spitze, noch vor Staaten wie Norwegen und Deutschland. Auch hier sagt der Durchschnitt aber nichts darüber aus, ob dieser Konsum fair verteilt ist.